Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Vierter Band (Gestüt - Hufzange)
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die Thiere eine starke oder schwache Körper
constitution besitzen oder ererbt haben, sie
können eine Disposition oder Anlage zu Krank
heiten mit auf die Welt bringen, welcher der
Mensch nichts entgegenzusetzen vermag, daher
die Gesundheit gut und stark oder aber schwach
und leidend sein kann. Wenn freilich bei dem
Züchtungsverfahren der Hausthiere eine rich
tige Auswahl von gesunden Thieren reiner,
guter und edler Abstammung bei der Paarung
eingehalten und mit Vorsicht die Trächtigkeit,
Geburt und erste Aufzucht überwacht würde,
so wäre immerhin die Möglichkeit vorhanden,
Gesundheitsstärke bei denselben zu erzielen
und, so viel es in der Macht des Thierbesitzers
liegt, auch zu erhalten. Die äusseren Ein
flüsse nun, die die Stärke oder Schwäche der
Gesundheit der Thiere bedingen, liegen gröss
tenteils in der Hand des Thierbesitzers, wo
bei es sich allerdings nicht ausschliesslich
nur um die Stärkung im körperlichen Gedeihen
der Thiere allein, sondern gleichzeitig auch
um die Erzielung verschiedener Leistungs
und ökonomischer Nutzungsfähigkeiten han
delt. Diese machen es oft nothwendig, Zustände
bei den Thieren absichtlich herbeizuführen,
welche den Begriffen der Gesundheit nicht
ganz entsprechen, wie z.B. Mast, Frühreife etc.,
wo also die Gesunderhaltung der Thiere ein
seitig beeinflusst wird.
Die äusseren Einflüsse, von welchen die
Stärkung oder Schwächung der Gesundheit
der Thiere abhängt, sind die atmosphärische
Luft, die Jahreszeiten, Witterungsverhältnisse,
Nahrungsmittel mit Getränk, die Aufenthalts
orte, Pflege der Körperoberfläche, Licht und
Finsterniss, Bewegung und Euhe etc. Alle
diese Einflüsse, soweit sie vom Menschen ab
hängen und bewältigt werden können, sind
derart, dass sie, wenn sie nach den naturwissen
schaftlichen Gesetzen, physiologischen, biolo
gischen und hygienischen Kenntnissen zur
Anwendung kommen, die Gesundheit der
Thiere stärken; werden sie aber nicht beach
tet oder einseitig, ja selbst fehlerhaft benützt
und verwendet, so tritt Schwäche und Wider
standslosigkeit des thierischen Körpers gegen
die äusseren Einflüsse ein, und es geht die
Gesundheit und der ökonomische Nutzen da
durch verloren. Ableitner.
Gesundheitserhaltung, siehe Gesundheits
pflege.
Gesundheitslehre ist eine Wissenschaft,
die mehr auf Erfahrung als Theorie beruht
und mehr in der Praxis als in der Studir-
stube zur Geltung kommt. Ihre Grundlagen
sind also Beobachtungen, Versuche und For
schungen auf dem Gebiete der Lebensverhält
nisse der landwirthschaftlichen Hausthiere.
Um diese aber erforschend beurtheilen und
rationell verwerthen zu können, gehen der
Gesundheitslehre die Kenntnisse von den
Grundwissenschaften der Gesundheitspflege
voraus, d. i. jene der Anatomie und Phy
siologie sowie die der Naturgeschichte. Diese
bedingen aber wieder ein Hilfswissen, d. i.
die Kenntniss der Chemie, Physik, Pflanzen
kunde, Viehzucht etc.

Die Lehre zur Erhaltung der Gesundheit
der Hausthiere stützt sich demnach auf die
Kenntniss dieser vorausgesetzten Wissen
schaften und handelt dann zunächst von den
Erscheinungen und Bedingungen des Lebens
überhaupt im gesunden und kranken Zustande
der Thiere: den Erhaltungs- und Beförde
rungsmitteln der Gesundheit, den Lebens- und
Nahrungsmitteln, den Aufenthaltsorten (Stal
lung und Weidegang), der Beschäftigung, Pflege
und Wartung, den Nutzungszwecken etc. Die
Gesundheitslehre umfasst demnach das ge
summte Gebiet der Gesundheitspflege (Hy
giene) und alle jene wissenschaftlichen Zweige,
welche die Bedingungen des gesunden thie
rischen Körpers, die Erhaltung und die
Beförderung der Gesundheit desselben zur
Grundlage haben. Ableitner.
Gesundheitspflege (Hygiene). Jedes Thier,
welches der Mensch seiner Botmässigkeit
unterworfen hat, bedarf der Wartung, Pflege,
Aufsicht und der entsprechenden Behandlungs
weise, wenn es gesund bleiben, gedeihen und
einen Nutzen abwerfen soll. Die Gesundheits
pflege der landwirthschaftlichen Haus- und
Nutzthiere gipfelt daher in der Erhaltung voll
kommener Gesundheit, in dem körperlichen
Gedeihen derselben und dem daraus hervor
gehenden Zweck, einen wirthschaftlichen
Nutzen aus diesen Thieren ziehen zu können.
Die wirthschaftlichen Nutzungszwecke, welche
bei Voraussetzung der dazu erforderlichen
Gesundheit der Thiere erreicht werden wollen,
können sich auf die Förderung und Erhaltung
der Jungviehaufzucht, und Ausnützung von
Zuchtthieren beziehen oder auch auf die Nutz-
niessung des Zugviehes, auf Fleisch-, Milch-und
Wollerzeugung erstrecken. Darum ist die von
jeder Thiergattung erforderliche Gesundheits
pflege nach diesen verschiedenen Nutzungs
zwecken besonders ins Auge zu fassen und
danach einzutheilen.
Zu den äusseren Einflüssen der Gesund
heitspflege der Thiere, welche grösstentheils
in der Hand des Thierbesitzers liegen und
— soweit solche in Betracht kommen —
einer geeigneten Eegelung bedürfen oder ein
schützendes Eingreifen erforderlich machen,
gehören die Bodenverhältnisse, atmosphärische
Luft, Wärme, Witterung, Klima, Nahrungs
mittel und Getränke, Aufenthaltsorte oder die
Ställe, Pflege der Körperoberfläche inclusive
der Hufe und Klauen (Hufbeschlag), Licht
und Dunkelheit, dann die Bewegung und
Kühe, Schlafen und Wachen, Leidenschaften
(Zorn, Schrecken, Furcht) etc. Diese äusseren
Factoren, welche der Gesundheitspflege zur
Grundlage dienen, können eine mannigfaltige
Wirksamkeit auf das Gedeihen der verschie
denen Thiergattungen ausüben, haben aber
einen so grossen Einfluss auf die Gesunder
haltung aller Thiere, dass sie, wenn sie nicht
beachtet, berücksichtigt und nicht zeitgemäss,
richtig und rationell zur Anwendung kommen
und überwacht werden, nicht nur die Nutzungs
zwecke vereiteln, sondern die Gesundheit
selbst untergraben und daher in hohem Grade
schädlich werden können.

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