Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Erster Band (Aa - Brunot)
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BRÜTEN.

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sene, seitlich mit einem Flugloch versehene
Nester, vorzüglich aus Moosen (Zaunkönig,
Fitis, Waldlaubenvogel, Rothschwänzchen,
Goldhähnchen, Staar, Schwarznieise). 12.
Schmarotzervögel, welche entweder die
Nester anderer Vögel in Besitz nehmen, oder
sogar ihre Eier von anderen ausbrüten las-
sen (s. oben). — Die meisten Vögel nisten
einzeln, manche bauen gesellig viele Nester
nebeneinander (Colonien), wie z. B. die Saat-
krähen, Dohlen, Reiher, Möven, Cormorane,
Uferschwalben, Wandertauben. Einige Vögel
sollen sogar ein gemeinschaftliches Nest
haben und gemeinschaftlich brüten (Strausse).
Von solchen Vögeln, die einzeln brüten, be-
haupten einzelne Paare während des Brütens
gewöhnlich ein bestimmtes Brutrevier, wel-
ches sie gegen andere Vögel derselben Art
vertheidigen und dessen Ausdehnung von der
Menge der Nahrung abhängig ist (bei grossen
Raubvögeln oft eine Stunde lang und ebenso
breit). Nach Fertigstellung des Nestes legt
das Weibchen das erste Ei ab, auf welches
möglichst rasch, gewöhnlich in Zwischen-
räumen von einem Tag (kleine Vögel) oder
zwei Tagen (grosse Vögel), die übrigen Eier
des Geleges folgen. Die Zahl der Eier variirt
nach Aufenthalt, Ernährungsweise und Gat-
tung sehr, u. zw. schwankt sie von 1—25 und
darüber und scheint weniger im Verhältniss
zur Körpergrösse zu stehen, als zur Menge
von Gefahren, denen die einzelne Gattung
ausgesetzt ist (s. Fortpflanzung). Ebenso ver-
schieden ist die Dauer der Brütezeit, wel-
che der Dauer der Embryonalentwicklung
parallel ist und im Allgemeinen um so län-
ger währt, je grösser die Vogelart ist, d. h.
unter gleichzeitiger Berücksichtigung des
Grades der Ausbildung der auskriechenden
Jungen; so z. B. brütet das- Haushuhn eben
so lange als der ganz bedeutend grössere
Geier, das Junge des ersteren ist aber gleich
im Stande, das Nest zu verlassen und Nah-
rung zu suchen (Nestflüchter), während der
junge Geier noch total unbehilflich, nackt
und blind ist und längere Zeit von den Alten
geatzt werden muss (Nesthocker). — Nach-
stehende Tabelle gibt eine Uebersicht über
die Zahl der Eier und die Dauer der Brüte-
zeit einzelner Vogelgattungen.

Vogelgattung, resp. Species Zahl der Eier Dauer der Brütezeit in Tagen
Strauss 10—12 50—56
1 33—36
Schwan S— 8 34—37
2— 4 29—31
Kranich 2 27—29
Gans 7—14 27—32
6—12 27—28
Truthahn Ente Huhn 8—15 7—18 t 28—30 28—30 191—23
Birkhuhn, Feldhuhn, Fasan Geier, Adler, Uhu ii 20—22 20

Vogelgattung, resp. Species Zahl der Eier Dauer der Brütezeit in Tagen
Falken, Habichte 2— 7 20—21 15—16
Eulen 2— 5
Schnepfenartige Vögel 3— 6 14—21
Spechte, Drosseln, Staare .. 3— 6 13—14
Wendehals, Meisen, sonstige Singvögel 7—15 13—17
Kolibri, Goldhähnchen 11—12

Lufttemperatur, Individualität des Brut-
vogels, Alter der Eier, Stärke und Dichtig-
keit der Schale, Feuchtigkeitsgrad der Atmo-
sphäre u. s. w. haben Einfluss auf die Dauer
der Bebrütung. Die Zahl der Eier kann man
bekanntlich durch Wegnahme der Gelege ver-
mehren (Haushühner, Enten). Das Brut-
geschäft beginnt, wenn das Gelege vollzählig
ist — wenigstens ist dies der Fall bei den
Nestflüchtern, welche sämmtlich in wenigen
Stunden ausschlüpfen, während die Nesthocker
dazu 2—8 Tage gebrauchen, was auch durch
die grosse Verschiedenheit des Entwicklungs-
grades der Jungen desselben Nestes (beson-
ders bei Raubvögeln) zu erkennen ist —- und
beruht im Wesentlichen auf einer gleich-
mässigen Erwärmung (40 0 Celsius) der Eier
durch den Körper des brütenden Vogels. Die
Ausstrahlung der Körperwärme wird durch
nackte Stellen, sog. Brutflecken, befördert,
welche in Folge des Ausrupfens oder Aus-
fallens der Federn am Bauch sich einstellen
und' sich auch beim Männchen finden, wenn
diese brüten helfen. In der Regel obliegt
allerdings das Brutgeschäft ausschliesslich
dem Weibchen, welches während dieser Zeit
vom Männchen mit Nahrung versorgt wird
(grössere Raubvögel). Bei den in Polygamie
lebenden Vögeln (z. B. Hühnern und Enten)
bekümmert sich dagegen das Männchen über-
haupt nicht um die Brut. Bei den Singvögeln,
Tauben, verschiedenen Schwimmvögeln lösen
sich beide Ehehälften beim Brutgeschäft ab,
u. zw. brütet das Männchen meistens kürzere
Zeit, u. zw. in den Mittagsstunden, das Weibchen
die übrige Tageszeit und die ganze Nacht.
Beim Strauss brütet das Weibchen nur die
erste Zeit allein, später werden die Rollen
gewechselt, wobei das Männchen zur Nacht-
zeit fast ausschliesslich brütet. Nach Steen-
strup brütet bei der Gattung Phalaropus das
kleinere Männchen allein. Merkwürdig ist das
Verhalten des Kukuks, welcher sowohl Nestbau
als auch Brüten und Brutpflege anderen Vögeln
überlässt. Die Vogelgattung Megapodius legt
ihre Eier in einen aus Laubstreu und Erde
zusammengekratzten Haufen und lässt sie
hier durch die sich darin entwickelnde Wärme
(Eigenwärme) ausbrüten; die Jungen kommen
dann vollkommen befiedert aus und suchen
ihre Nahrung selbst, ohne der Pflege ihrer
Eltern zu bedürfen. In den gemässigten und
kalten Klimaten brüten viele Vögel gewöhnlich
nur einmal im Jahr und schreiten zur zweiten
Brut nur dann, wenn die erste zerstört wurde; bei

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