Titel:
Racen, Züchtung und Haltung des Pferdes
Personen:
Schwarznecker, Gustav Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN638851270/644/
arbeit, und zwar zwei Stunden Vormittags und zwei Stunden Nachmittags,
leiten bei ersteren den Training am besten ein: eine Physik beseitigt eine etwaige
Empfindlichkeit der Beine und erleichtert den Organismus, so daß derselbe zu
rascherer Arbeit befähigt wird. Für Pferde, welche noch nicht im Training
warm, wird nach Collins statt der einfachen Schrittbewegung eine mindestens
zweimonatliche, vorbereitende Arbeit im Schritte und in kurzen, scharfen Prellern
nöthig, ehe man zu langen, langsamen Galopps von drei bis vier Meilen in
Dreiviertel-Geschwindigkeit übergehen kann. Zwei Mal in der Woche einen
Monat lang werden diese Galopps fortgesetzt, um dem Pferde einen gleichmäßigen
Stride zu geben. Sechs darauffolgende Wochen können dann zu derselben Arbeit
verwendet werden, wie sie für die Pferde, welche schon im Training waren,
nöthig ist. Bei dem früher trainirten Pferde braucht man nur einen gewissen
Grad von Condition wieder herzustellen, bei untrainirten Pferden muß man erst
durch die Galopps . Muskeln und Sehnen festigen.
Aus diesen Andeutungen dürfte im Allgemeinen Zweck und Wesen des
Trainings zu entnehmen sein; dieselben werden auch genügen, um zu zeigen,
daß nicht alle Pferde über einen Kamm geschoren werden können. Der Trainer,
der kein Auge für die überaus feinen Unterschiede in Constitution und Tem
perament feiner Zöglinge hat, wird nie ein sehr glücklicher sein. Das eine
Pferd hat eine eiserne Constitution und kann größere Strecken in seiner besten
Pace ohne Schaden zurücklegen, ein zweites Pferd darf nicht eine kleinere
Distance von Anfang bis zu Ende in scharfer Gangart gehen und bis aufs Aeußerste
ausgeritten werden, ohne daß es nachher das Futter versagt; das dritte wird
nervös beim Anblicke anderer Pferde oder eines großen Publicums; dem vierten
fehlt das Herz zu einem ehrlichen Kampfe, kurz, „so viel Pferde, so viel Sinne".
Trotz dieser verschiedenartigen Veranlagung die Pferde für denselben Zweck —
fitness für das Rennen —, auszubilden, das ist die Kunst, zu der sowohl
Kenntniß des Pferdes, als auch Kenntniß der verschiedenartigen Mittel und
Wege gehören, um zu dem Ziele zu gelangen: auf einem einzigen, breit aus
getretenen Wege ist dieses absolut unmöglich.
Die Pferde müssen nach dieser Verschiedenartigkeit des Temperamentes und
des Leistungsvermögens nicht nur vorgearbeitet, sondern auch in den Rennen
selbst placirt und geritten werden, denn es würde ebenso verkehrt sein, ein Pferd,
das nur eine Meile gehen kann „a miler“, in einem Rennen über zwei Meilen
laufen zu lassen, als es verkehrt sein würde, mit einem heftigen Pferde, das
nur in der Front gehen und nicht kämpfen will, sich zurückhalten und warten
zu wollen.
Für ein Steeple-Chase-Pferd sind natürlich andere Eigenschaften und des
halb auch eine andere Ausbildung dieser Eigenschaften nöthig, als für einen
Flachrenner. Die Action muß schon eine andere sein; während das Renn
pferd ruhig über den ebenen Boden gleitet, soll der Steeple-Chaser mit starker

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