Titel:
Die Thierärztliche Hochschule zu Berlin 1790 - 1890
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Eintheilung haben allerdings nicht mehr den früheren Werth, weil wir
jetzt weniger den abnormen Zuständen als den Vorgängen, welche die
selben verursachen, unsere Aufmerksamkeit schenken. Allein damit
will ich keinen Tadel ausgesprochen haben. Man muss namentlich be
achten, dass die Eintheilung der Missgeburten nach dem genetischen
Principe zu der Zeit, in der das Handbuch von Gurlt erschien, ganz
unmöglich war, weil man keine ausreichenden Kenntnisse auf dem Ge
biete der Entwickelungsgeschichte besass. Auch mag es zutreffen, dass
die von Geoffroy Saint-Hilaire gemachten Namen für manche
Missgeburten denen von Gurlt vorzuziehen sind. Im Ganzen aber ist
das Werk von Gurlt eine Leistung ersten Ranges. Mit der fort
schreitenden Kenntniss in der Embryologie veraltete sein Werk mehr und
mehr. Gurlt wusste dies, denn er war ein zu grosser Anatom, als
dass er diesen Fortschritten nicht hätte folgen sollen. Kaum war er
von seiner Thätigkeit an der Thierarzneischule zurückgetreten
(11. April 1870), da erschien auch schon ein neues selbständiges
Werk: ,,Ueber thierische Missgeburten“. Letzteres vereinigt nicht
nur die von ihm verfassten Journalartikel über den in Rede ste
henden Gegenstand, sondern es wird auch in diesem Werke eine
grössere Anzahl von Missbildungen bei Thieren, die bisher nicht be
obachtet waren, neu beschrieben und, was namentlich zu betonen ist,
die Entstehung der Missgeburten zu erklären versucht. Gurlt suchte
also die von ihm erkannten Mängel seines Lehrbuchs zu beseitigen,
und Jedermann muss zugeben, dass er diese Aufgabe in einer Weise
erledigt hat, die von Neuem die Aufmerksamkeit seiner Fachgenossen
auf ihn lenken musste.
Das grösste Denkmal aber, welches sich Gurlt schuf, ist die
Begründung der pathologisch - anatomischen Sammlung an der thier
ärztlichen Hochschule zu Berlin. Das letzte von ihm gesammelte
Präparat aus dem Jahre 1870 („Kalbskopf mit ganzer Gesichts
spaltung und grossen Exostosen an den Nasenmuscheln“) trägt die
Nummer 6418. Die Bezeichnungen fast aller Präparate sind von
Gurlt selbst geschrieben. Der Katalog ist von ihm angelegt und
bis zu seinem Abgänge von der thierärztlichen Hochschule auf das
Gewissenhafteste fortgeführt worden. Die Reichhaltigkeit der Samm
lung an Missgeburten ist so gross, dass sie bis jetzt noch nirgends
übertreffen und die Ursache ist, dass sie fort und fort von hervorra
genden Anatomen, Embryologen etc. aufgesucht wird, um die Abweichun-

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