Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Erster Band (Aa - Brunot)
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zu desinficiren und gründlich auszulüften. Die
etwa abgezogenen Felle müssen mit Sublimat
lösung und Chlor desinficirt werden. Die Schlach
tung noch gesund erscheinender Thiere in einem
Seuchenort ist nur unter Zustimmung und Auf
sicht eines approbirten Thierarztes vorzunehmen.
Die Ausfuhr von Vieh, Fleisch und Milch aus
verseuchten Orten, sowie das Abhalten von
Viehmärkten und Jahrmärkten ist an solchen
Orten zu verbieten.
Desinfection. Nach Davaine werden die
Milzbrandbacillen zerstört durch eine Hitze von
55 °C. in 5 Minuten, durch 50" in 10 Minuten,
durch 48° in 15 Minuten, durch Chromsäure
1:5000, Salzsäure 1:3000, Schwefelsäure 1:5000,
Jod 1 : 1200, Kali hypermanganicum 1 : 1200,
Chlornatrium 1 : 600, Kali causticum 1 : 375,
Carbolsäure 1 :150, Weinessig 1 :150, kiesel
saures Natron 1 :100—150, Ammoniak 1 :100.
Davaine empfiehlt zur Desinfection die Schwefel
säure. Koch fand, dass das Wachsthum der
Anthraxsporen aufgehoben wird durch: arsenik
saures Kali 1 :10.000, Pikrinsäure 1 : 5000,
Blausäure 1: 8000, Borsäure 1 : 800, Borax
1: 700, Salzsäure 1 :1200, Salicylsäure 1 :1500,
Kampher 1 : 1250, Eucalyptol 1 :1000, Kali-
seife 1:1000, Chinin 1:630, Chloralhydrat
1:400, Alkohol 1 :12'5. Zerstört werden die
Sporen durch Terpentinöl, Chlor, Jod, Brom,
Sublimat, Osmiumsäure und Kali hypermanga
nicum, Wasserdämpfe von 93" und siedendes
Wasser. Nach Warrikow w erden die Milzbrand
bacillen zerstört durch Jod 1 : 56.000, Sublimat
1 :20.000, Salzsäure 1 : 600, Kali hypermanga
nicum 1 : 400, Carbolsäure 1:100, Alkohol
1:2'5, Terpentinöl, Terpentinwasser und Kalk
wasser. Krajewski constatirte, dass nur Subli-
matlösungen 1 : 800 das Anthraxcontagium in
kurzer Zeit (2—4 Minuten) zerstören, Jod
lösungen von 1 : 5760 in 8—15Minuten, ebenso
Sublimat 1 :1000, Kali hypermanganicum 1 : 32
und Carbolsäure 1:17. Alle anderen Mittel und
schwächere Lösungen erfordern mehrere Stunden
zur Zerstörung des Contagiums. Zur Desinfection
eignen sich daher wegen ihres geringen Preises
am meisten Sublimat und Carbolsäurelösungen
und kochendes Wasser.
Literatur. Moses, Homer, Seneca, Ovid, Yirgil, HU
MUS, Livius, Dionysius von Halikarnassus, Celsus, Hippokrates,
Thucydides, Lucretius, Plutarch, Silius Italiens, Tacitus,
Sueton, Herodot, Columella, Apsyrtus, Hierokles, Renatus,
Pelagonius, Gregor von Tours, Fabricius erwähnen in ihren
Schriften den Anthrax. — Ramazzini, De contagiosa
epidemia, quae in bovis irrepsit. Padova 1712. — Kan old,
Historie von den Seuchen des Viehes. Budissin 1724. —
Adami, Geschichte der Viehseuchen. Wien 1762. —
Regni er, Le Louvet. Lausanne 1762. — Bert in, Relation
d'une maladie epizootique k la Guadeloupe. — Barberet,
Maladies dies charbonneuses. Paris 1780. — Glaser, Abhandlung
über die Carbunkelkrankheit 1780. — Tossi, De Anthrace,
8. carbuncalo traetatus. Venet. 1776. — Thomas sin,
Dissertation sur le charbon malin. Basel 1762. — Gilbert,
Recherches sur les causes des maladies charbonneuses.
Paris 1795. — Pa ul et, Recherches historiques sur les
maladies epizootiques. Paris 1785. — Malacarste, Del
carbonchio dei bovini. Bassano 1797. — Kausch, Ueber
den Milzbrand des Rindviehes. Berlin 1806. — Heurotb,
Beschreibung der sog. sibirischen Krankheit. Petersburg 1807.
— Ammon, Unterricht über den Milzbrand. Ansbach 1808.
— Wühler, Der Milzbrand des Rindviehes. Rüdesheim 1808.
— Tscheulin, Wahrnehmungen über den Milzbrand. Carls-
ruhe 1809. — Schwab, Ueber den Milzbrand. Wien 1812.
— Laubender, Der Milzbrand der Hausthiere. München
1815. — Am Pa eh, Ueber den Milzbrand oder die Carfunkel

krankheit. Pest 1809. — Ho ff mann, Der Milzbrand. Stutt
gart 1827. — Schräder, Ueber die Natur des Milzbrandes
der Thiere. Magdeburg 1828. — Siderer, De Anthrace.
Berlin 1839. — Herbst, De Anthrace contagioso 1840. —
Tscheulin, Der Milzbrand bei Thieren. Carlsruhe 1841.
— Hildebrand, Die Blutseuche der Schafe. Berlin 1840.
— Haupt, Die Seuchenkrankheiten der Hausthiere in Si
birien und Russland. Berlin 1845. — Delafond, Traite
sur la maladie du sang des betes k laine. Paris 1845. —
Heusinger, Die Milzbrandkrankbeiten der Thiere und des
Menschen. Erlangen 1850. — Pollender, Mikroskopische
Untersuchungen des Milzbrandblutes. Casper's Vierteljahres
schrift 1855. — Brauell, Versuche und Untersuchungen
betreffend den Milzbrand. Virchov’s Archiv 1857, 1853, 1865
und 1866. — Raimbert, Traite des maladies charbonneuses.
Paris 1859, 1867. — Davaine, Recherches sur les infusoires
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Dictionnaire. Paris 1857. — Signol, Presence des ßacteri-
dies dans le sang. Compt. rend. 1863. — Davaine, Sur la
nature des maladies charbonneuses. Recueil 1868. — Ka-
vitsch, Seuchen und ansteckende Krankheiten. Peters
burg 1861. — Bollinger, Zur Pathologie des Milzbrandes.
München 1872. — Toussaint, Recherches experimentales
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Dictionnaire. Paris 1874. — Pütz, Die Seuchen und Heerde
krankheiten. Stuttgart 1882. — Koch, Ueber Milzbrand-
Impfung. Berlin 1883. — E. Se mm er, Der Milzbrand und
das Milzbrandcontagium. Jena 1882. —Ausserdem zahlreiche
Arbeiten von Oemler, Feser, Koch, Büchner, Toussaint,
Pasteur, Colin, Bouley, Chauveau, Perroncito u. A. in ver
schiedenen Zeitschriften. Sommer.
Anthraxbacille. Die Anthraxbaeille ist ein
mikroskopischer Organismus, welcher sich im
Blute und besonders in der Milz jener Thiere
vorfindet, welche dem Milzbrand (in Frank
reich charbon, he vre charbonneuse. sang de
rate, peste de Siberie, pustule maligne ge
nannt) erlegen sind. Die Gegenwart dieses
Organismus ist für diese Krankheit charakte
ristisch. Derselbe wurde zuerst von Davaine,
welcher ihm den Namen „Bacteridie u gab, ent
deckt und speciell von Koch in Deutschland,
von Pasteur, Chamberland, Roux. Toussaint
und Chauveau in Frankreich, Sommer in
Russland studirt. Im Blute erscheint dieser
Organismus in der Form von cylindrischen
Stäbchen mit homogenem Inhalt, deren Länge
ungefähr das Zweifache der Blutkörperchen
des Schafes oder Rindes beträgt. Diese
Länge ist allerdings hie und da verschie
den: manchmal ist sie. besonders in der
Milz, zwei-, drei- und selbst viermal grösser.
Bei dieser Krankheit finden sich die Blut
körperchen in Massen angehäuft, aneinander
klebend (Fig. 88), wodurch das Blut ein tlieer-
artiges Ansehen erhält. Pasteur und Joubert
haben gezeigt, dass dies einer Art Diastase
zuzuschreiben sei, welche durch einen von dem
Bacillus abgesonderten Stoff veranlasst wird. In
einigen Fällen wurde indessen constatirt. dass
die Blutkörperchen ihre ursprüngliche Form bei
behalten und nicht anein an derklehen. obwohl die
Bacillen sehr zahlreich sind. Der Tod tritt dann
durch Erstickung ein, wodurch sich die schwarze
Färbung des Blutes erklärt. Wenn man einen
Tropfen Blutes von einem an Milzbrand ver
endeten Thiere in neutralisirte und sterilisirte
Hühnerbouillon aussäet und dieselbe dann in
ein Warmbad von 35°C. bringt, so kann man
schon nach 15—20 Stunden bemerken, dass
die ursprünglich klare Flüssigkeit mit seiden
artigen Streifen durchzogen ist. Unter dem

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