Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Vierter Band (Gestüt - Hufzange)
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170—200 Eier gelegt haben sollen, ist wenig
Vertrauen zu schenken. Am Eierstock des
Huhnes bilden sich im Laufe der Entwick
lung desselben je nach Rasse und Indivi
dualität nur 300—700 Eikeime, deren Zahl,
nachdem das Huhn ausgewachsen ist, sich
nicht mehr vermehren kann; es ist deshalb
von eminentem Werth, dass das junge Huhn
gut ernährt und gepflegt wird, weil sich
sonst weniger Eikeime ausbilden und es nie
ein gutes Legehuhn wird. Nach dem vierten
Lebensjahre nimmt die Eierproduc-
tivität bedeutend ab, so dass auf die
nächsten sechs Jahre der Rest von
200 zu legenden Eiern sich vertheilt.
Die Entwicklung des Eies von der Zeit der
Ablösung des reifen Eierstockeies vom Eier
stock bis zur Legereife dauert (3 Stunden
zur Eiweissbildung, 3 Stunden zur Schalen
haut und 12—18—24 Stunden zur Kalk
schale) 18—30 Stunden, womit die Behaup
tung, dass ein Huhn mehr als ein Ei
täglich legen könne, hinfällig wird.
Die gewöhnliche Legezeit der Hühner
fällt in die Monate März bis inclusive Sep
tember. Ihren Höhepunkt erreicht sie im
Juni. Im Juli lässt das Eierlegen wieder
nach, u. zw. bis zum September, wo es mit
Eintritt der Mauser ganz ausbleibt. Tritt
die Mauser früher, etwa im August ein, so
legen die Hühner im Frühjahr dementspre
chend früher. Haben die Hühner im October
noch gelegt, so ist von ihnen bis März selten
ein Ei zu erwarten, es sei denn dass das
Legen im Sommer durch Brüten und Führen
längere Zeit unterbrochen gewesen ist. Früh
bruten entstammende Hühner legen im Herbst
und Winter. Im fiebrigen kann man kaum
von Winterlegern sprechen, wenngleich
nicht zu verkennen ist, dass die eine Rasse
zeitiger legt als die andere und innerhalb
der Rasse auch individuelle Unterschiede her
vortreten, und dass Hennen, die im Sommer
viel gebrütet haben, im Winter öfters legen.
Man hat also auch aus diesem Grunde eine
möglichste Frühreife der Hühner angestrebt,
jedoch darf dieses Streben nicht übertrieben
werden, weil es sonst kleine Eier und
schwächliche Körper zur Folge hat.
Zum Brüten sind die Eier des ersten
Jahrganges untauglich, hiezu eignen sich die
von zwei bis vier Jahre alten Hennen am
besten. „Ganz allgemein wird angenommen,
dass das frühzeitige Legen von Eiern durch
sehr warmen Stall befördert wird, und deshalb
hat man vielfältig das künstliche Erwärmen
der Hühnerställe im Winter empfohlen. Ein
Bekannter von mir hielt Hühner während des
Winters in einem Stalle, der nach der Art
der Gewächshäuser durch Röhrenheizung
künstlich erwärmt war, gleichzeitig aber
gleichalterige und gleichrassige Hühner in
einem gewöhnlichen gut verwahrten, deshalb
warmen, aber nicht geheizten Stalle. Die im
warmen Stall gehaltenen Hühner leg
ten durchaus nicht mehr Eier und
nicht frühzeitiger als die Hühner im
anderen Stalle. Comparative Versuche ähn

licher Art sind auch anderwärts gemacht
worden, u. zw. mit demselben Erfolge, und
hat man, auf die gemachten Erfahrungen ge
stützt, wie ich glaube mit Recht sich dahin
geäussert, dass die von den in künstlich er
wärmten Aufenthaltsräumen gehaltenen Hüh
nern etwas frühzeitiger gelegten wasser
reichen Eier nicht annähernd den Aufwand
an Heizungskosten vergalten. Ferner ist sehr
häufig gesagt worden, dass Hühner um der für
frühzeitiges Legen günstigen Wärme halber
Zugang zu Grossviehställen haben müssten.
Ein ordnungsliebender Landwirth wird sol
ches niemals zugeben können, selbst wenn
seine Hühner dadurch zum frühzeitigen Legen
im Winter und zum vermehrten Eierprodu-
ciren gebracht würden, denn Federvieh
gehört nicht in einen Grossviehstall.
Ganz abgesehen von den Unzuträglichkeiten,
welche der von Geflügel in Krippen und
Raufen deponirte Mist, die aus dem Gefieder
der Vögel sich gelöst habenden Federn u. s.w.
bedingen, schädigen theils Federlinge (Läuse),
noch mehr aber die so sehr blutdürstigen,
bei Nacht auf Raub ausgehenden Vogelmilben
die in einem Stalle befindlichen Säugethiere.
Nun ist man auf den Ausweg gekommen, die
Hühnerstallungen an die Aussenfläche der
Wände von Kuhställen u. dgl. anzubauen,
u. zw. zu dem Zwecke, dass die im Kuhstall
befindliche warme Luft durch vergitterte
Löcher in den Hühnerstall überströmen soll.
Solcher aus dem Grossviehstalle in den
Hühnerstall übergehende Dunst durchfeuchtet
den letzteren, dadurch wird aber mancherlei
Geflügelkrankheit verursacht und deshalb
mehr geschadet als genützt. Meinen Erfah
rungen nach, die ich durchaus nicht für in-
fallible halte, wird durch künstliches Er
wärmen eines Hühnerstalles niemals früh
zeitigeres oder vermehrtes Legen befördert.
Wohl aber muss der Gegensatz der Tem
peratur im erwärmten Stalle mit der im
Freien, also im Laufraum vorhandenen dem
Geflügel nachtheilig werden. Es soll der
Hühnerstall in Folge seiner Lage, seiner
Construction durch angebrachte schlechte
Wärmeleiter an den Wänden, Decken u.s.w.,
durch reichliche Streu (Torfmull) auf den
Fussböden im Winter möglichst warm sich
zeigen, nicht aber geheizt sein, denn anhal
tende Winterkälte, kaltes Frühjahr und zu
kalter Stall verzögert das Eierlegen.“ (Zürn.)
Die Production einer grösseren Anzahl Eier
ist keineswegs durch geheizte Stallungen zu
erreichen, denn es können sich nicht mehr
Eier bilden, als sich Eizellen in der Jugend
entwickelt haben, wohl ist denkbar, dass
diese in kürzerer Zeit, also etwa sämmt
lich in den ersten vier bis sechs Lebens
jahren ausgebildet und abgelegt würden. Das
Heizen und Warmhalten der Ställe soll zur
Ersparniss an Futter, eventuell Körperfett
und Fleisch dienen, gegen Erkältung und
verzögertes Eierlegen schützen. Mit dem
Heizen sei man aber vorsichtig, damit man
keine Treibhauspflanzen erzielt. Die Wirth
schaftshühner wird man nicht in geheizten

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