Titel:
Die Königliche Thierarzneischule zu Hannover in den ersten Hundert Jahren ihres Bestehens
Personen:
Günther, Karl Wikipedia
PURL:
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Ueber vorbenannten Zimmern und Ställen sind die Wohnzimmer für den
Herrn Kersting.*)

Die Einrichtung, in welcher den Schülern der Unterricht gegeben
wird, ist folgende:

Alle Morgen von 8—9 Uhr finden sich drei Schüler, an welchen die
Reihe ist, in der Schmiede ein, um Hufeisen zu machen und im Beschlagen
sich zu üben. Von 9—10 kommen sämmtliche Schüler im Hörsal zusammen
und hören Vorlesung über die innerlichen 'und äusserlichen Krankheiten an,
indem diese Stunde Montags, Dinstags, Donnerstags und Freitags hierzu
bestimmt ist und das Winterhalbjahr mit den äusserlichen und das Sommer-
halbjahr mit den innerlichen Krankheiten darüber zu lesen beendigt wird.

Von 10—11 Uhr werden die in den Krankenställen sich befindlichen
Pferde verbunden und denselben die benöthigte Medicin gegeben. Die
nämlichen Tage wird in den Wintermonaten von 1—2 Uhr durch die Schüler
zergliedert, von 2—3 Uhr über die Zergliederung gelesen und von 3—4
Uhr gehen die Schüler abermals, um sich zu üben, in das Zergliederungs-
zimmer. In den Sommermonaten wird nicht zergliedert und nur in den
Stunden von 2—3 über verschiedene Gegenstände gelesen, als:

1) Ueber dasjenige, was beim Handel oder der Wahl des Pferdes
zu beobachten ist und wenn dieses theoretisch vorgetragen und die dazu
bestimmte Regel (zur Untersuchung) gelehrt worden, so muss jeder Schüler
auch solches im Beisein des Lehrers praktisch ausüben und jeden Theil des
Pferdes nach den bestimmten Regeln aus demjenigen Standpunkte ansehen,
aus welchem dessen gesunde oder fehlerhafte Bildung am besten in die
Augen fällt.

2) Ueber die Kenntniss des Alters an den Zähnen.

3) Ueber die Geburtshülfen, auch hierüber werden die Hülfen mit
der Hand und Instrumenten an einer Puppe und einem Becken praktisch
gezeiget und eingeübet.

4) Ueber die Geschäfte des thierischen Körpers im gesunden Zustande
(Physiologie) und über Fütterung und Wartung der Pferde.

5) Ueber Pferdezucht.

(„Anweisung zum Receptschreiben“ ist durchgestrichen [der Ref.].)

6) Ueber verschiedene besondere Operationen, als Castriren, Englisiren,
Ohrenaufsetzen u. s. w.

*) Nach einer bei den Acten befindlichen Handskizze war die Eintheilung der
Betriebsräume 1790 noch gerade so (cf. Plan I, dessen Original vom 29. März 1790
sich in den Gebäude-Acten beim Bericht vom 12. März 1792 befindet). Der Hörsaal,
der Museumsraum, der Präparirsaal und die Apotheke dienten bis 1846 zu Unter-
richtszwecken, erstere waren sehr geräumig und hell, pp. 30 Fuss lang und 20 Fuss
breit, die Apotheke war nur klein, pp. 20 Fuss lang und 10 Fuss breit. Von jenen
Krankenställen waren nur noch zwei für 2 und einer für ein Pferd vorhanden, erstere
hatten eine Tiefe von pp. 18 Fuss bei einer Breite von 13 Fuss, letzterer war pp.
10 Fuss breit bei pp. 18 Fuss Tiefe, sie waren mit Steinkrippen und hölzernen
Raufen mit Eisensprossen versehen. Der Corridor war pp. 55 Fuss lang und etwa
20 Fuss breit, am Ende desselben befand sich die Treppe zur oberen Etage. Ein
grosses Thor, neben welchem ein grosses Fenster, bildete an der Südseite den Ein-
gang zu demselben. Ein Keller war unter dem Gebäude nicht vorhanden.

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