Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Erster Band (Aa - Brunot)
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Oeinler, Feser, Bollinger, Pasteur, Koch,
Toussaint, Büchner, Bouley, Colin, Chauveau,
Chamberland, Roux, Greenfield u. A. In ein
zelnen Jahren, sog. Milzbrandjahren, ver
breitet sich der Milzbrand über ganze Län
der und Erdtheile und richtet dann unge
heure Verheerungen an. Die durch den Milz
brand angerichteten Verluste geben denen
durch die Rinderpest und Lungenseuche nichts
nach, ja übertreffen dieselben oft. Nach Kir
chen starben im Jahre 1617 im Königreiche
Neapel ausser zahlreichen Thieren circa
60.000 Menschen, die vom Fleisch kranker
Thiere gegessen hatten. Berlin gibt den Verlust
an Menschenleben durch den Genuss von Milz
brandfleisch auf den Antillen 1770 innerhalb
10 Wochen auf 1500 an. Frankreich verliert all
jährlich für 20 Millionen Francs an Hausthieren
durch den Anthrax. Nach Delafond verlor die
Beauce im Jahre 1812 allein für 7 Millionen Frcs.
schale an Milzbrand und 1872 fielen daselbst
283.000 8ehafe. Russland und insbesondere
Sibirien erleidet alljährlich enorme Verluste.
Da der Anthrax in Sibirien in jedem Sommer
ausbricht, so hat er auch den Namen Sibir-
skaja jaswa oder Sibirische Pest erhalten. Im
Jahre 1788 verlor Sibirien 100.000 Pferde an
Milzbrand. Im Jahre 1800 fielen in einem
einzigen Kreise Sibiriens 27.000 Pferde. 1864
starben in fünf der nördlichen Gouvernements
Russlands ausser zahlreichen Hausthieren ca.
1000 Menschen an Anthrax. 1887 fielen in
Russland gegen 100.000 Pferde und 1879 ver
lor der Schafzüchter Fein in Südrussland allein
125.000 Schafe durch Milzbrand. Da der Milz
brand in allen fünf Erdtheilen alljährlich auf
tritt, so sind die Verluste, die derselbe an
richtet, ausserordentlich gross; dieselben las
sen sich aber wegen fehlender statistischer
Angaben, namentlich aus Asien und Afrika,
theils auch Amerika und Australien, nicht
einmal annähernd berechnen.
Geographische Verbreitung. Es
gibt fast kein Land der Erde, das nicht vom
Milzbrand heimgesucht worden wäre. In vielen
Gegenden, den sog. Milzbrandbezirken, ist
er gleichsam einheimisch und richtet dort Jahr
für Jahr grosse Verheerungen an. In ganz
Nord- und Mittelasien bis an den Stillen
Ocean und China herrscht der Milzbrand all
jährlich und räumt dort namentlich unter den
Pferden und Renthieren auf. Rinder und
Schafe werden seltener ergriffen. Die dort
vorherrschende Form ist die sog. Beulenseuche.
Im europäischen Russland werden die Gou
vernements Astrachan, Perm, Olonetz, Wo-
logda, Archangel, Petersburg, Nowgorod,
Twer, Lappland, Litthauen besonders häufig
heimgesucht. Aber auch die trockenen Step
pen Südrusslands werden nicht verschont, wo
namentlich die Schafheerden häufig zu leiden
haben. In Deutschland trifft man den Milz
brand am häufigsten an in Preussen, Posen,
Schlesien, Brandenburg, Niedersachsen an der
Elbe, Saale und Mulde, iuBayern, Baden,Nassau,
am Niederrhein. In Oesterreich kommt der Milz
brand vor an der Donau und March, in einzelnen
Thälern Tirols, Böhmen, Mähren. Galizien, be

sonders aber in Ungarn, wo er alljährlich enzoo-
tisch auftritt. In der Schweiz entwickelt sich
der Milzbrand in einigen sumpfigen Thälern in
Tessin, Wallis, Waadt, Bern, Freiburg, Neuf-
chätel, Solothurn, Glarus, Appenzell, St. Gallen
und Graubündten. In Frankreich herrscht er
fast alljährlich in der Beauce und Brie,
Sologne, Champagne, Berry, Bourgogne,
Franche-Comtd, Poitou, Guienne, Gascogne.
Roussillon, Languedoc, Limousin, Torez,
Lyonnais, Auvergne und im Rhonedelta. In
Spanien sind die Küstenstriche von Biscaya,
Catalonien, Estremadura, La Mancha, das
Thal des Guadiana in Andalusien, Murcia,
Valencia und in Portugal Alemtejo und Al-
garve heimgesucht. In Italien ist der Milz
brand verbreitet an den Küstenstrichen in
Sardinien, Calabrien, Apulien, Neapel, im
gewesenen Kirchenstaat, ferner in Toscana,
in den Ebenen des Po, in Mailand und Vene
dig und in einzelnen Thälern der Seealpen.
Selten dagegen werden vom Milzbrand heim
gesucht Schweden, Norwegen, Dänemark.
Belgien, Holland und Grossbritannien mit
Ausnahme von Schottland, wo er häufiger
vorkommt. Man kann den jährlichen Verlust
Europas durch Milzbrand im Durchschnitt
auf 60 Millionen Francs veranschlagen. In
Afrika herrscht der Milzbrand fast beständig
in allen Formen in Aegypten, insbesondere
im Nildelta, ausserdem am Cap, in den sum
pfigen Niederungen an den Küsten, nach
Moor auch selbst auf den inneren Hoch-
plateaux. In Asien ist besonders der Nor
den Sibiriens bis an den Amur und die Mand
schurei dem Milzbrand ausgesetzt. Aber auch
die anderen Theile Asiens bis nach Ostindien
und dem ostindischen Archipel, ferner auch
Australien werden nicht verschont. In Amerika
hat man den Milzbrand in den meisten süd
amerikanischen Staaten, in Mexiko. Nord
amerika und auf dem westindischen Archipel
constatirt. Am häufigsten trifft man den Milz
brand an in Sibirien, im Norden und Osten
des europäischen Russland, in Sachsen, in den
bayerischen Alpen, in den Ebenen der Loire,
Garonne und Rhone (Beauce, Presse, Brenne.
Sologne), in Apulien, Schottland. Ungarn
und Aegypten. Der Anthrax kommt vor in
allen Zonen von Nordsibirien, Lappland und
Alaska bis Ost- und Westindien, Peru und
Centralafrika, auf Gebirgen wie in Thälern
und Tiefebenen, auf allen Bodenarten, am
häufigsten aber auf kalkigem und Thonboden
und auf humusreichem, sumpfigem Boden.
Am meisten entwickelt er sich in heisser
Jahreszeit auf austrocknenden Sümpfen und
Mooren, Flüssen und Seen und an stagniren-
den Gewässern. Aber auch der trockene Step
penboden wird von ihm nicht verschont (Süd
russland, La Plata-Staaten). In der Beauce,
wo der Milzbrand beständig herrscht, fehlen
eigentliche Sümpfe. Der Boden ist bei hohem
Grundwasserstand reich an Alkalien (ca. 30%)
und scheint alkalischer, kalkhaltiger Boden
der Entwicklung des Milzbrandes besonders
günstig zu sein.
Eine besondere Heimat wie für die

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