Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Vierter Band (Gestüt - Hufzange)
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man fort, damit sie nicht zertreten werden
oder davonlaufen oder gar die Mutter ver
anlassen, das Nest zu verlassen. Erst wenn
alle zur Welt gekommen sind, gibt man sie
der Mutter zurück. Besonders schwächliche
Kücken sucht man durch einige Tropfen Roth-
wein zu stärken. Am ersten Tag hat das
Küchlein noch kein Bedürfniss zu fressen,
weil der Darm noch mit Nahrungsdotter ge
füllt ist. Die beste Nahrung für die ersten
Tage ist selbstverständlich hartgekochtes, fein
gehacktes Ei; später Buchweizen-, besonders
Hafergrütze, Hirse, Brotkrumen etc., noch
später geht man allmälig zur Körner
fütterung über, damit sich der Kaumagen
normal und kräftig ausbildet.
Für das Geflügel ist das Schroten der
Körner nicht erforderlich, weil es mit einem
Kaumagen, der im Stande, die härtesten
Früchte zu zerkleinern, versehen ist. Die
Fütterung ausschliesslich mit Schrott würde
für das Gedeihen des Geflügels geradezu ver-
hängnissvoll werden, weil bei weichem
Futter der Kauapparat sich nicht aus-,
eventuell der entwickelte sich zu
einem muskelarmen Sack ohne ent
wickelte Reibplatten rückbildet, einem
Organ, durch welches der Magen der fleisch
fressenden Vögel charakterisirt ist. Zwei
Küchlein, die wir im Jahre 1873 bis zur
32. Woche ausschliesslich mit weichem Futter
fütterten, zeigten einen kaum erkennbaren
Kaumagen. Ein ganz ähnliches Resultat er
reichten wir im Jahre 1877 mit jungen Sper
lingen. (Untersuchungen über den zusammen
gesetzten Magen verschiedener Säugethiere.
Mit 5 Tafeln, Leipzig 1876.)
Längere Zeit mit weichem Futter er-,
nährtes Geflügel wird also die Fähigkeit
verlieren, harte Nahrung zu verdauen. Für
Geflügel, das zur Mast aufgestellt ist, also
in kurzer Zeit grosse Massen Nahrung auf
nehmen und verdauen soll, ist das Weich
futter dem Hartfutter wohl vorzuziehen, zumal
die diätetische Seite bei Thieren, die bald
zur Schlachtbank geführt werden sollen, kaum
in Betracht kommt. Das Bedürfniss zum
Trinken stellt sich ebenfalls erst am zweiten
Tage ein. Man setze einen nicht zu grossen
flachen Napf hin, der weder umgestossen wer
den kann, noch sonst Veranlassung zum Nass
werden der Kücken gibt, wogegen dieselben
in der frühesten Jugend sehr empfindlich sind.
Milch wird mit Vortheil gegeben werden, je
doch ist bei diesem Getränk noch mehr wie
sonst auf grösste Reinlichkeit der Geschirre
zu sehen. Saure Milch vermeide man vollkom
men. Grünfutter soll bei der Fütterung
der Kücken wie der Hühner stets gereicht
werden. Salat, Brennnessel, junges Gras und
Getreide, Sauerampfer, Spinat etc. und viele
andere grüne Pflanzen werden gern gefressen.
Eine Beigabe von Futterknochenmehl
ist oftmals anzurathen. Mit dem Füttern von
Weichfutter treibe man es, wie schon er
wähnt, bei Lege- und Zuchthühnern, die noch
mehrere Jahre wirthschaftlichen Zwecken
dienen sollen, nicht zu weit. Ein mittelgrosses

Huhn, welches während der legefreien Zeit
täglich in Futter ca. 8 g Protein und Fett
nöthig hat, bedarf während der Legezeit,
in welcher es wöchentlich etwa 250 bis
300 g Eier absetzt, in der täglichen Futter
ration mindestens 20 g an Protein und Fett.
Um diese Mengen zu decken, muss man
an Weizen und Gerste pro Kopf und Tag für
ca. 2'5 Pfennig reichen (bei Kleinhandel
kommt es noch theurer). Bei Verwendung
von proteinreichen Futterstoffen erreicht man
dieses Ziel billiger. Zu empfehlen sind: das
Liebig’sche Futterfleischmehl (Julius
Meissner in Leipzig) mit 73% Protein, das
Fleischzwieback von J. Kayser (Berliner
Hundekuchenfabrik) in Tempelhof bei Berlin.
Fleischfliegenmaden sind ebenfalls ein
billiges, ausgezeichnetes Futter, welches man
sich am besten und reichlichsten durch die
bekannten Wurmgruben verschafft. Neuer
dings wird das sog. Kleberbrot empfohlen.
Ueber Verabreichung von Kalk schreibt Völ
schau: „Man versäume nicht, den Hüh
nern zerschlagenen Mauerkalk oder zerdrückte
Eierschalen zu geben, was ihnen nothwendig
ist zur Bildung von Eierschalen. Es ist
richtiger, die hingeworfenen Eierschalen in
kleine Theile zu zerdrücken; wirft man die
Schalen ganz hin, so kommen die Thiere
leicht in Versuchung, auch die Eier zu ver
zehren, und ist ihnen diese Unart, die grösste,
welche Hühner haben können, nur schwer
abzugewöhnen. Hat man unter seinen Hühnern
einen solchen Eierfresser, so ist es das Beste,
ihn zu schlachten. Ist es ein werthvolles
Exemplar, dann versuche man, ausgeblasene
Eier mit Senf und Pfeffer zu füllen, und nach
dem die Oeffnungen zugeklebt sind, diese Eier
denselben vorzulegen, worüber die Eierfresser
gierig herfallen. Den nächsten Tag wird das
Experiment wiederholt.“ Noch besser dürfte
das unter „Eierfressen“ (s. Nachtrag zum
II. Band) angegebene Mittel sein.
Ueber Pflege und Fütterung der
Kücken sowie über die Arbeiten im Hühnerhof
in den verschiedenen Monaten s. Kalender
für Geflügelzucht.
Weil bei der Ernte stets eine grosse
Menge von Körnern verlorengeht, ausserdem
der Boden viel Unkrautsämereien, Insecten,
Würmer und sonstige wirbellose Thiere ent
hält, ist früher und auch neuerdings wiederum
die Feldweide und das Feldhühnerhaus
empfohlen, zumal dadurch nicht blos an
Nahrung gespart wird, sondern auch
culturschädliche Thiere und Unkräu
ter unschädlich gemacht werden. Der
bewährte französische Hühnerzüchter Giot
sagt hierüber Folgendes: „In den Feldern er
hält man die besten Eier. In der freien Luft,
und fast ohne in die Tasche zu greifen,
müssen wir unser Geflügel aufziehen und fol-
gendermassen verfahren, um es fast ohne
Kosten zu ernähren: Mit dem Beginn der
Feldarbeiten verlässt der transportable Hühner
stall den Hof, um die Hühner theils in Winter
getreide, welches von Larven und Insecten
wimmelt, theils auf den geackerten Feldern

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