Titel:
Die Bein- und Hufleiden der Pferde
Personen:
Spohr, Peter Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN640114504/140/
2. Zwei Heilungsbeispiele schwerer Druckwunden.
a) Widerristdruck.
Unter manchen im Feldzuge 1866 bei zwei nach einander von mir ge
führten Truppentheilen ^ behandelten schweren Widerristdrucken war der
eines Zugpferdes der 4. 6pfündigen Batterie 8. Artillerie-Brigade wohl
der schwerste. Nach den Eilmärschen vom 5. bis 13. Juli 1866 fand
sich der gedrückte Widerrist des betr. Thieres bereits in seiner ganzen
Ausdehnung unterschworen, indem die Druckwunde wahrscheinlich mehrere
Tage übersehen worden, ein Thierarzt über bei der Batterie nicht vorhanden
war. Bei Behandlung nach Cap. 1, 2 b löste sich nach mehreren Tagen
ein etwa handgroßes Stück der Ober- und Lederhaut sammt Muskelfleisch
gänzlich ab, es entstand eine wohl 4 Zoll ttefe eiternde Wunde, so daß
die Stachelfortsätze des Widerrists sammt dem Nackenbande, welches vom
Eiter unterspült war, völlig frei lagen. — Die Wunde wurde täglich
2 mal (vor und nach dem Marsche) mit der Klistierspritze ausgespritzt, im
Uebrigen mit den genäßten beruhigenden Compressen sanft ausgefüllt.
Das Thier ging in der Reserve an der Hand unter Decke mit der Kom
presse in resp. auf der Wunde. Einschnitte oder dgl. zum Eiterabfluß
wurden nicht gemacht, der Eiter wurde von den Compressen völlig auf
gesogen, und die Wunde heilte aus der Tiefe vollkommen zu, so daß das
Thier am 24. August wieder völlig gebrauchsfähig war nach einer Kur
von ppr. 6 Wochen.
Die Druckstelle füllte sich mit Narbengewebe aus und behaarte sich
nicht wieder, was dem großen Substanzverlust in Länge, Breite und
Tiefe zugeschrieben werden muß.
In einer Anzahl anderer Fälle habe ich bei der Fläche nach eben so
großen eitemden Drucken am Widerrist, wobei aber die Wunde nicht in
solche Tiefe ging, die Heilung binnen 3 Wochen erfolgen und wieder
völlig behaarte Epidermis sich bilden sehen.
b) Heilung veraltete« Drucks mit Regeneratiou der Epidermis.
Bei veralteten Dmckstellen vollzieht sich, wenn die Epidermis nur
noch in irgend welcher Form, sei es auch völlig degenerirt und
haarlos, vorhanden ist, bei der Cap. 2 geschilderten Behandlung auch
noch nach langer Zeit die völlige Heilung unter Neubildung der Epidermis.
Ein besonders bemerkenswerther Fall ist der nachstehende:
Das Pferd von Hauptmann v. St. P. in G. hatte schon, als es
vor mehreren Jahren in den Besitz dieses Officiers kam, eine etwa 12 cm
lange, 4 cm breite kahle Stelle über dem Rückgrat dicht hinter dem Wider
rist. Diese offenbar früher mit Medikamenten behandelte Stelle zeigte
eine torpide, pergamentartige Epidermis, welche Schorf absonderte und
öfter zu neuen Reizungen durch den Sattel Veranlassung gab. Seft
April 1882 mit nassen Compressen behandelt (wobei der Gebrauch des
Pferdes nicht ausgesetzt wurde), weichte die Haut gänzlich auf und ließ
sich Anfangs August mit der Hand entfemen, so daß eine etwa 1,5 cm
ttefe eiternde Wunde von der oben angegebenen Längen- und Breiten
dimension entstand. Dieselbe heilte binnen 3 Wochen, das Pferd nrachte
das Manöver mit, wobei unter einiger Schonung des Thieres die Stelle

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