Titel:
Entwicklungsgeschichte des Kaninchen-Eies
Personen:
Bischoff, Theodor Ludwig Wilhelm Wikipedia
PURL:
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v. Baer die Bauchplatten, Laminae ventrales, die sich, obgleich viel langsamer als die
Rückenplaften nach oben, nach unten gegeneinander neigen, um die vordere Wandung
des Embryonalkörpers zu bilden, wobei sie eine Höhle umschliessen, in der sich die
Eingeweide erzeugen, und die er deshalb die Visceralhöhle nennt. Auch nach ihm nimmt
an diesen Bildungen nur das animale Blatt Antheil, während das vegetative an seiner
unteren Fläche ihm dicht anliegend vorbeigeht.— Von dem Säugethiereie sagt v. Baer,
dass auch hier der Embryo zuerst in Form eines sich über die Keimblase etwas
erhebenden Schildes zeige, welches anfangs rund, später länglich sey. In ihm bilde
sich ein Streifen von etwas dunklerer Masse, der das eine Ende des Schildes, nämlich
das hintere Ende, fast erreiche, während er von dem andern bedeutend abstehe, und der
dem Primitivstreifen des Vogeleies analoge Theil sey. Auch die weiteren Veränderungen
lässt er in völlig übereinstimmender Weise wie bei dem Vogel erfolgen; allein man er
hält. leider keine Gewissheit, ob unmittelbare Beobachtung über alle einzelnen Punkte oder
nur die in gewissen Erscheinungen erkannte Analogie die Gründe zu dieser Aussage ab
gegeben haben.
Valentin (Entwicklungsgesch. p. 155,) und J. Müller (Physiologie, II. p. 683.)
folgen ganz v. Baer, erwähnen aber nichts von jenem Schilde im durchsichtigen Frucht
hof, welches v. Baer den Embryo nennt. Ueber den Säugethierembryo hegen sie die
selben Ansichten, ohne auf weitere Beobachtungen gestützt zu seyn.
Coste hat in allen seinen Untersuchungen diese ersten Bildungsvorgänge des Em
bryo übersehen, wahrscheinlich weil es eben zu dieser Zeit ausserordentlich schwer ist,
eine deutliche Ansicht des Eies zu erhalten, mit Ausnahme des Hundeeies, dessen Keim
blase dann noch frei ist.
Pt. Wagner sagt in seiner Physiologie Bd. I. p. 69. in Beziehung auf den Vogel
embryo ebenfalls nichts von jenem Schilde, welches v. Baer als erstes Rudiment des
Embryo bezeichnet, sondern ihm ist solches der Primitivstreifen, »eine zarte weisse Linie“,
der nach vorne dicker, hinten dünn auslaufend und wahrscheinlich die Uranlage des
Gehirns und Rückenmarkes ist. Anfänglich ein Aggregat dunkler Körnchen, verflüssigt
sich der Primitivstreifen bald mehr und stellt eine Schichte zarter durchsichtiger Masse
dar, zu deren Seiten sich die Rückenplatten erheben, die sich gleichfalls mit ihren Käm
men zu einem jene Masse einschließenden Kanäle aneinander legen. Unter diesem er
scheint die Wirbelsaite; nach aussen entwickeln sich im serösen Blatte die Bauchplatten etc.
— Ueber das Säugethierei stellt Wagner p. 101. ganz dieselbe Lehre ans, und bildet
auch ein Hundeei mit dem Primitivstreifen ab (Icones physiol. I Tab. VI. Fig. 9. B. e.).
Reichert (Entwicklungsleben p. 104.) weicht von allen diesen Angaben bedeutend
ab. Nachdem sich nach ihm bei dem Vogeleie in der Ausdehnung der Narbe von dem
Dotter eine einfache Zellenschichte zur Bildung einer die späteren Theile schützenden
Membran, der Umhüllungshaut, abgesondert hat, markirt sich in derselben zuerst ein wei-
fser heller Streifen, welcher die kreisförmige Scheibe der Umhüllungshaut in zwei gleiche
Theile zu trennen scheint. Dieser Streifen, den v. Baer als den etwas erhabenen Primi-

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