Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Vierter Band (Gestüt - Hufzange)
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN670997315/20/
Die Gesundheitspflege der Pferde wurzelt
in der Aufgabe, diese Thiere in jenem Zu
stande zu erhalten, in dem sie sich im mög
lichst hohen Grade von Wohlsein befinden,
d. h. vollkommen gesund sind und gesund
bleiben, um den Anforderungen, wozu sie
verwendet werden wollen, entsprechen zu
können.
Dazu ist erforderlich, dass sie von Jugend
auf durch entsprechende Fütterung, Bewe
gung und Arbeitsleistung in gesunder, freier
und frischer Luft, in reinlichen Ställen und
bei einer zweckentsprechenden Körperpflege
erzogen, abgehärtet, den äusseren Einflüssen
ausgesetzt und angewöhnt werden. Ist das
Wachsthum erreicht, so tritt die Nutzniessung
ein, und diese erfordert, Mass zu halten in
der Beschäftigung und Arbeit, verlangt ein
kräftiges, nahrhaftes und gutes, dem Lebens
zwecke und der Bethätigung entsprechendes
Futter und Getränk, eine peinliche Pflege der
Körperoberfläche und Hufe, gesunde Luft und
Ställe oder ergiebige gute Weiden. Da das
Pferd hauptsächlich zum Arbeiten (Lasten
tragen und Lastenziehen) verwendet wird, so
ist besonders auf die Bewegung und Buhe,
Schlafen und Wachen das Augenmerk zu
richten.
Rechtzeitige Bewegung und Buhe üben
einen wohl zu beachtenden Einfluss auf den
gesummten Körper der Thiere aus. Nach Grad
und Mass können diese bald heilsam, bald
schädlich sich erweisen. Die Bewegung der
Pferde richtet sich nach der Jahres- und
Tageszeit, den Witterungs- und Arbeitsver
hältnissen.
Bei jungen Pferden ist besonders erfor
derlich, dass dieselben je öfter desto besser
Bewegung erhalten, damit die Kräfte ent
wickelt und der Körper abgehärtet wird. Im
Sommer sind wo möglich die Morgenstunden
wegen später eintretender Hitze und im
Winter die Vor- und Nachmittagsstunden
wegen der in den Frühstunden vorhandenen
Kälte zur Bewegung und Beschäftigung, na
mentlich junger Pferde zu wählen. Soll aber
ferner im Allgemeinen die Bewegung heilsam
sein, so ist nöthig:
1. Dass mit ihr ein bestimmtes Mass
eingehalten und dieselbe nicht bis zur Er
schöpfung fortgesetzt wird.
2. Dass sie in keiner zu schnellen und
angreifenden Gangart geschehe oder dieselbe
nur vorübergehend auf kurze Zeit fortge
setzt wird.
3. Dass sie niemals unmittelbar nach
voller Sättigung, oder wenn es geschieht,
nicht anders als in ruhigem, langsamem Schritt
geschehe.
4. Bei den verschiedenen Witterungsver
hältnissen hat sich die Bewegung nach den
vorhandenen Wärme- und Kältegraden zu
richten, ob in mehr schneller oder langsamer
Gangart gearbeitet werden kann und ob Wind,
Schnee- und Hagelwetter nicht hinderlich im
Wege stehen, und ob die Pferde bedeckt
werden sollen.

8. Die Bewegung hat vom Hause aus
ruhig, mässig und allmälig erst verstärkt
zu geschehen, also im Schritt vom Stalle
weg. Dies ist besonders zu beachten, wenn
die Pferde kurz zuvor getränkt und gefüttert
wurden.
6. Der ruhige und gleichmässige Trab
greift am wenigsten an, und die Pferde können
ihn mit geringer Unterbrechung fast anhal
tend fortgehen.
Gestreckter, erhöhter Trab und Galopp
dagegen ermüden und greifen die Pferde sehr
an, deswegen muss man sie zeitweise etwas
zur Ruhe kommen lassen, damit sie sich ab
pusten und verschnaufen können.
7. Auf Beisen, bei fortgesetzter Thätig
keit müssen ausser den eigentlichen Futter
zeiten noch besondere Buhepausen gemacht
werden, etwa von 1%—2 Stunden; je heisser
aber das Wetter und je anstrengender die
Arbeit ist, um so öfter. Sie dienen dazu, die
Thiere vollständig sich erholen zu lassen und
durch etwas Futter und Getränk zu laben.
8. Kommt das Pferd in den Stall und
soll es gefüttert werden, so darf dies erst
geschehen, wenn das Athmen und der Blut
umlauf sich vollständig beruhigt haben; also
im Schritt in den Stall.
9. Stark schwitzende und durchnässte
Pferde sollen entweder sogleich abgeschirrt
und der Schweiss mit einem Schweisszieher
abgezogen und so lange geputzt und mit
Stroh abgerieben (frottirt) werden, bis sie
trocken sind und zugedeckt werden können,
oder aber, wenn der Stall gut ist, es an
Bedienung fehlt, dann stellt man die Pferde
ein, lüftet Sattel und Geschirr und legt
Decken auf.
10. Nach jeder Arbeit hat das Pferd Buhe
und Pflege nöthig und muss die Fütterung
und Getränkgabe mit Vorsicht geschehen.
Ausserdem müssen aber gewisse Futter
normen eingehalten werden, wenn die erfor
derliche Leistungsfähigkeit und der dadurch
zu erzielende Nutzen erlangt werden will.
Die Futterabgaben mit dem erforder
lichsten Getränke sind in der Begel nach
drei Tagesrationen einzutheilen (Morgens,
Mittags und Abends) und erleiden im Noth
falle Abänderungen nach den Arbeitsverrich
tungen, welche bezüglich der Futterverab
reichung zu berücksichtigen sind.
Die Gesundheitspflege der Binder ver
langt wie die der Pferde, dass von Seite des
Menschen der bestmögliche Gesundheitszustand
dieser Thiere aufrecht erhalten und zu fördern
gesucht wird, und erstreckt sich dieselbe auf
eine gedeihliche Aufzucht, Zug-, Milch- und
Mastnutzung sowie auf eine entsprechende
Pflege der Zuchtthiere. Die Jungviehaufzucht
erfordert grosse Sorgfalt in der Fütterung und
Pflege während der ersten Lebenstage und Wo
chen, wo die Muttermilch und der darauf fol
gende Ersatz von Futterstoffen nach gemesse
ner Quantität und bester Qualität zu geben sind,
wobei nicht übersehen werdest darf, dass diese

Anschrift

Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Hochschulbibliothek
Bünteweg 2
30559 Hannover
Kontakt

Tel.: +49 511 953-7100
Fax: +49 511 953-7119

E-Mail senden


Datenschutzerklärung

Partner

:
version: intranda viewer - a0c7c66