Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Vierter Band (Gestüt - Hufzange)
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Cicatrix u. s. w.), die aber als obsolet über
Bord geworfen wurden. Man gebraucht ge
genwärtig vorzugsweise die Bezeichnungen:
1. Leucoma (kcux&öv, weiss färben) für in
tensive, fast ganz undurchsichtige Trübungen,
deren Farbe mehr oder weniger weiss ist;
2. Macula (von dem sanskr. mala, Flecken)
für graue, halbdurchscheinende Flecken, und
3. Nubecula (Dem. von nubes, die Wolke)
für durchscheinende, nur ganz schwach an
gedeutete Verdunkelungen.
Zu erwähnen ist noch, dass derartige
Hornhauttrübungen nicht nur Intra vitam er
worben werden können, sondern auch ab und
zu bereits bei der Geburt vorhanden sind, wo
sie dann entweder als Folge von Hornhaut
entzündungen, die sich während der Fötal
periode abgespielt haben, auftreten oder als
Missbildungen aufzufassen sind. Einen sehr in
teressanten Fall, der zu letzteren zu rechnen ist,
beschreibt Schultheiss (Zeitschrift f. vergl.
Augenheilkunde, Bd. III, p. 84) vom Hunde,
wo die Cornea in bedeutender Weise in ihrem
Areale verkleinert getroffen wurde, indem
deren unteres Drittel in den vordersten Lagen
durch conjunctivales Gewebe ersetzt war,
in dem eigentlichen Parenchym aber durch
ein Gewebe, das, was die feinere Textur an
belangt, in keiner Weise verschieden aussah
vom echten Scleralgewebe.
Nimmt man ein ausgeschnittenes Auge
— einer frischen Leiche entnommen — mit
seinem hinteren Abschnitte in die Hand und
beginnt auf dasselbe einen leichten, allmälig
sich steigernden Druck auszuüben, so wird
man bemerken, dass sich die Hornhaut mit
zunehmender Stärke des ausgeübten Druckes
immer mehr und mehr trübt, bis sie schliess
lich intensiv weiss geworden ist, um bei Nach
lass der Compression wieder vollständig durch
sichtig zu werden. Die gleiche Veränderung
tritt auch am lebenden Auge ein, wenn Druck
wirkung in demselben stattfindet, indem der
intraoculare Druck abnorm sich steigert, sog.
Drucktrübung der Hornhaut.
Seine Erklärung findet dieses Phänomen
in der gegenseitigen Verschiebung der Horn
hautelemente, resp. der einzelnen Meridiane.
Wird der erhöhte Binnendruck des Auges auf
medicamentösem Wege oder durch Punction
wieder auf seine Norm zurück geführt, so ver
schwindet gleichzeitig damit auch die Trü
bung wieder.
Nicht gerade selten trifft man statt einer
weissen Hornhauttrübung eine rothbraune oder
schwarze an. Eine solche Pigmentirung kann
zweierlei Ursprungs sein: entweder es hatte
gelegentlich einer vorübergehenden Vascula-
risirung der Cornea eine Gefässberstung statt
gefunden, das ausströmende Blut hat sich
zwischen die Corneallamellen ergossen, kam
nur unvollkommen zur Desorption, und die
dunkle Pigmentirung rührt nun von dem Blut
farbstoffe her, der in der Zeit seine bekannten
Metamorphosen durchmacht. Eine solche Pig
mentirung hämatogenen Ursprungs wird also
stets zwischen den beiden elastischen Häuten
der Hornhaut liegen müssen und zeigt für

gewöhnlich eine mehr flächenhafte Ausdeh
nung. Oder es ist seinerzeit eine Anlöthung
der Iris an die Hinterfläche der Hornhaut an
irgend einer Stelle eingetreten; die Verwach
sung (Synechie) löst sich später wieder,
nicht ohne dass Pigmentschollen der Regen
bogenhaut auf dem hinteren Hornhautepithel
sitzen geblieben wären. Ein solcher Zustand
wird sich dadurch charakterisiren, dass die
Hornhaut über dem Flecken glänzend und
spiegelnd erscheint und erst in der Tiefe die
Veränderung erblicken lässt.
Ab und zu wird eine Hornhauttrübung
angetroffen, als deren Grund man eine Ein
lagerung anorganischer Natur erkennt —
Bleisalze — und deren Entstehung in das
Capitel der therapeutischen Sünden gehört;
sie ist, wie gelegentlich schon erwähnt, die
Folge der Bleiwasserbehandlung zur Zeit vor
handener Epitheldefecte auf der Cornea, in
welche das Blei präcipitirt wurde.
Forschen wir nun, welche Störungen in
der Function des Auges eine Hornhauttrübung
herbeiführen wird, so muss die Antwort bei
der grossen Mannigfaltigkeit der Opacitäten
verschieden ausfallen, je nach Sitz, Umfang,
Dichtigkeit und Alter der Undurchsichtigkeit.
Peripher gelegene Trübungen von nur geringer
Grösse können lediglich als Schönheitsfehler
angesehen werden, während bei den mehr cen
tral sitzenden eine Sehstörung sicher als vorhan
den angenommen werden muss, deren Schwere
sich allerdings bei den Thieren nicht so sicher
bestimmen lässt, die aber im Allgemeinen
von der Grösse und der Dichtigkeit des
Fleckens abhängt; nicht dass mit zunehmen
der Dichtheit und Weissfärbung auch die
Functionsstörung in gleicher Weise eine hoch
gradigere werden müsse — wie das eine weit
verbreitete Ansicht zu sein scheint — soll hier
bestätigt werden, sondern gerade umgekehrt,
je dichter und gesättigter eine Trübung
ist, desto weniger wird sie ceteris paribus
das Sehen beeinträchtigen; je heller und mehr
dem feinen Nebel vergleichbar sie erscheint,
desto mehr wird zwischen dem eingestreuten
Bindegewebe und dem noch dazwischen vor
handenen normalen Hornhautparenchym eine
Diffusion des Lichtes stattfinden können
und damit das Sehvermögen sich ver
schlechtern. Dichte Maculae geben also
im Ganzen eine bessere Prognose ab als halb-
diaphane. Am ungünstigsten gestaltet sich die
Beurtheilung für jene Trübungen, welche ge
rade im Hornhautcentrum oder pericentral
sitzen und bei einiger Grösse die Pupille di
rect verdecken. Als eine nicht seltene Folge
von Hornhauttrübungen sieht man Ablenkung
des im seiner Sehfünction beeinträchtigten
Auges eintreten.
Die Diagnose der Maculae ist eine bei
zerstreutem Tageslicht oder besser unter Be
nützung der focalen Beleuchtung leicht zu
stellende; nur verabsäume man nicht, dort,
wo es sich um Auffindung sehr zarter Trü
bungen handelt, neben der seitlichen Beleuch
tung, die da ab und zu im Stiche lassen
könnte, sich der Untersuchung im durchfal

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