Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Vierter Band (Gestüt - Hufzange)
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8. Werden Kühe zur Arbeit verwendet,
was in manchen Gegenden und besonders
bei minder bemittelten Leuten häufig der
Fall ist, so hat man eine besondere Auf
merksamkeit auf die trächtigen Thiere zu
verwenden, damit sie durch zu starke An
strengung und mechanische Einwirkungen
nicht belästigt und dem Verwerfen ausge
setzt werden.
Nach der Arbeit ist diesen Thieren die
nothwendige Kühe zu gestatten und hat die
entsprechende Wartung und Pflege einzu
treten.
Jene Binder, die zur Milch- und Fleisch
nutzung gehalten werden und entweder im
Stalle oder auf der Weide ihr Dasein fristen,
bedürfen einer sehr rationellen Pflege, wenn sie
gesund bleiben, gedeihen und die erforder
liche Bente im Wirthschaftsbetriebe abwerfen
sollen. Hier ist vor Allem die Auswahl des
Futters nach Menge und Güte ins Auge zu
fassen und dem Zwecke der Milchbildung und
der Fleischproduction anzupassen (s. Füt
terung).
Die Menge und Güte der Milch ist von
einer ganzen Beihe von Umständen, inneren
und äusseren Verhältnissen abhängig. Thier
gattung, Absonderungszeit, Körperbau und
Beschaffenheit, Menge, Qualität und Art der
Nahrung haben auf dieselbe Einfluss. Bezüg
lich der Erzielung von Menge und Güte der
Milch ist zu beachten:
1. Die Menge und Beschaffenheit des
Futters. Auf die Menge und Qualität der
Milch wirken besonders folgende Futterstoffe:
grüner Mais, grüne Erbsen, Weisskraut, Esper
und andere gute Grünfutterstoffe, namentlich
die Süssgräser. Auf die Güte der Milch
wirken: gutes Heu, Körner, Oelkuchen etc.
Auf die Menge: Klee, Bunkeln, Grünfutter,
dann Biertreber, Oelkuchen, Schlempe etc. Des
wegen bleibt es eine Hauptforderung, die
Grünfütterung so lange als möglich auszu
dehnen.
Wünschenswert!» ist es daher, wenn eine
Kuh zur Zeit kalbt, wo die Grünfütterung
eintritt, indem sie dann weit mehr Milch gibt.
2. Auf den Milchertrag haben auch die
Bassen sowie die Abstammung Einfluss. Den
grösseren Milchertrag geben die Niederungs
rassen, dieHolländer, Limburger, Allgäuer etc.;
und die bessere Qualität die Höhenrassen, das
Alpvieh, Schweizervieh. Uebrigens gibt es bei
jeder Basse und jedem Viehstamme je nach
der Individualität ausgezeichnete Kühe, die
viel und gute Milch geben.
8. Wer sich eine gute Milchkuh ver
schaffen will, der muss schon von Jugend
auf, besonders aber bei den Erstlingskühen
nach dem ersten Kalben, durch gutes Ange
wöhnen an das Melken, durch reines Aus
melken, durch Beinlichkeit, Buhe und Pflege
darauf einzuwirken suchen.
4. Ebenso ist das Alter zu berücksich
tigen, indem der volle Milchertrag gewöhn
lich erst mit dem dritten Kalben eintritt und
bis zum achten und zehnten Jahre anhält.
5. Neumelkende Kühe geben anfangs eine

weniger fette Milch; nimmt aber der Milch
ertrag ab, so wird die Milch allmälig besser
und fetter. Alte Kühe geben fettere Milch
als junge.
6. Bei einer heissen sowie bei der kalten
Witterung nimmt der Milchertrag ab, des
wegen ist die Begel zu beachten, dass man
bei der Stallfütterung die Kühe im Sommer
gegen grosse Hitze sowie im Winter gegen
Kälte und gegen rauhe und scharfe Winde
zu schützen sucht.
7. Beim Morgenmelken erhält man eine
grössere Menge Milch, dieselbe ist aber ärmer
an Fett als die beim Abendmelken. Zwischen
diesem und dem Mittagsmelken gibt es wieder
Abweichungen. Je grösser der Zeitraum zwi
schen den Melkzeiten, um so grösser ist auch
die Milchmenge und umgekehrt.
8. Die Fettmenge steht zur Melkzeit in
einem umgekehrten Verhältniss. Je kürzer
der Zeitraum zwischen den Melkzeiten, um
so fetter ist die Milch und umgekehrt. Liegt
zwischen den Melkzeiten ein gleicher Zeit
raum, so ist auch der Fettgehalt in der Milch
derselbe.
9. So wie die Fettabsonderung unmittel
bar nach dem Melken etwas lebhafter vor
sich geht als in späterer Zeit, so verhält es
sich mit der Milchabsonderung überhaupt.
Ein öfteres (dreimaliges) Melken wird daher
mehr und zugleich eine fettreichere Milch
geben als ein zweimaliges Melken.
10. Der Aufenthalt der Milch im Euter
hat schon eine Trennung der Milch nach
ihren Bestandtheilen zur Folge. In den oberen
Theilen des Euters häuft sich stets mehr
Fett an, während in den unteren Theilen
eine wasserreichere verbleibt; daher ist die
zuletzt abgemolkene Milch stets die beste
und gehaltreichste, deswegen soll jedesmal
recht rein ausgemolken werden.
11. Die Bewegung in freier, frischer
Luft ist für das Milchvieh ebenso nothwen
dig wie für jedes Thier, das gedeihen soll.
Der Weidegang, wo er eingeführt ist, gibt
hinreichend Gelegenheit dazu; bei der Stall
fütterung aber sollte man sowohl Vor- wie
Nachmittags das Vieh durch einige Stunden
ins Freie lassen.
12. Bei entsprechender Futterzulage kön
nen die Milchkühe auch zur täglichen, aber
nur mässigen Arbeit verwendet werden. Den
ganzen Tag dürfen sie aber nicht arbeiten,
sondern sie müssen auch Zeit zur Buhe haben.
13. Die Fütterung des Milchviehes erfor
dert ein möglichst gleichmässiges Futter. Je
mehr man Milch bekommen will, desto mehr
muss man füttern, jedoch nur bis zu dem
Grade, dass der Ernährungszustand nicht
zu üppig wird.
14. Die sonstige Pflege der Milchkühe
erstreckt sich auf den Aufenthalt in gesunder,
reiner Luft und der hiezu dienlichen Wärme,
Beinlichkeit und Trockenheit der Umgebung,
insbesondere der Lagerplätze. Putzen und Pei
nigen der Haut, Beinhaltung des Euters etc.
tragen zur Erzielung einer grösseren Menge
und höheren Güte der Milch unbedingt bei.

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