Titel:
Wörterbuch der Thierheilkunde ; Zweiter Band von F bis K
Personen:
Hurtrel d'Arboval, Louis Henri Joseph Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN663995523/485/
bietet sich Letzteres geradezu. Girard scheint diese Schwierigkeit gehoben zu
haben, indem er ein Aetzmittel auffand, welches dem beabsichtigten Zweck
entspricht, ohne daß man es durch einen Verband zu befestigen braucht.
„Alle Substanzen, welche auseinanderlanfen, sich leicht verbreiten, und de
ren Thätigkeit man nicht genau begranzen kann, sind- unzulässig, und bloß
solche anwendbar, welche ihre Wirkung auf einen Punct beschranken, und
schnell einen Schorf erzeugen, der die Stelle eines Verbandes vertritt, in
dem er die darunter liegenden weichen Theile schützt. Das Aetzen Mit
Höllenstein ist ein einfaches, sehr wirksames, und in jeder Beziehung das
Vortheilhafteste Mittel. Nachdem man also alle desorganisirten Theile
weggeschnitten, nimmt man ein Stück von diesem Metallsalz, welches
man an ein gehörig zusammengerolltes und gedrehtes Stück Papier, an
einen dicken Federkiel, eine Aetzhülse oder eine gewöhnliche Bleistiftshülse
befestigt, und betupft damit alle bloßgelegten Theile, und zwar die am
stärksten, wo die Kröte (so nennt er die Klauenseuche) die größten Verwü
stungen angerichtet hat." Alsdann laßt man das Thier los, verhindert
jedoch sorgfältig, daß es nicht in Mist, Koth oder an feuchte Orte geht,
Und halt es 8—14 Tage lang im Stalle, bis sich die Füße so weit er
holt haben, daß man die Thiere wieder auf die Waide treiben kann.
(Die mit der Klauenseuche behafteten SKaafe hat der Gutsbesitzer Blü
cher mit dem größten Erfolge so behandelt, daß er die kranken Klauen
mit leinenen Lappen umwickelt, und dann die Leinwand mit Holzessig täg
lich begossen hat. Das Uebel wird dadurch schnell und. gründlich ge
hoben. Ein wegen der Leichtigkeit der Anwendung sehr zu empfehlendes
Verfahren ist das von Ehrenfels erfundene. Die geschwürigen Stel
len werden durch Wegnahme des Horns bloßgelegt, hierauf zuerst mit
rauchender Salpetersäure, gleich darauf aber mit Knochenöl (Ol. comu
cervi foetidurn) bestrichen. Letzteres mildert die vielleicht wegen Ueber-
maaß der angewandten Säure zu heftig werdende Wirkung derselben und
bildet einen dichten, den Verband ersetzenden Ueberzug. Dieses doppelte
Anstreichen wird so lange wiederholt, als das Geschwür eine unreine Be
schaffenheit zeigt. Nachher wird es mit bloßen Knochenöl bis zur Vernar
bung bestrichen).
Bei Gefahr von Seiten der Klauenseuche hat man die Schaafe sehr
sorgfältig zu beobachten, um die Krankheit im ersten Entstehen erkennen
und behandeln zu können. Wenn man die Behandlung zu spat unter
nimmt, wenn nämlich der Theil schon schmerzhaft und heiß ist, das
Thier bedeutend lahmt, und andere bedeutende Störungen eingetreten sind,
so ist die Eur nicht nur umständlicher und langwieriger, sondern auch
nicht mehr gleich sicher, und man setzt das Thier der Gefahr aus, abzu
magern und sogar zu sterben.
Vielleicht hatten wir die Beschreibung der Behandlung mit der aus
drücklichen Empfehlung beginnen sollen, alle von der Klauenseuche neubefal
lenen Thiere, so wie sie zu hinken anfangen, von den übrigen zu trennen,
die Schaafstalle gründlich auszumisten, und selbst die oberste Schicht des
Bodens wegzunetmen, endlich die Thiere aus dem Stalle, wo sich die
Krankheit entwickelt hat, einstweilen unter ein. anderes Obdach zu brin
gen, und jenen mit Chlorinedämpfen auszuräuchern. Diese Vorsichtsmaaß-
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