Titel:
Grundriss der Geschichte der Thierheilkunde
Personen:
Eichbaum, Friedrich Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN618743537/186/
1802 und die Zoojatria 1807—1810 von Pozzi, in Spanien die Elementos de
veterinaria (Anatomie 1793—1794, Materia mediea 1795—1796, Pathologie
1797—1800) von Malats, sind solche Werke, die unter dem Einflüsse dieser
Anschauungen verfasst sind. Mehr oder weniger compilatorischer Natur
sind sie nach den in der damaligen Menschenheilkunde geltenden
Systemen zusammengestellt und lassen Fortschritte nur stellenweise
erkennen. Sie konnten zwar die Wissenschaft, wie Ha übn er treffend
bemerkt, begründen, trugen jedoch wenig zum Ausbau derselben bei,,
da sie nur die wissenschaftliche Form aus der Menschenheilkunde
entlehnten, das fiebrige aber, was übertragen war, nur Ballast darstellte,
welchen spätere exactere Forschungen wieder ausmerzen mussten. Ausser
diesem Umstande lagen damals auch noch andere Momente vor, welche
der Entwickelung der Thierheilwissenschaft hindernd in den Weg traten.
Es gehören hierher namentlich das Vorurtheil, das auf der Beschäftigung
mit kranken oder todten Thieren ruhte, ferner die mangelhafte Ein
richtung der Lehranstalten, das schlechte Schülermaterial, der häufige
Wechsel der vorzutragenden Disciplinen unter den Lehrern, ferner die
meist nicht hinreichend als Thierärzte gebildeten Lehrer, die sich nicht
mit dem Gedanken vertraut machen konnten, dass das Studium der
Veterinair-Medicin trotz ihrer Verwandschaft mit der Menschenmedicin
ein ganz anderes sein müsse, und dass die in der Menschenmedicin
gemachten Erfahrungen sich nicht ohne Weiteres auf die Thiermedicin
übertragen lassen. Weitere Schwierigkeiten waren in dem Umfange der
zu bearbeitenden Wissenschaft, welcher in keinem Verhältnis zu der
geringen Anzahl der Lehrkräfte stand, gegeben. Das empirische Material,
welches aus den früheren Perioden überliefert war, war nur mangelhaft
und bezog sich auch meistens nur auf das Pferd, während die übrigen
Hausthiergattungen, mit denen sich die Thierheilkunde im gesunden
und kranken Zustande zu beschäftigen hat, in Bezug auf ihren anatomischen
Bau, ihre physiologischen Eigenthümlichkeiten, ihre Krankheiten ein
zeitraubendes, mühevolles Studium erforderten, ein Studium, bei dessen
Durchführung die Menschenmedicin nicht immer herangezogen werden
konnte, besonders da in pathologischer Hinsicht eine Reihe von Thier
krankheiten existiren, die kein Analogon in der menschlichen Pathologie
finden. Endlich musste auch eine Arzneimittellehre geschaffen werden,
da die Wirkungsweise der einzelnen Mittel bei den verschiedenen Thier-
gattungen nicht die gleiche und eine oft ganz eigenthümliche ist. — Auf
diese Weise ist die Thatsache zu erklären, dass der Aufschwung zu
einer selbständigen Bearbeitung der Veterinair-Medicin erst in dem ersten
oder zweiten Decennium dieses Jahrhunderts deutlicher hervortritt.
Wenn wir die Fortschritte, welche die Thierheilkunde von der
Gründung der Thierarznei schulen bis auf unsere Tage gemacht hat,
untersuchen, so ergibt sich die überraschende Thatsache, dass keine
Wissenschaft in so kurzer Zeit einen solchen Aufschwung genommen
hat, wie gerade die Thierheilkunde. Wenn es sich hierbei auch nicht
bestreiten lässt, dass die weiter vorgeschrittene Menschenmedicin einen

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