Titel:
Entwicklungsgeschichte des Kaninchen-Eies
Personen:
Bischoff, Theodor Ludwig Wilhelm Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN669016810/70/
aus keine Vorsichtsmassregeln in dieser Beziehung angiebt. Nun habe ich aber nie auch
bei der grössten Vorsicht und Aufmerksamkeit und namentlich auch nicht in meiner letzten
Beobachtung am 1. Jan. dieses Jahres, wo ich Barry’s Abhandlung und Abbildungen
kannte, bei Kanincheneiern die bereits in den Eileiter eingetreten waren, ein Keimbläschen
überhaupt und noch weniger ein vergrößertes und mit Zellen erfülltes sehen können, und
auch Barry’s eigene Abbildungen Fig. 187 und 193 c. sind so unsicher und undeutlich,
dass ich mich selbst über seine eigene Angabe wundere. Dagegen habe ich allerdings
mehrere Male in dem Dotter ebenfalls eine hellere Stelle bemerkt, auf deren Gegenwart
unzweifelhaft ein grosses Gewicht zu legen ist. Doch werde ich mich über deren wahr
scheinliche Natur erst später aussprechen, und hier nur so viel bemerken, dass ich dieselbe
nicht durch das unveränderte Keimbläschen des befruchteten Eies hervorgebracht glaube.
Vielleicht schon auf den bis jetzt beschriebenen Stadien, ganz gewiss aber auf einem
sich unmittelbar daran anschliessenden, habe ich an den Eiern eines Kaninchens eine sehr
merkwürdige Erscheinung beobachtet, nämlich eine Rotation der Dotterkugel, welche durch
Cilien, die sich an seiner Oberfläche entwickelt hatten, hervorgebracht wurde.
Am 31 Aug. 1840 untersuchte ich den linken Eileiter eines Kaninchens auf die oben
angegebene Weise sogleich nach dem Tode, welches zwar schon 8 Tage bei dem Männ
chen gesessen hatte, wie ich aber sogleich an dem Ansehn der Eierstöcke bemerkte, erst
seit Kurzem belegt war. Ich fand dann auch bald die 4 Eier in der Mitte des Eileiters,
wie gewöhnlich dicht bei einander liegend. AIs ich sie nun unberührt in dem Eileiter lie
gend unter das Mikrokop brachte, beobachtete ich an allen 4 Eiern Folgendes. (Tab. II.
Fig. 20.) Keines derselben zeigte an seiner Oberfläche mehr eine Spur der Zellen des
Discus oder der Membr. granulosa, sondern statt dessen waren sie von einer jetzt noch
sehr geringen und schwer zu erkennenden Schichte eines gallertartigen durchsichtigen Stoffes
umgeben, in welcher sie 0,0070 P. Z. maßen. Diese Schichte war in allen Eiern so wie
auch die darauf folgende Zona pellucida reichlich mit Saamenfaden besetzt. Letztere
war 0,0010 P. Z. dick, also beträchtlich dicker als meistens die der Eierstockeier. Im
Innern der Zona befand sich der Dotter 0,0030 P. Z. gross, eine noch ganz zu
sammenhängende und vollkommen runde Masse, die den inneren Raum der Zona
nicht ausfüllte, sondern zwischen dem Dotter und der inneren Fläche der Zona befand
sich eine durchsichtige Flüssigkeit, in welcher in drei Eiern noch zwei kleine gelblich
scheinende Körner oder Zellen von verschiedener Größe schwammen. Wie er
staunte ich aber, als ich nun unter dem Mikroskope die Dotterkugel sich ganz stät und
ordentlich majestätisch um sich selbst drehen sah, und zwar in der Richtung von dem
Uterus gegen den Eierstock hin. Die Bewegung war ununterbrochen und der Dotter ver
änderte dadurch seine Stellung in der Höhle der Zona. Die ihn umgebende Flüssigkeit
wurde auch mitbewegt, wie ich an den in ihr schwimmenden Körnchen erkannte. Ich
überzeugte mich dann auf das Bestimmteste, dass die Oberfläche des Dotters mit sehr fei
nen Cilien besetzt war, die ich auch noch nachher, als ich das Ei isolirt auf ein Glas
plättchen gebracht hatte, bei starker und stärkster Vergrößerung von 800mal erkannte.

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