Titel:
Entwicklungsgeschichte des Kaninchen-Eies
Personen:
Bischoff, Theodor Ludwig Wilhelm Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN669016810/121/
das vegetative Blatt in der ganzen Ausdehnung seines Fruchthofes fast gleichmässig dunkel
ist, und daher die Unterschiede des animalen Blattes in Licht und Dunkel sehr mäfsigt,
wenn es sich unter letzterem befindet. Nur in der Ausdehnung der hellen Rinne des ani
malen Blattes zeigt auch das vegetative einen schwachen helleren Streifen, der aber nur
dadurch erzeugt zu seyn scheint, dass die Rinne in jenem mit ihrem Grunde gewisser
maßen einen Eindruck auch in diesem macht (Fig. 50. B ). Beide Blätter hängen ausser
dem in dieser Rinne fester aneinander, so dass es nur selten gelingt, beide in ihr ohne
Zerreißung von einander zu trennen.
Diese hier beschriebenen Bildungen sind nun auch von früheren Schriftstellern bei
Vogel- und Säugethierembryonen zum Theil, wenn auch, wie es scheint, nicht mit aller
Schärfe gesehen, aber von ihnen sehr verschieden gedeutet worden. Prevost und Du
mas sahen, beschrieben und bildeten den Streifen ab bei Hunde- und Kaninchenembryo
nen (Ann. des sc. nat. Tom. III. p. 128. Tab. V., VI. u. VII ). Sie beschreiben ihn
als: »une ligne plus noire et plus epaisse« und glauben sich bei dem Kaninchen da
durch überzeugt zu haben, dass dieselbe das Rudiment des Hirns und Rückenmarkes
sey, weil sich an ihrem Kopfende eine blasenartige Erweiterung als Rudiment des Ge
hirnes, und an ihrem unteren Ende eine andere Erweiterung als sinus rhomboidalis,
in der Mitte zu ihren Seiten aber die ersten Spuren der Wirbel entwickelten (1. 1.
p. 132.).
v. Ba er sah bei Hühner- und Säugethierembryonen die oben erwähnten Bildun
gen genauer und macht darüber folgende Angaben, wobei ich seinen letzten Mitthei
lungen in dem zweiten Bande der Entwicklungsgeschichte p. 69., 190. und 208. folge,
und dieselben hier um so weniger übergehen kann, weil nächstdem, dass v. Baer
wohl anerkannt die wichtigste Autorität in diesen Dingen ist, zugleich seine wahre
Ansicht darüber weniger bekannt ist, als man glauben sollte. Von dem Vogelembryo
sagt nämlich v. Baer, dass sich bald nach Bildung der Blätter der Keimscheibe und
eines dunkeln und durchsichtigen Fruchthofes die Mitte des letzteren in Form
eines länglichen Schildes erhebe, welches der zukünftige Embryo sey.
In demselben zeigt sich bald die Längendimension noch mehr vorherrschend, und das
erste, was in ihm erkennbar wird, ist ein in der Axe des Schildes sich erhebender
Wulst, der Primitivstreifen, Nota primitiva. Von diesem aus erheben sich zu beiden
Seiten zwei andere Wülste, wobei der Primitivstreifen selbst unkenntlich wird, und in
seiner Mitte eine dünne aus Kügelchen bestehende Linie erscheint. Diese Linie ist die
sogenannte Wirbelsaite, Chorda vertebralis, die Axe des Stammes, um welche sich
später die Wirbelkörper bilden. Die beiden seitlichen Wülste sind die beiden Rücken
hälften oder Rückenplatten, Laminae dorsales. Ihre oberen Kämme erheben sich, nei
gen sich von beiden Seiten gegeneinander und verwachsen, den Rücken bildend, mit
einander, indem sie einen Kanal erzeugen, in welchem der Centraltheil des Nerven
systems, Rückenmark und Gehirn, in Form einer Röhre, der Medullarröhre, gebildet
wird. Den äusseren Umfang des oben erwähnten den Embryo bildenden Schildes nennt

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