Titel:
Racen, Züchtung und Haltung des Pferdes
Personen:
Schwarznecker, Gustav Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN638851270/646/
die Uebungen querfeldein mit einbegriffm find. Nach dem letzten Schwitze bis
zum Rennen darf die Arbeit nur leicht fein, einige flotte Galopps über 5600
Meter, gegen das Ende etwas verschärft, werden jedoch meistmtheils vertragen,
nur soll es möglichst vermieden werden, von den Halblut-Pferden die größte
Schnelligkeit zu verlangen, da diese, wenn etwas überarbeitet, rasch vom Futter
ablaffen und sich dann schwer wieder erholen.
Ein Jagdpferd bedarf wieder einer anderen Vorbereitung, da es weniger
an Schnelligkeit, aber ebenso viel Athem, Ausdauer und Kraft haben muß, wie
das Rennpferd. Ein Wöchentlicher Schwitz vom September bis November, vier-
bis fünfstündige Schrittarbeit und nur ganz kurze Galopps über 300 Schritt
in vollster Pace, um die Athmungsorgane zu üben, werden die Hauptsache sein,
denn der Hunter soll nicht im Fleische heruntergesetzt werden, was rasche Arbeit
thun würde. Er soll vom 1. November bis zum April aushalten und daraus
folgt, daß er beim Beginne der Saison viel und kerniges Fleisch tragen muß,
um davon nach und nach abgeben zu können.
Da hier nicht eine Anleitung zum Trainiren der Pferde, sondern nur ein
Einblick in das Wesen des Trainings gegeben werden soll, so dürften die bis
herigen Anführungen genügen, um zu zeigen, daß der Kern dieser Vorbereitungs
methode ein ganz klarer, verständiger und physiologisch begründeter ist, nur
will mich bedünken, als hätte sich um diesen Kern eine ziemlich dichte Hülle
unwesentlicher Nebensachen abgelagert. Rationell ist es jedenfalls, daß man
von der langsameren Uebung zur rascheren, von der leichteren zur schwereren
fortschreitet, nicht ganz so rationell will mir der vielfache Gebrauch der Ab
führmittel erscheinen, denn die letzteren machen Magen und Darm mehr oder weniger
krank und entfernen mit den unnützen Stoffen jedenfalls auch die nützlichen.
Das Pferd braucht stets mehrere Tage Zeit, um die Folgen dieses harten Ein
griffes zu überwinden und sich wieder vollständig gesund und kräftig zu fühlen.
Nun sagt man zwar, daß es kein anderes Mittel gäbe, um das überflüssig auf
gelegte Fett zu entfernen, als daß man das Pferd zwinge, von seinem eigenen
Fette zu zehren, die Beine hielten eine Mehrarbeit unter einem schweren Ober
körper nicht aus, und man habe schließlich die Erfahrung für sich. Indessen find
schon manche sogenannte Erfahrungsgrundsätze, auf welche frühere Genera
tionen schworen, im Schoße der Zeit begraben worden, und es ist deshalb
noch immer die Frage, ob nicht manche Dogmen der hippologischen Manchester-
Schule über den Hausen fallen dürsten, wenn man den Muth finden sollte, an
ihrer Wahrheit zu zweifeln und deshalb nochmals unbefangen und kritisch an
deren Prüfung zu gehm. Die Schüler und Gläubigen de^ genannten Schule
find zwar nicht übermäßig zahlreich, aber stark durch den Fanatismus, der sie
mg verbrüdert; die Verkündiger und Propheten derselben machen es sich mit der
Autorität in so fern bequem, als sie einfach jeden Andersdenkenden und
Pferdezucht. II. 41

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