Titel:
Die Bein- und Hufleiden der Pferde
Personen:
Spohr, Peter Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN640114504/139/
5. Capitel. Besonders interessante Beispiele von Lrankheits- «nd
Wundbehandlungen.
j. Drei Beispiele chronischer Sehnenscheidenentzündung.
s) Ein 10 Jahre altes Chargenpferd des Lt. R., 7. Artillerie-Brigade,
war im Herbst und Winter 1858 längere Zeit mit grauer Salbe und
Jodquecksilber an Sehnenscheidenentzündung des linken Vorderbeines be
handelt worden. Das Pferd ging wieder, aber die ganze Sehnenscheide
war dick geschwollen und der Fehler sehr sichtlich. Auf R.'s Bitten über
nahm ich die Behandlung, die während des Monats December bei
herrschendem starkem Frost ganz nach II B durchgeführt wurde.
Nach 8 tägiger Behandlung öffnete sich das inzwischen stark ange
schwollene Glied vom Sporn aufwärts längs der Beugesehne in einer
Länge von etwa 6 Zoll, es bildete sich eine tief eiternde Wunde, durch
welche ein schmaler Streifen der Lederhaut zerstört wurde.
Im Verlaufe von 3 Wochen heilte die Wunde vollständig ohne
sichtbare Vernarbung und nach weitern 3 Wochen war das Bein so völlig
behaart, daß man die Stelle der frühern Wunde nicht mehr wahrzunehmen
vermochte. Das Pferd wurde im Frühjahr 1859 für 55 Friedrichsd'or an
einen höhern Cavallerie-Officier verkauft, was ich nur anführe, weil ein
solcher Preis damals für ein 10 jähriges ausgedientes Chargenpferd
nicht gezahlt worden wäre, hätte es nur die leiseste Marke über

standener Sehnenscheidenentzündung gehabt.
b) Das Pferd Amanda, Fuchsstute edler preußischer Race, Festungs
Compagnie 7. Artillerie-Brigade in L., galt als buglahm oder rheumatisch
lahm. Die Beugesehnenscheiden beider Vorderfüße waren verdickt. Die
Lähmung schien bald im Bug, bald im Vorarm, bald in der Beugesehne
zu sitzen, weßhalb das brave Thier sogar in den Verdacht der Simulation
gerieth. (S. oben XXI B.) Im Sommer 1856 wurde das damals etwa
15 Jahre alte Thier zunächst nach XXI B auf Buglähme behandelt, wo
bei sich eine schmerzhafte Anschwellung der Beugesehnen beider Vorderbeine
ausbildete, die dann, nach II B behandelt, ohne Eiterung aber unter
wiederholtem Ausstoß der Haare heilte, worauf das Thier von aller
Lähmung Befreit noch Jahre lang als Hauptmannspferd fungirte.
o) Das Officier-Reitpferd Amanda der 7. Munitions-Colonne 8. Ar
tillerie-Brigade 1866, ein 5 jähriger Schimmel arabischen Bluts, lahmte
während der Märsche durch das Königreich Sachsen und während des
Einmarsches in Böhmen zuerst auf dem linken später auf dem rechten
Vorderfuß, ebenso später successive auf beiden Hinterfüßen. Bei den
Vorderfüßen schien Beugesehnen- bei den Hinterfüßen Sprungsehnen
entzündung vorzuliegen. Das Thier lahmte jedesmal so stark, daß es
auf den Märschen geführt, zuerst wohl eine Stunde lang nur auf 3 Beinen
ging und mit dem Bajonnet angetrieben werden mußte. In den Marsch
quartieren resp. Bivouacs nach II B behandelt, war der Erfolg so rasch,
daß 3 der 4 successiven Lähmungen nur je 2—3 Tage, und nur die eines
Hinterfußes 5 Tage anhielt. Nachher lahmte das Thier während des
ganzen Feldzuges nie mehr, und die Beine hatten ein durchaus normales
Aussehen. — Es war aller Wahrscheinlichkeit nach früher mit reizenden
Salben auf allen 4 Beinen behandelt. —

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