Titel:
Racen, Züchtung und Haltung des Pferdes
Personen:
Schwarznecker, Gustav Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN638851270/642/
sehr wenig Ruhe haben, wenn sie zwanzig bis dreißig Mal in einer Saison
auftreten sollen. Glücklicher Weise ist wenigstens dem allzu frühen Auftreten
der Zweijährigen in England dadurch ein Riegel vorgeschoben, daß sie nicht vor dem
Monat Mai im Rennen auftreten dürfen; auch in Deutschland giebt es ein ähnliches
Gesetz. Drei Monate vor einem neuen Rennen im Jahre muß das Füllen wieder
zu regelmäßiger Arbeit angehalten werden. Soll es erst dreijährig wieder auf
treten, so wird es genügen, es Ende August wieder in Training zu nehmen.
Der Training der dreijährigen Füllen, falls sie bis zu ihrem
dritten Jahre in Unthätigkeit gelebt haben, beginnt am besten schon im Mai
oder Juni, da die Pferde, falls sie den ganzen Sommer über noch im Paddock
bleiben, häufig zu schwer und fett werden, und die Beine dann leicht in Gefahr
gerathen, den schweren Körper in der Arbeit nicht tragen zu können. Im
Allgemeinen wird die Behandlung ähnlich sein müssen, wie sie bei den Jähr
lingen angedeutet wurde, nur müssen die Galopps etwas rascher und weiter
genommen und auch die Dauer der Arbeit auf mindestens zwei Stunden täglich
ausgedehnt werden. Je nachdem die Pferde noch im Oktober desselben Jahres
einer öffentlichen oder privaten Probe unterworfen werden oder erst als voll
dreijährig im nächsten Jahre auftreten sollen, wird dann weiter zu verfahren sein.
Für die Arbeit auf der Stroh- oder besser Lohbahn im Winter würde
noch zu bemerken sein, daß diese gar leicht die Weite (Stride) und die Elasticität
des Sprunges beeinträchtigt, und daß man deshalb Pferde auf dieser Bahn
nicht bis zu ihrer besten Länge (top 8peed) ausstrecken sollte, obgleich man,
wenn ein Pferd im März z. B. laufen soll und der Frost lange anhält, nicht
umhin kann, auch aus der Lohbahn einen Schwitz oder einen „bürstenden Galopp"
zu geben, „um die Luftpfeifen offen zu machen."
Man nimmt auch hier zwei Perioden für die Arbeit, welche durch eine
Physik getrennt werden. Neben der Arbeit sind die Pferde natürlich an allerlei
Dinge zu gewöhnen, sie müssen abwechselnd führen, bei den Mendungen die
innere Seite der Bahn halten lernen und dgl. Ein Pferd, welches immer führt,
soll an Schnelligkeit einbüßen. Freilich giebt es einzelne Pferde, welche nur
an der Spitze gehen wollen und den Kopf verlieren, wenn ihnen ein anderes
Pferd auf den Leib geht; solche Pferde sind selten sehr brauchbar für die Renn
bahn, sondern nur für den Trainer von Nutzen.
Bei der Arbeit kommt- es auch hier darauf an, durch die raschere Arbeit,
nachdem die Muskeln in der langsameren Arbeit gestählt sind und das über
flüssige Fett entfernt ist, den Athem zu verbessern. Der Schwitz wird über drei
Meilen engl, ausgedehnt werden müssen und die Galopps werden sich nach der
Distance zu richten haben, welche in dem Rennen zu durchlaufen ist. Natürlich
sind die Galopps nicht täglich in dieser Ausdehnung zu geben, vielleicht nur
wöchentlich ein bis zwei Mal, während in der Zwischenzeit kürzere Spritzer
einzuschalten sind, denn lange, gestreckte Galopps vertragen nur die wenigsten

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