Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Erster Band (Aa - Brunot)
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sich sowohl auf die Thatsache, dass durch
Uebertragung von Actinomycespilzen auf an
dere Thiere die Actinomykose künstlich her
vorgerufen werden kann, als auch auf die
histologische Gleichartigkeit aller diesbe
züglichen Krankheiteprocesse. Nachdem schon
Bollinger, Harz, Perroncito, Siedam-
grotzky 3 ) und Ponfick mehrfach erfolg
lose Uebertragungsversuche auf Kaninchen
und Schafe vorgenommen hatten, ist es mir
gelungen, durch Einspritzung der mit Wasser
verriebenen und einer frischen Actinomyces-
geschwulst (myelogenes Kiefer-Actinomykom)
entnommenen Pilzmassen in die Subcutis und
die Bauchhöhle bei zwei Kälbern und in das
Euter einer Kuh ganz dieselben geschwulst
artigen Neubildungen zu erzeugen, wie sie
für die spontane Actinomykose des Rindes
charakteristisch sind 14- - 20 ). Später sind auch
von Ponfick 27 ) gelungene Uebertragungsver
suche mit Actinomycespilzen vom Rind auf
sieben Kälber auf dem Wege peritonealer,
subcutaner und intravenöser Impfungen und
neuerdings von J. Israel 44 ) auch erfolg
reiche peritoneale Impfungen mit solchen vom
Menschen auf Kaninchen berichtet worden.
Dagegen sind bisher alle Versuche, den Acti-
nomyces bovis auf Hunde und Kaninchen zu
übertragen, vergeblich gewesen; eben so wenig
ist es Ponfick gelungen, die Actinomykose
durch Fütterung mit infectiösen Geschwulst
massen vom Rind bei Kälbern, Hunden und
Kaninchen zu erzeugen.
Der Actinomycespilz wirkt, wo er mit den
Geweben des Körpers in Berührung kommt,
als Reiz, welcher zu einer reactiven Entzün
dung und zur Bildung eines typischen Granu
lationsgewebes, der actinomykotischen Neubil
dung, führt. Die Gestaltung dieser letzteren
und ihr weiteres Schicksal ist bei Menschen
und bei Thieren aber sehr verschieden.
A. Die Actinomykose bei Thieren.
Schon Bollinger 1 ) hat die wahrhaft ge
schwulstbildende Tendenz des Actinomyces-
pilzes hervorgehoben und das allgemeine Bild
der Actinomycesgeschwülste, für welche ich
den Namen Actinomykome vorgeschlagen
habe, gezeichnet. Die Actinomykome sind
sämmtlich bindegewebiger Natur, aber in
ihrem äusseren Ansehen nach Sitz und Zellen
reichthum sehr verschieden. In der Regel
handelt es sich um rundliche, knotenartige,
meist mehr oder weniger pilzartig aufsitzende
Neubildungen mit glatter Oberfläche, deren
Consistenz je nach ihrem Zellengehalte zwi
schen der eines weichen, medullären Sar-
comes oder eines derben Fibrosarcomes oder
Fibromes schwanken kann. Hiernach ist auch
die Farbe insofern different, als erstere meist
blutreicher und von gelblicher oder röthlich-
gelblicher Farbe, häufig auch mit kleinen
Blutungen durchsetzt sind, während letztere
eine graue oder grauweisse Farbe zeigen.
Besonders die weicheren Formen bes’tzen auch
noch insofern ein sehr charakteristisches Kenn
zeichen, als ihre Oberfläche eine Menge kleiner,
stecknadelkopfgrosser, intensiv gelber Herde
— in eiterartig zerfallenes Granulationsgewebe

eingebettete Actinomycesrasen — durch
schimmern lässt.
Das eigentlich Typische der Actino
mykome liegt in der Beschaffenheit ihrer
Schnittfläche. Eingebettet in eine bindege
webige Grundsubstanz — Stroma —, welche
wegen des schwankenden Verhältnisses zwi
schen Zellen- und Bindegewebsfibrillen anato
misch bald den Sarcomen, bald den Fibrosar-
comen oder Fibromen zugerechnet werden muss,
erkennt man schon makroskopisch stecknadel-
kopf- bis erbsengrosse knötchenförmige Einla
gerungen (Taf. I, Fig. 7 b). Diese sitzen theils
isolirt, theils sind sie zu rundlichen bis wallnuss
grossen, trüben Heerden von grauröthlicher
oder gelbgrauer Farbe und weicher, gallertiger
oder fast breiartiger Consistenz vereinigt. Jedes
dieser Knötchen schliesst ein kleines, sand
korngrosses, gelbes Körnchen — einen Acti-
nomyceshaufen — ein, welches sich mit der
Nadel leicht isobren lässt und schon makro
skopisch die Diagnose sichert. Diese weichen,
knötchenartigen Einlagerungen lassen sich be
sonders dann, wenn der Tumor einige Zeit in
Wasser oder verdünntem Alkohol gelegen hat,
durch Drücken und Streichen leicht aus der
Schnittfläche des Stroma entfernen. Je nach der
Menge und Dichtigkeit der ersteren erscheint
letztere dann mit kleinen isolirten oder nester
weise zusammensitzenden Hohlräumen durch
setzt (Taf. I, Fig. 8 b), und gewinnt hiedurch
das schon von Bollinger als charakteristisch
betonte spongiöse Ansehen. Indess ist diese
spongiöse Structur von der Entwicklung des
bindegewebigen Stroma insofern abhängig, als
hei starker Entwicklung desselben die Schnitt
fläche mehr die Beschaffenheit eines ziemlich
derben Fibroms oder Fibrosarcoms und nur
ganz spärlich eingestreute Actinomycesknötchen
zeigt. Von Bang 41 ) wird in diagnostischer
Beziehung nicht ganz mit Unrecht auf die
Neigung der Actinomykome hingewiesen, nach
der Oberfläche der Haut und der Schleim
häute durchzubrechen.
Der mikroskopische Bau der kleinen, in
dem Stroma eingelagerten weichen Knötchen
ist ganz der eines Granulationsknötchens und
gleicht in jeder Beziehung dem eines typischen
Riesenzellentuberkels 20- P- lea ), wie es die nach
meinen Präparaten (das Material verdanke ich
der Güte des Herrn Prof. Pflug) ange
fertigten Abbildungen (Taf. I, Fig. 4) be
weisen. Das Centrum eines jeden Haufens
wird stets von einem grösseren oder kleineren
Pilzrasen gebildet, welcher fast ausnahms
los von einzelnen Riesenzellen mit vielen
randständigen Kernen, wie wir sie in sogen.
Riesenzellentuberkeln vorfinden, umgeben ist.
Hin und wieder sind kleinere Actinomyces-
häufchen auch direct von einer Riesenzelle
eingeschlossen. 20- P- 163 ) Um diese Riesen
zellen, oder auch beim Fehlen derselben um
die Pilzhaufen direct, lagern sich dichte
Mengen sogen, epithelioider Zellen, die Fibro
blasten Ziegler’s, welche nach letzterem
Autor durch Stoffaufnahme gewachsene und
höher entwickelte lymphoide Zellen sind, und
die Uebergangsformen der letzteren in Binde

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