Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Erster Band (Aa - Brunot)
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Brucin, C as H, 6 N a 0 4 . Dieses Alkaloid, im
Jahre 1819 von Pelletier und Caventon ent
deckt, tritt überall als Begleiter des Strych
nins auf und findet sich relativ am meisten
gerade in der Rinde von Strychnos Nuxvomiea L.
Das Brucin bildet wasserhelle Prismen, schmeckt
bitter und ist giftig wie Strychnin, mit Säuren
liefert es meist krystallisirbare bitter
schmeckende Salze. Durch concentrirte Sal
petersäure werden Brucin und seine Salze
Scharlach- bis blutroth gefärbt, es wird daher
das Brucin bei der Analyse des Trinkwassers
als Reagens auf Salpetersäure benützt. Das
Brucin führt auch (selten) den Namen Cani-
ramin, welcher die ostindische Bezeichnung
für Brechnuss ist. Loebisch.
Brucinum, Brucin (s. d.), in der Regel
mit dem Hauptalkaloid der Brechnüsse ver
unreinigt und selbst als Brucinum nitricum
nicht rein. Im Ganzen theilt es die tetani-
sirende Action des Strychnins vollständig und
ist wie die dritte Pflanzenbase der Krähen
augen, das Jgasurin, nur etwas schwächer,
daher ganz entbehrlich (s. Strychnos Nnx
vomiea). Vogel.
Bruckmiiller A., geb. 1853, f 1883, hatte
Medicin studirt, wurde (Korrepetitor und später
Professor an der Thierarzneischule in Wien,
gab 1850 heraus: „Grundzüge der allgemei
nen und speciellen Botanik für Thierärzte,“
ferner ein Lehrbuch über Chemie und über
pathologische Anatomie der Hausthiere. Sr,
Brüche der Knochen, s. Fracturen. Brüche
nennt man auch Ortsveränderungen von Ein
geweiden, bei welchen dieselben durch eine
regelwidrig erweiterte oder neugebildete Oeff-
nung innerhalb der allgemeinen Bedeckung
aus ihrer normalen Lage heraustreten; man
heisst sie z. B. nach dem Ort Bauch-,
Blasen-, Damm-, Hoden-, Leisten-, Magen-,
Mutterbruch (Vorfall der Gebärmutter), Nabel-,
Schenkel-, Weichenbrüche etc.; nach dem In
halte Darm-, Netz-, Samen-, Wasser-, Wind-,
Hirn-,Fleisch-, Eingeweidebrüehe (s. d.). Koch.
Brückencolobom, ein Colobom (Spaltung)
der Iris, bei welchem die am Pupillarrande
liegenden Spaltränder, die sonst bald als
stumpfe Spitzen in die Pupille hineinragen,
bald ohne weitere Markirung sich in den
Pupillarrand hinein verlieren, durch eine Mem
bran oder einen Faden miteinander in Be
rührung stehen (s. Coloboma oculi, unter
Hemmungsbildung des Auges). Schlampp.
Brühfutter. Mit heissem Wasser oder den
flüssigen Abfällen technischer Gewerbe, wie
z. B. heisser Branntweinschlämpe, heissen
Molken u. dgl. übergossene Futtermittel.
Man bezweckt durch dieses Zubereitungs-
Verfahren namentlich grobstengeliges Rauh
futter u. dgl. mundgerechter, schmackhafter
und womöglich auch leichter verdaulich
zu machen. Man glaubt ferner durch Be-
brühen befallener Futterstoffe (rostiges oder
brandiges Stroh u. dgl.) mit kochendem
Wasser u. dgl. demselben etwaige schäd
liche Wirkungen zu benehmen, welcher Zweck
jedoch mit einiger Sicherheit nur durch

Dämpfen oder Kochen erreicht wird. (Näheres
siehe unter Fütterungslehre.) Pott.
Brühl, Dr. med., geb. 1819 in Prag, war
1848 Correpetitor am Thierarznei-Institute in
Wien, später Professor für vergleichende Ana
tomie in Wien, schrieb viele vergleichende
anatomische Artikel und Beiträge zur Anatomie
der Haussäugethiere (1850) mit Tafeln. Sr.
Brüllen nennt man die Stimmgebung des
Rindes, dasselbe besteht in der Ausstossung
eines zunächst rauhen tiefen Tones aus weit
geöffnetem Maule, welcher allmälig in einen
hohen, helleren übergeht und mit diesem kurz
abbricht. Die Thiere brüllen aus Hunger,
Sehnsucht,Geschlechtserregungetc.DieStimme
des Rindes ist übrigens keiner eigentlichen
Modulation fähig. Sussdorf.
Brüllerkrankheitder Kühe, Nymphomanin
vaccarum, Mykematonosia (von Nop®aT«, Genie
in den Quellen; v6p.cpa = Klitoris; to p.6xi](j.a,
das Brüllen; vj vo'oo;, die Krankheit); sie be
ruht auf einer Entartung der Ovarien und
einer damit im Zusammenhang stehenden un
gewöhnlichen Aufregung des Geschlechtstrie
bes, weshalb man das Leiden auch „Stiersucht“
genannt hat. Da Nymphomanie auch bei den
an Perlsucht leidenden Kühen vorkommt,
falls die Perlknoten auf die Ovarien drücken
oder diese selbst in den Ovarien und im
Uterus auftreten, so hatte man früher die
Perlsucht auch „Monatsreiterei und Franzosen
krankheit“ genannt. In der Brüllerkrankheit
finden wir fast regelrecht die Ovarien cystoid
entartet, sie ist ihrem Wesen nach eine Eier
stockswassersucht. Die Cysten reizen die
Ovarien und Eierstocksnerven, der Reiz löst
sich im Rückenmark und Gehirn durch Auf
regung des Geschlechtstriebes aus. Chronische
Herz- und Leberleiden, sowie Verdauungs
störungen mit erschwerter Circulation des
Blutes im Hinterleibe, intensive Erkältungen
und Körpererschütterungen disponiren zu Eier
stockskrankheiten. Die Graafschen Follikel
in den Ovarien entzünden sich schleichend,
ihre Kapseln verdicken sich und behindern
den Blutlaus, so dass sich aus den hyper-
ämischen, erschlafften Eierstocksgefässen Blut
serum oder nach Zerreissung der Gefasse auch
Blut in die Follikel ergiesst, wodurch sie
bis zu wallnussgrossen Cysten ausgedehnt
werden, welche über die Oberfläche blasen
förmig hervorragen. Oester ist der Cysten
inhalt eiterartig durch Beimischung von farb
losen Blut- und Lymphkörperchen und Zellen
der Membrana granulös». Die Cysten bringen
mitunter das Stroma im Eierstocke zum Schwin
den, es Hiessen dann mehrere Blasen zu einer
grösseren zusammen, schliesslich kann der
ganze Eierstock nur aus einer einzigen Cyste
mit einer dicken, festen Hülle bestehen. Bruck
müller sah sich öfter hiebei das breite Mutter
band strangförmig ausziehen, so dass sich in
ihn leicht Därme verwickeln.
Erscheinungen. Die Brüller sind ge
schlechtlich sehr aufgeregt, unruhig, sie fallen
durch ihr unbändiges Benehmen und das
stierartige Brüllen auf. Der Blick ist
ein wilder, unsteter, man sieht sie mit den

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