Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Erster Band (Aa - Brunot)
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sammenhängend und in Form eines Rohres mit dem
Truncus arteriosus vereinigt. Dieser wird in
zwei Aeste getheilt, von denen der linke in
den dem Herzen am nächsten liegenden linken
Bogen übergeht, und liefert die Aorta mit ihrem
Bogen. Der rechte Ast, aus dem Truncus arte
riosus hervorgegangen, gibt die Arteria pul-
monalis, welche sich in den rechten, vom
Herzen aus den zweiten Aortenbogen fortsetzt.
Diese beiden Gefässe (Aorta und Arteria pul-
monalis) stehen durch einen Verbindungsast
miteinander in offener Communication. Dieser
führt den Namen Botanischer Gang nach
dem Leibarzte Heinrichs III. von Frankreich, der
sich durch die Einführung des Aderlasses in
Frankreich einen Namen machte. Der Botallische
Gang ist im Embryonalleben offen und strömt
in ihm das Blut von der Arteria pulmonalis
zur Aorta. Er obliterirt unmittelbar nach der
Geburt. Schenk.
Botrytis bassiana, Schimmelpilz, welcher
die Seidenraupenkrankheit, Muscardine (s. d.)
verursacht. Koch.
Bottani schrieb 1819 in Venedig über
Epizootien und ansteckende Krankheiten. Sr.
Botulismus, Wurstvergiftung (Allantiasis).
Alle Wurstwaaren sind gefährlich, wenn sie
ungebührliche Stoffe enthalten, welche der
Gährung und Säurung leicht ausgesetzt sind,
wie bei Leberwürsten Mehl, Grütze, Semmel,
Hirn, bei Blutwürsten auch Milch, wenn die
flüssigen Substanzen nicht im Verhältniss zu
den festen stehen, die Masse nicht gehörig
gesalzen und gewürzt wird, nicht lange genug
kocht und in zu dicke Därme gefasst, daher
nicht gehörig durchgeräuchert oder zu lange
aufbewahrt wird. Solche Würste sind dann
(oft nur in der Mitte) breiartig erweicht,
schmierig und verrathen ihre Gefährlichkeit
durch den scharfen, oft bitterlichen Geschmack,
ranzig-widrigen Geruch und schmutziggraue
Farbe. Toxische Erscheinungen treten bei
Mensch und Thier selten alsbald nach dem
Essen ein, am häufigsten erst nach 12 Stunden,
bei geräucherten Würsten oft erst nach
1—2 Tagen und noch später, und manifestiren
sich durch Uebelsein, Erbrechen, Kolik,
Durchfall oder Verstopfung, sehr trockene
Mundschleimhaut, Aphagie; später kommt
dann Kopfschmerz, Schwindel, Verengerung
der Pupille, Kriebeln, Hautanästhesie, hoch
gradige Schwäche. Des Erbrechens wegen ist
trotz des intensiven Giftes, dessen Chemie
noch dunkel ist, die Mortalität höchstens
50—54%, auch gibt die Section keinerlei
anatomische Aufschlüsse; wahrscheinlich be
steht das Wurstgift aus organischen Basen.
Behandlung: Brecli- und Abführmittel,
Beseitigung der grossen Körperschwäche
durch Wein, Kampher; chemische Antidota
gibt es nicht. Vogel.
Bou-Chareb, Pferdeschlag. Unter den Ber
ber-Pferden edler Rasse kommt nach General
Daumas im westlichen Theile der algerischen
Sahara ein schöner Schlag mit weisser Haar
färbung (Schimmel) vor, welchen die Araber
und Berber Bou-Chareb nennen und von dem
selben behaupten, dass er sich durch grosse

Schnelligkeit auf den Jagden und Raubzügen
vor den anderen Schlägen auszeichnete; nur
allein die Haymours von brauner Farbe sind
noch mehr gesucht; diese sollen etwas kräf
tiger sein und in Folge dessen einen schweren
Reiter sicher über das Feld (d. h. dort die
Wüste) tragen können. Freylag.
Boucher schrieb 1771 ein Buch über Ge
stüte, Memoire sur les Haras. Semmer.
Bouffe, s. Comforter.
Beuge Ch., Professor an der Veterinär
abtheilung der medico-chirurgischen Akademie
in Petersburg, schrieb ein Handbuch über
Seuchenlehre, über Pferdekrankheiten und über
Diätetik. Semmer.
Bouillon-Lagrange (1764—1844), Pro
fessor der Centralschule zu Paris, schrieb ein
„Dispensaire pharmacochimique ä l’usage des
Eleves des Ecoles imperiales veterinaires,“
Paris 1813. Semmer.
Boule dogue, s. Bulldogge.
Bouley studirte Veterinärmedicin in Al-
fort, war darauf gerichtlicher und Polizei
thierarzt in Paris (1830), wurde Mitglied der
Akademie der Medicin zu Paris und correspon-
direndes Mitglied der Akademie zu Brüssel
und veröffentlichte mehrere Artikel im „Recueil
möd. vötör.“. Semmer.
Boulogner Pferd. Zu der Race boulonnaise
zählt man — nach Schwarznecker — das
schwere französische Zugpferd, welches in
den Departements der Somme, der Seine in-
ferieure, des Pas-de-Calais, du Nord u. s. w.
gezüchtet wird; man unterscheidet jedoch ver
schiedene Schläge oder Sousraces, welche die
Franzosen race bourbonnienne, race picarde,
race flamande und race cauchoise nennen.
Gayot unterscheidet in seinem Werke (,.La
connaissance genörale du cheval“) nur zwei
Gruppen von Pferden der schweren Boulogner
Rasse. Die Thiere für den schweren Zug im
Schritt nennt er Flamländer und die anderen,
welche sieh mehr für den Zug im Trabe
eignen, bezeichnet er als die eigentlichen
Boulonnaiser (s.d.). Diese letzteren sind im De
partement Pas de Calais und der Somme zu
finden; sie werden von Jugend auf reichlich
mit Korn ernährt, sind in Folge dessen schon
früher muskelkräftig und leistungsfähig,
werden aber nur ausnahmsweise so schwer,
massiv wie die Flamländer. In dem Zucht
gebiet der italienischen Razza cremonesa werden
mit Vorliebe Hengste der Boulogner Rasse
als Beschäler verwendet, und man hofft, auf
diese Weise die alte italienische oder lom
bardische Rasse etwas gängiger, rascher zu
machen. Nach England gehen ebenfalls all
jährlich ziemlich viel Pferde aus den oben ge
nannten französischen Departements; man sieht
sie in London und anderen grossen Städten
vor den schweren Lastwagen sehr häufig und
sie machen hier den grossen englischen Kar
renpferden (Shire-horses) eine nicht zu unter
schätzende Concurrenz. Freytag.
Boulogner Schwein. Dasselbe gehört zur
Gruppe der grossen, grossohrigen Rassen und
ähnelt im Körperbau den anderen langleibigen
Rassen in den Flussniederungen an der Nord-
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