Titel:
Entwicklungsgeschichte des Kaninchen-Eies
Personen:
Bischoff, Theodor Ludwig Wilhelm Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN669016810/146/
kleine parallel liegende, etwas gestielte Schläuche gebildet, die mit ihren Stielen mit
dem an ihrer Aussenseite liegenden Ausführungsgang in Verbindung standen. Das
Verhalten des letztem zu dem Endstücke des Darmes und derAllantois ward mir nicht
möglich mit Sicherheit zu ermitteln, da die Theile zur Präparation zu klein und zur
mikroskopischen Untersuchung zu undurchsichtig waren.
Mit der Bildung des Darmkanales und deutlichen Entwicklung derAllantois sind
nun alle wesentlichen Eitheile ausgeschieden, und .es treten jetzt nur noch geringe
Veränderungen ein, um Ei und Embryo in diejenigen Verhältnisse zu bringen, in
welche sie während der ganzen übrigen Entwicklung verbleiben. Ehe ich diese aber
noch angebe, will ich vorher hier noch bemerken, dass alle Veränderungen, welche
wir in diesem ganzen letzten Abschnitte kennen gelernt haben, die also von dem Auf
treten der Primitivrinne bis zur schon erfolgten Bildung des Darmes gehen, ausser
ordentlich schnell erfolgen, und kaum mehr als einen Zeitraum von zweimal 24 Stun
den, nämlich den 8ten und 9ten oder den 9ten und lOten Tag nach der Begattung
umfassen. Um die Zeitverhältnisse, in welchen innerhalb dieses Zeitraumes die oben
im Zusammenhang beschriebenen Entwicklungserscheinungen erfolgen, einigermassen
anzugeben, will ich jetzt noch einige meiner Beobachtungen in dieser Hinsicht mit
theilen, wobei ich aber das Stadium, auf welchem sich das Ei und der Embryo befan
den, nur kurz andeuten werde.
Dienstag den 16. Nov. 1841 öffnete ich ein Kaninchen, welches schon seit län
geren Tagen bei dem Männchen gesessen hatte, aber wohl nicht gleich belegt worden
war, Morgens 9 Uhr. Die Eier bildeten schon beträchtliche Anschwellungen des
Uterus, 4 P. L. im Durchmesser. Ich schnitt ein Ei mit dem entsprechenden Stücke
des Uterus aus. Die äussere Eihaut war schon so innig mit dem Uterus vereinigt,
dass sie bei Eröffnung des Uterus zerriss, obgleich ich sie noch in einzelnen Partien
lösen konnte, und an ihrer eigenthümlichen, der Linsenkapsel gleichen Beschaffenheit
leicht unter der Loupe erkannte. Die Keimblase lag noch fast ganz frei und liess sich
leicht lösen. Der Fruchthof war birnförmig gestaltet und liess einen dunkeln und
hellen Hof und in letzterem die Primitivrinne, diese erst sehr schwach angedeutet,
erkennen. — Nachmittags 3 Uhr schnitt ich ein zweites Ei aus, dessen Durchmesser
bereits zugenommen. Auch bei diesem gelang es noch, die Keimblase zu lösen. Der
Fruchthof war noch birnförmig, aber die Primitivrinne im hellen Hofe sehr scharf
und stark entwickelt, und zu ihren beiden Seiten die Uranlagen des Körpers als dunk
lere Ansammlungen deutlich zu erkennen. — Abends 9 Uhr schnitt ich ein drittes Ei
aus, welches ich den andern Morgen untersuchte. Es war nicht mehr möglich, die
Keimblase zu lösen, sondern ich konnte nur den den Fruchthof enthaltenden Theil
derselben herausschneiden. Der Fruchthof war auch hier noch birnförmig. An der
Primitivrinne konnte man Kopf- und Schwanzende deutlich unterscheiden, und um sie
herum waren die Uranlagen des Embryonalkörpers stärker entwickelt.— An demselben
Morgen schnitt ich um 8 Uhr ein viertes Ei aus, welches schon eine Anschwellung des

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