Titel:
Entwicklungsgeschichte des Kaninchen-Eies
Personen:
Bischoff, Theodor Ludwig Wilhelm Wikipedia
PURL:
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kleiner. Von einer wahren Mundöffnung kann aber jetzt noch gar nicht die Rede
seyn, da die denselben begränzenden Theile jetzt entweder noch gar nicht entwickelt,
oder erst eben in der Entwicklung begriffen sind. Erst dann, wenn dieselben gebildet
sind, verwandelt sich dieser obere Eingang des Darmes in Mund, Mundhöhle und
Rachenhöhle.
Der Herzkanal war stark gekrümmt und seine erste Umbiegungsstelle war schon
stark nach links, die zweite mehr nach rechts gerückt. Der Aortenstamm theilte sich
oben auf jeder Seite in 3 Aesle oder sogenannte Aortenbogen, welche an den Visceral
bogen auf beiden Seiten vorbeigingen. Rei der Seitenansicht (Fig. 66.) konnte man
schon deutlich die Theilung der ersten Hirnzelle in Vorderhirn (b.) und Zwischen
hirn (c.) erkennen; hierauf folgte die Mittelhirnzelle (d.) und in der dritten Hirn
zelle (e.) stand die Medullarröhre noch weit offen. Das Auge (f.) bildete einen hellen
Ring; an dem Ohre (g.) bemerkte man jetzt den zapfenartigen gegen die hintere Hirn
zelle hingerichteten Fortsatz. Besonders deutlich erschienen in dieser Ansieht die vier
Visceralbogen (k.) und an dem ersten derselben erkannte man schon dessen obern für
Oberkiefer, Jochbeine und Gaumen- und Flügelbeine bestimmten Fortsatz (1.)
Ich muss nun aber nach dieser Beobachtung von 4 Visceralbogen, die ich bei
Kaninchenembryonen mehrere Male und auch bei Hundeembryonen machte, Reichert
(Müller’s Archiv. 1837. p. 131. und Entwicklungsleben p. 184.) widersprechen, wel
cher v. Raer und Rathke darin nicht beistimmt, dass jemals 4 Visceralbogen vor
handen seyen, sondern behauptet, deren immer nur drei, so wie auch nur drei Aor
tenbogen gesehen zu haben. Der vierte von mir gesehene Visceralbogen war freilich
immer nur sehr klein und wenig entwickelt, auch nur im ganz frischen Zustande zu
erkennen, an der nur dann wahrnehmbaren Spalte zwischen seinem untern Rande und
der Körperwand. Vier Aortenbogen habe ich freilich nicht mit Gewissheit erkannt,
aber auch nicht speciell genug danach untersucht, möchte aber glauben, dass, da vier
Visceralbogen sich finden, auch der Aortenbogen, wenn gleich wenig und nur kurze
Zeit entwickelt, nicht fehlt.
Bei dieser Seitenansicht und noch besser bei der Ansicht des Herzens von hin
ten (Fig. 67.) sah man ferner sehr deutlich an der ersten Umbiegungsstelle des Ka
nales auf jeder Seite desselben eine Aussackung (b. b.), welche, wie Valentin und
Rathke gegen frühere Beobachter richtig bemerkt haben, den Herzohren, nicht aber
den Vorhöfen entsprechen, die zu dieser Zeit nur erst durch die erweiterte Stelle des
Kanales zwischen diesen beiden Ausbuchtungen dargestellt werden (vgl. Rathke, Ent-
wicklungsgesch. der Natter p. 49. u. 98. Tab. IV. Fig. 1. — 6.).
Fig. 68. habe ich auch noch einige Blutzellen dieses Embryo abgebildet. Bei
ihm, wie bei vielen anderen jungen Embryonen von Kaninchen, Hunden, Schaafen,
Rindern und Schweinen habe ich mich oftmalen auf das Sicherste überzeugt, dass die
selben nicht nur die Blutkörperchen der Mutter bedeutend an Grösse übertreffen und
meist noch einmal so gross sind, sondern auch ihre Zellennatur ganz augenfällig er-

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