Titel:
Die Seuchen und Herdekrankheiten unserer Hausthiere
Personen:
Pütz, H. Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN634229885/556/
deshalb nicht, dieselben so frühzeitig der Schlachtbank zuzuführen,
dass sie noch als Fleischwaare verwerthet werden können.

21. Die Traberkrankheit der Schafe und Ziegen, auch Gnubber- oder
Wetzkrankheit genannt.
Obgleich auch die Traberkrankheit streng genommen nicht hierhin
gehört, insofern ihre Ursachen unbekannt sind, folglich nicht einem
Infectionsstoffe zugeschrieben werden darf, so soll dieselbe dennoch hier
besprochen werden, um die grosse Lücke zu zeigen, welche in un
serem Wissen in Bezug auf das Wesen und die Ursachen dieser
Krankheit vorhanden ist. Dieselbe ist eine bei Schafen, seltener
bei Ziegen vorkommende Krankheit, welche sich durch Schreckhaftig
keit, Aengstlichkeit und gesteigerte Reizempfänglichkeit der Rücken
marksnerven zu erkennen gibt und nach langwierigem, chronischem
Verlaufe allmählich zunehmenden Schwächezustand, Lähmung des
Hintertheils und schliesslich den Tod zur Folge hat.
Die Krankheit bildet sich langsam aus und bietet anfangs nur
geringe, erst bei genauerer Beobachtung auffallende Symptome. Der
Blick der kranken Thiere ist dumm, stier, die Ohren hängen schlapp
herunter und machen zitternde Bewegungen; die Patienten sind scheu
und schreckhaft, so dass die Krankheit deshalb auch als „Schruckig-
sein* bezeichnet wird. Diese Erscheinung fällt namentlich dann auf, wenn
die Thiere aufgefangen werden sollen; beim Ergreifen und Festhalten
zittern die Öhren und Gesichtsmuskel; der Köpf wird zurückgebogen.
Hebt man fein krankes Thier in die Höhe und lässt es niederfallen,
so knickt es in den Gliedmassen ein. Nach ein bis zwei Monaten ist
die Schwäche des Hintertheiles auffallender, der Gang schwankend,
steif geworden; sie bewegen sich mit weit aus einander gesetzten Hinter
füssen, mit schnellen, kurzen, trippelnden Schritten, „trabartig*, wes
halb sie „Traber* genannt werden. Das Galoppiren und Springen ist
ihnen nunmehr unmöglich. Allmählig nimmt die Steifigkeit in den
Hintergliedmassen zu und verbreitet sich auf die Vordergliedmassen;
die Kranken bleiben hinter der Heerde zurück, stürzen ab und zu
nieder und können nur mit Mühe sich wieder erheben.
In den meisten Fällen stellt sich Hautjucken ein, welches an der
Schweifwurzel beginnt, dann über das Kreuz, die Lenden und den
Rücken sich verbreitet. Man erkennt dasselbe leicht an dem fast un
ausgesetzten Reiben und Benagen der betreffenden Stellen; wegen

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