Titel:
Die Thierärztliche Hochschule zu Berlin 1790 - 1890
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getreten zu sein. Man hätte sich' in den Einrichtungen der Anstalt ohne
Zweck verloren. Man hätte aus der gemeinen Volksklasse gelernte Schmiede
gewählt, und da sie zunächst für den Militärdienst als Kurschmiede be
stimmt, so wäre dies sehr richtig begründet gewesen, um so mehr, da für
diese Schüler nach beendigter Lehrzeit nur eine Laufbahn eröffnet gewesen
wäre, die den fertigen Beschlagschmied erfordert und die daher für Leute
mit anderweitiger Ausbildung nicht gepasst hätte. Aber man wäre von
dieser Ansicht ganz abgegangen, als man diese Schüler mit einer ihre
Fähigkeiten und künftige Bestimmung verfehlenden Bildung hätte versehen
wollen. Sie hätten einen Heilappnrat kennen gelernt, der auf einen höheren
Standpunkt der Wissenschaft berechnet, aber nie von ihnen in Ausübung
hätte gebracht werden können; dahin gehörten die-kostspieligen warmen
Bäder, die grosse Elektrisirmaschine etc.
Die Techniker hätten die rühmlichen Bestrebungen des Stifters der
Anstalt unterstützen sollen, dann wäre zu einer Zeit, wo Berlin die grössten
Chemiker und Botaniker besass, nicht ein Apotheker aus Potsdam nach
Leipzig gesandt worden, um dort diese Wissenschaften zu erlernen.
Der Zweck des Ganzen wäre bald noch mehr durch die Spaltung der
Lehrer, die sich nicht redlich zu gemeinsamem Wirken verbunden hätten,
und durch das endliche Ausscheiden eines derselben, dessen Stelle noch
jetzt unbesetzt wäre, verfehlt. Die Vorlesungen des Ausgeschiedenen wären
unter beide jetzt noch vorhandene Lehrer vertheilt worden, aber ohne des
halb die Zahl ihrer Stunden zu vermehren, und wichtige Doktrinen, z. B.
Viehseuchen, würden sogar nicht mehr besonders gelehrt, sondern nach
Gelegenheit dem übrigen Unterrichte eingeschaltet. So wäre jetzt der ganze
Unterricht ein Chaos geworden und hierin baldige Aenderung dringendes
Bedürfniss. Es bestände jetzt gar keine Klasseneintheilung der Schüler,
alle hörten zugleich dasselbe, der Anfänger hörte Gegenstände, die der
mehr Unterrichtete nur verstehen könnte, und dieser hörte gleichzeitig
wieder die Anfangsgründe. Auch die Zahl der Stunden, welche zu dem
weit umfassenden Unterrichte bestimmt wären, wäre zu beschränkt. Denn
wenn Schüler, wie sie die Anstalt hätte und erzöge, auch nicht mit dem
Historischen oder_ Hypothetischen der Wissenschaft beschäftigt werden
brauchten, so erforderte der fassliche Unterricht und die öftere Wiederholung
desselben, da er sich den üblichen Schulmethoden nicht genug anschliessen
könnte, doch auch einen gewissen Zeitaufwand. Der eigentliche Lehrkursus
hätte ebenfalls keine bestimmte Zeit, denn der Professor Naumann hätte
seine Winter-Collegia bereits angefangen; sein ganzer Unterricht wäre ein fort
laufender Faden, der ohne Zwischenzeit, ohne Haltepunkte ununterbrochen ab
gesponnen würde. Er hätte sich so jeder Aufsicht entzogen und die frühere Ver
ordnung, dass der Lehrkursus am 1. November anfangen sollte, ganz bei Seite
gesetzt. Noch auffallender erschiene dieses Verfahren, wenn man ebenso
wahrnähme, wie die neuankommenden Schüler nicht zu einem bestimmten
Zeitpunkte einträfen, sondern vielmehr ganz nach anderen Konvenienzen
ihr Studium begönnen. Es wäre kein Monat, kein Tag im Jahre, der bei
jetziger Einrichtung nicht ihrer Aufnahme in die Anstalt gerecht wäre, und
der rohe Anfänger träte gleich am ersten Tage in den bestimmten Cyklus
der Wissenschaft ein, gleichviel in welchem Punkte er den Kreis beträte.
Hier müsste, wie früher geschehen ist, ein bestimmter Termin für An
fang und Ende der Winter- und Sommer-Vorlesungen restgesetzt werden.
Zu gleicher Zeit würde das Königliche Kriegsministerium von Eurer Ex
cellenz dahin veranlasst werden können, alle Regimentskommandeure aufzu

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