Titel:
Der Milzbrand, eine unter dem Rindviehe, den Pferden und Schweinen häufig herrschende Seuche und deren sicherstes Heilmittel
Personen:
Weber, Georg Adolf Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN647365456/128/
Dem Herrn Pfarrer Wais starb gleichfalls eine Kuh am
Milzbrand, indem die Mittel zu spät angewendet wurden. Der
Knecht hatte mit der Kuh geackert, und führte Mittags dieselbe
auf die Weide, wo sie nicht frißt und sich milzbrandkrank zeigt.
Nun läuft der Knecht gleich in die Stadt, und holt das Heil
mittel, von welchem man ihr auch eingab, allein vergeblich; denn
als man sie nach Hause treiben wollte, stürzte sie sogleich hin
und starb.
Das Merkwürdigste ist aber noch Folgendes. Es erkrankte
dem Hrn. Commissionsrath v. Krug das beste Pferd, weßhalb der
hiesige Kreisthierarzt zu Rathe gezogen wurde. Als dieser kam
und das Pferd näher untersucht hatte, erklärte er, das Pferd
habe den Milzbrand und sei wahrscheinlich verloren. Er schlug
dem Thier eine Ader, verschrieb einen Trank und gab etwas
von diesem ein, befahl auch, mit dem Eingeben fortzufahren,
indem er in einer Stunde wieder kommen werde. Der Be
sitzer des Pferdes holte sich aber schleunigst bei mir ein Gläs
chen mit Anthrax, stellte die verschriebene Medicin bei Seite
und gab nun 50 Körner vom Heilmittel und zwar in 1 Stunde
6 Mal ein. Als der Kreisthierarzt wieder kam, war derselbe
ganz erstaunt über die große Veränderung, die mit dem Pferde
vorgegangen war, und sagte: Ihr Pferd ist wieder gesund.
Er gab dem Thiere etwas Heu, welches von demselben ge
fressen wurde.*)

Die übrigen mißglückten hier mitgetheilten Fälle beweisen gegen die Heil
kräftigkeit des Mittels nichts, denn man kann nur da sichern Erfolg
davon erwarten, wo dasselbe gleich beim Beginn der Krankheit und al
lein angewendet wird.
*) Ln den Fällen, wo schon Tränke eingegeben wurden, mag eine
so starke Gabe von 50 Streukügelchen passend sein, sonst aber kann ich
zu einer solchen Gabe nicht rathen. Daß in diesem Falle Anthrax das
Pferd rettete, unterliegt wohl keinem Zweifel, denn wäre von dem Pferde
trank, wie solcher bei Pferdekuren verschrieben wird, fortgegeben worden,
so würde das Pferd mehr an den Folgen des Trankes, als an denen
der Milzbrandes gestorben sein. —

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