Titel:
Die Bein- und Hufleiden der Pferde
Personen:
Spohr, Peter Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN640114504/125/
2. Entstehung und Heilung der Schwellungen und Druckwunden,
a) Schwellungen.
Die erste Veranlassung zu Druckschäden und Schwellungen giebt
ein so anhaltender Druck von Sattel oder Geschirrtheilen (Kummete,
Sielen rc.), daß dadurch die Poren der Epidermis verschlossen, die Haut
ausdünstung längere Zeit zurückgehalten und dadurch Störungen im
Kapillargefäßnetz herbeigeführt werden, indem dieses mit dem verbrauchten,
bei normaler Funktion der Haut als Kohlensäure ausgedünsteten Kohlen
stoff überfüllt wird. Sobald die Haut vom Druck des Geschirrs,
Sattels re. Befreit wird, sucht sich der Organismus durch Verbrennung
des überflüssigen Kohlenstoffs zu entäußern, das in der Lederhaut liegende
Kapillargefäßnetz schwillt an und entzündet sich, was sich äußerlich durch
Schwellung und Hitze kund giebt.
Bei stärkerem und anhaltenderem Druck kommt es zu Verletzungen
der Epidermis, diese wird völlig durchgerieben, auch die Lederhaut
selbst verletzt, es entstehen förmliche Druckwunden. Es kommt aber
auch vor, daß sich die Epidermis von der Lederhaut, ja diese vom
Unterhautzellgewebe trennt, indem durch den Druck eine Verschiebung
dieser Theile unter Zerreißung ihres Zusammenhanges stattgefunden, ohne
daß dies durch die äußere Untersuchung sofort zu entdecken wäre.
Ich empfehle daher nach längeren Märschen, namentlich in warmer
Jahreszeit, unter dem sammt Woilach ruhig liegenbleibenden Sattel
(bezw. Kummet) zunächst die Untersuchung, durch sorgfältiges Befühlen mit
der Hand. Werden dabei keine oder nur ganz geringe Anschwellungen
gefunden, so genügt das allmählige Abkühlenlassen des Pferderückens
bezw. der Zugfläche (unter dem Kummet) durch längeres bis zu 1—!'/-
Stunden ausgedehntes Stehenlassen des Thieres bei gelüsteten Sattel
gurten resp. im Geschirr, um keinerlei Druck aufkommen zu lassen.
Der Vorgang dabei ist etwa der, daß durch die allmählige Entlastung
der Haut von dem vorher stattgehabten Druck durch Reiter bezw. Zug,
bei fortdauernder, durch die Bedeckung der betr. Hautfläche mit Sattel
oder Geschirr unterhaltener Wärme das überfüllte Kapillargefäßsystem
sich des überschüssigen Kohlenstoffs durch erhöhte Ausdünstung entledigt,
die gestörte Thätigkeit der Schweißdrüsen re. sich allmählig wiederherstellt
und so die ganze Haut ihre normale Textur wieder erlangt, wobei indessen
wahrscheinlich stets eine größere Anzahl weicher Zellen des Malpighi'schen
Netzes verhärten und die Hornschicht der Epidermis verstärken.
Hierdurch erklärt sich auch die Thatsache, daß eine oft und wiederholt
durch starken Druck, sei es durch das Gewicht des Reiters, sei es durch
den Zug im Geschirr, in Anspruch genommene Haut sich allmählig ver
dickt, abhärtet, stärker und widerstandsfähiger wird und später
auch sehr lange anhaltenden starken Druck ohne Schaden erträgt. Hierauf
beruht die Gewöhnung an Sattel und Geschirr, und sollte die allmählige
Uebung in dieser Beziehung bei Militärpferden niemals versäumt werden.
Sind aber stärkere, mit Hitze verbundene Anschwellungen unter
dem Sattel oder Geschirr zu fühlen, so sind letztere Gegenstände sofort
abzunehmen und zunächst zu untersuchen, ob die entzündete Oberhaut
noch unverletzt ist oder nicht.

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