Titel:
Grundriss der Geschichte der Thierheilkunde
Personen:
Eichbaum, Friedrich Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN618743537/54/
III. Periode.

Vom Beginne der Neuzeit bis zur Gründung von
thierärztlichen Lehranstalten.
(1500—1762.)
Bevor wir an die Betrachtung der Leistungen der Thierheilkunde
in dieser Periode herantreten, ist es wohl nöthig, einen kurzen Blick
auf den Entwickelungsgang der Medicin in diesem Zeitabschnitte
zu werfen.
Durch die Gründung der Universitäten, die im 13., 14. und 15. Jahr
hundert erfolgt war, 1 ) hatte die Medicin einen wissenschaftlichen Halte
punkt und Zufluchtsort gewonnen. Wenn sich auch in der ersten Zeit
des Bestehens derselben die Medicin auf das Studium und die Aus
legung der alten Aerzte, namentlich des Galen beschränkte, so begann
doch schon im 14. Jahrhundert insofern eine neue Aera in der Geschichte
der Medicin, als das Vorurtheil, welches bis dahin in Bezug auf die
Erööhung menschlicher Leichname, wie ein Alp auf der Entwickelung
der menschlichen Anatomie und damit auch der Medicin gelastet hatte,
durch das Vergehen Mondino de Luzzi’s im Jahre 1314 allmählich
beseitigt wurde. Die Vornahme von Sektionen wurde von diesem Zeit
punkte ab ein durch besondere Privilegien geschütztes Recht der damals
aufblühenden medicinischen Lehranstalten.
Mit der Erneuerung der Anatomie des Menschen wurde aber auch
das Studium der Thieranatomie in den Hintergrund gedrängt, besonders
da dieselbe bei der damaligen Ausübung der Thierheilkunde, welche,
wie wir im vorigen Capitel erfahren haben, sich meist in den Händen
roher Empiriker befand, eine praktische Verwerthung nicht finden konnte,
ganz abgesehen davon, dass dieselbe in dieser Zeit und auch später
noch bis zur Gründung von thierärztlichen Lehranstalten — umgekehrt
wie im Alterthume — gegen das Vorurtheil und den Abscheu gegen
die Berührung thierischer Cadaver zu kämpfen hatte, und ein Jeder,
der sich damit beschäftigte, für unehrlich galt. Musste doch bei der
Gründung der Thierarzneischule zu Hannover 1778 von allen Kanzeln
des Landes bekannt gemacht werden, dass Niemand sich unterstehen
*) Die ersten Universitäten wurden von Kaiser Friedrich II. in Italien zu
Neapel, Messina 1224, zu Padua und Pa via 1250 errichtet. Ausserhalb Italiens
waren es die Universitäten zu Paris 1205 (eine medicinische Facultät seit 1220) und
Salamanca 1243.

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