Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Vierter Band (Gestüt - Hufzange)
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Räumen unterbringen. Näheres über Stallun
gen folgt später. In der Legeperiode gibt man
auf die Eierproduction einwirkende Futter
mittel, also eiweissreiche, welche zugleich
die nöthigen Mengen Kalk zur Schalenbil
dung enthalten (kohlensauren und zum gerin
geren Theil auch phosphorsauren Kalk). Auch
während der Mauser muss man noch eiweiss
reiches-Futter geben, weil die Federn (s. d.) ein
stickstoffreiches Gebilde sind. Nach derselben
kann man an Stickstoff sparen. Im Winter
gibt man mehr wärmebildende Stoffe, Kohle
hydrate und Fette.
Hie im Herbst (August, September) geleg
ten Eier sind vielfach unbefruchtet und sollen
sich deshalb besser zur Aufbewahrung
für den Winter eignen. Wenn der Unter
schied der Haltbarkeit zwischen unbefruch
teten und befruchteten von wirklichem prak
tischen Nutzen ist, müsste man stets den
Hahn in der betreffenden Zeit, wo man Eier
zum Aufbewahren gewinnen will, absperren.
Ueber Conservirung und Nahrungswerth
der Eier s. Eier. Im August wird auch die
Ausmerzung der alten Hennen vorge
nommen, u. zw. vor Beginn der Mauser. Ueber
Eibildung, Zusammensetzung des Eies
u. s.w. s.Ei, Eier, Eierstock und Eileiter, über
Eigrösse folgende Capitel. Hie Abnorma
litäten des Eies s. Krankheiten der Eier
und Legenoth des Geflügels.
Her Eierhandel. Im Eierhandel walten
noch mancherlei Uebelstände ob, deren Be
seitigung man bereits vielfach versucht hat,
jedoch bis jetzt mit wenig Erfolg. Vor Allem
ist das übliche Verkaufen der Eier nach
Zahl zu verwerfen. Es liegt auf der Hand,
dass ein Ei von 70—80 g einen bedeutend
höheren Werth hat als ein solches von 40
bis 80 g, und dass bei dem jetzigen Ver
kaufsmodus der Eierproducent die grösseren
Eier für die eigene Haushaltung verwendet
oder befreundeten Abnehmern überlässt. Vom
Ausland, wo die Eier vorher nach Grösse
und Gewicht verkauft werden, kommen so lange
nur die kleinsten zu uns, bis wir ebenfalls
nach Grösse oder Gewicht verkaufen. Beim
Kauf von 20 Eiern ä 70 g erhält man 1400 g,
bei 20 Eiern ä 50 g erhält man 1000 g. Letztere
1000 g könnte man beinahe in 14 grossen
Eier erwerben. Zu Gunsten der 70 g schweren
Eier spricht, dass sie verhältnissmässig ge
ringeres Schalengewicht besitzen. Das Ge
wicht der Schale beträgt: 20 kleine Eier
ä 8g — 160 g, 14 grosse Eier ä 9'8 g — 133 g.
Somit haben die 20 grösseren ein Minder
gewicht von 27 g. Es würden also schon
14 grosse Eier reichlich so viel geniessbare
Eisubstanz liefern als 20 kleinere. Rechnen
wir die 20 kleinen Eier zu 80 Pfennig, so
müssten die 20 grossen 114 Pfennig kosten,
ausschliesslich des Umstandes, dass die klei
neren weniger Wasser und verhältnissmässig
einen grösseren Botter haben und deshalb
durchschnittlich etwas schmackhafter und
relativ nährkräftiger sind. Her Werth des
Eies hängt aber auch von der Art der Fütte
rung ab.

Man hat schon seit Jahren empfohlen,
die Eier nach Gewicht zu verkaufen,
wodurch man gleichzeitig beabsichtigte, die
Producenten zu bewegen, ihr Augenmerk
immer mehr auf die Gewinnung grosser
Eier zu richten. Jedoch stellen sich dieser
Methode verschiedene Schwierigkeiten in
den Weg. Her Handel nach Gewicht ist
zu umständlich und zeitraubend. Ein Kilo
gramm oder ein halbes Kilogramm Eier lässt
sich erst nach wiederholtem Umtauschen der
Eier auch nur annähernd genau abwiegen.
Noch grössere Schwierigkeiten treten beim
Kauf von 1 oder 2 Eiern ein, während gerade
bei dem Detailhandel Ungerechtigkeiten vor
kommen. Beim Einkauf von grösseren Posten
gleicht sich der Schaden und Nutzen einiger
massen aus. Zweckmässiger wie das Ver
kaufen nach Gewicht dürfte ein Sortiren
der Eier in verschiedene Grössen
sein. Nach einiger Uebung würden Augenmass
und Handwiegen genügen; es könnte aber
auch das Gewicht zur Hilfe genommen wer
den. Bei dieser Methode könnte der Eier
handel nach Stückzahl weitergehen. Zeigt ein
Kaufmann an, dass er Eier nach Stückzahl,
aber mit bestimmtem Gewicht, z. B. solche
von 40—50 g, von 50—60 g und von 60 bis
70 g, zu verschiedenen Preisen verkauft, so
wäre der Handel schon in gerechteren Bahnen.
In Frankreich ist die Methode der Sortirung
nach Grösse schon ziemlich verbreitet, u. zw.
bedient man sich eines Brettchens mit zwei
kreisrunden Löchern oder zweier gestempelter
Metallringe mit verschiedenen Durchmessern.
Diejenigen Eier, welche, mit dem spitzen
Theile vorne eingeschoben, durch die engere
Oeffnung hindurchgehen, bilden die dritte
Sorte etc. Wenn die Eier alle gleiche Form
hätten, wäre diese Massmethode ganz prak
tisch.
Die Absicht, die Zucht auf grosse
Eier übermässig zu fördern, verdient nicht
unterstützt zu werden. Dr. Zürn sagt in seiner
beachtenswerthen Schrift: „DieGründe, warum
die Lust zum Geflügelzüchten und Halten er
kaltet, und wie diesem Uebelstande vorzu
beugen ist“, hierüber Folgendes, dem wir
uns anschliessen: „Ueber die Schwere der
Eier werden überhaupt merkwürdige falsche
Ansichten zu Tage gefördert. Es gibt
kein regelrecht gebildetes Hühnerei, welches
schwerer als 87 g ist. Alle dieses Gewicht
überschreitenden Eier sind monströs, meist
doppeltdotterig. Ein erfahrener Hühnerzüchter
sieht diese aber nur sehr ungern, denn er
weiss, dass das Produciren solch abnorm
grosser Eier meist schlimme Folgen für den
Leger hat. In der Regel entstehen Eileiter
katarrhe, Eileiterentzündungen etc. Ist es
nun auch richtig, dass Hühner der verschie
denen Rassen verschieden grosse Eier legen,
z. B. unsere Landhühner Eier von 46—80 g,
Cochins und Langshans Eier von 85 bis
60 g, Italiener, Brahmas 60—68 g, Houdans
und Spanier 68—75 g, so darf man doch
nicht etwa annehmen: es legen die Spanier
im Durchschnitt Eier von 75 g Schwere

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