Titel:
Wörterbuch der Thierheilkunde ; Zweiter Band von F bis K
Personen:
Hurtrel d'Arboval, Louis Henri Joseph Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN663995523/7/
beobachtete sie in den Jahren 1663 bis 1665 an Schaaftn jeden Al
ters, Kalbern und Fersen; 1664 wurde sie von Valentin Willius
beschrieben, der sie auf der Insel Seeland an Ochsen, Hasen k. beobach
tete. In den Jahren 1761 und 1762 zeigte sie sich in Nieder-Bou-
lonnais (Departement Pas de Calais) an den Schaaftn, und DesmarS
beschrieb sie damals genau. Durch den vielen Regen im Jahre 1808
scheint sie in einem sehr großen Theile Frankreich'» um sich gegriffen zu
haben; vorzüglich grassirte sie in Beaujolais, wo die schönsten Merino-
heerden bis auf das letzte Stück ausstarben. Sie erstreckte sich damals
bis in die Gebirge von Lyonnais hinein, wo eine reine Luft herrscht, und
längs der oft mit dickem Nebel belegten Ufer der Saüne. Auch im
Jahre 1812 herrschte sie im südlichen Frankreich, zumal in den der Rhone
benachbarten Niederungen, in den Departements Bouches-du Rhone, de
l'Hürault und du Gard. Man verlor damals in der einzigen Provinz
Arles, wo sich die bekannte Steppe Crau befindet, fast 100000 Stück,
und in den Arrondissements von Nismes und Montpellier nicht weniger
als 90000 Stück Sch aase. Zu derselben Zeit wurden, obgleich nicht so
hart, die Niederungen der Departements des Landes, du Tarn, Tarn-et-
Garonne und Aveyron mitgenommen. In den Jahren 1743 und 1744
sollen in dem Gebiete von Arles, und in dem Jahre 1761 in Aveyron,
sämmtliche Schaafe an dieser Krankheit gestorben seyn. In den regneri
schen Jahren 1316 und 1817 herrschte sie in vielen Gegenden Frank-
reich's (und Deutschland's), und richtete eine große Sterblichkeit unter den
Schaaftn an, so daß das Ministerium des Innern für nöthig fand, von
den HHrn. Huzard und Tessicr eine Abhandlung über die Faul
krankheit schreiben zu lassen. Auch im Jahre 1820 wurden mehrere
Heerden in der Gegend von Beziers -von der Faulkrankheit befallen, und
damals gaben Abb a l, Cond am ine und Lar d it ein Schriftchen über
die Cur und Verhinderung derselben heraus. Wir könnten dieses Regi
ster von Thatsachen noch bedeutend verlängern; allein aus dem eben Mit
getheilten ergiebt sich schon zur Genüge, daß die Faulkrankheit die Auf
merksamkeit der Thiecärzte sehr in Anspruch nehmen müsse. Die land-
wirthschastlichen Zeitschriften könnten zur Geschichte dieser Krankheit noch
viele Beispiele liefern.
Die Schaafe sind, wie gesagt, vermöge ihrer Constitution, zur Faul-
krankheit pradisponirt. Bei der Schlaffheit und Weichheit ihrer Mus
keln, und dem Vorherrschen des lymphatischen Systems, sind sie Infiltra
tionen sehr unterworfen. Alle Landwirthe und Thierarzte sind darüber ei
nig, daß sich die fragliche Krankheit meist an niedrigen feuchten Orten, in
morastigen, schattigen Thalern, und überhaupt an Stellen zeigt, wo sich
viel stockendes Wasser findet. An dergleichen Orten entwickelt sich die
Krankheit außerordentlich leicht in einer Heerde. Die Heerden werden
außerdem davon gern befallen: 1) auf Ebenen und Höhen, wenn reg
nerisches Wetter lange angehalten hat, oder man die Thiere auf bethauc-
te, beregnete, bereiste oder beschneiete Waiden treibt, oder bis in die Nacht
hinein hütet; 2) an trocknen bergigen Orten während des Winters, wenn
die Thiere in dieser Jahreszeit zu gering oder mit schlechtem Futter ge
nährt werden: 3) in heißen trocknen Ländern, wenn die Verdanungsor-

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