Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Vierter Band (Gestüt - Hufzange)
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beschlages vor dem Entstehen der deutschen
Literatur ist so gut wie nichts bekannt. Nach
den alten aufgefundenen und ausgegrabenen
Hufeisen zu Schliessen, welche wesentlich von
der in der Literatur angegebenen Form ab
weichen, bestand der Beschlag aus an den
Zehen- und Seitentheilen sehr breiten Eisen
ohne Kappe, aber mit Stollen und 6—8 Nagel
löchern mit oder ohne Nagelfurche; viele
solcher Eisen sind an den Schenkelenden ab
gerichtet. Vom XVI. Jahrhundert ab erschien
nach und nach eine reiche Zahl von Schriften
über Hufbeschlag; daraus dürste der Schluss
zu ziehen sein, dass man dein Hufbeschlags
gewerbe eine grosse Wichtigkeit beilegte.
Eine grosse Anzahl hervorragender Thierärzte
sowohl als auch Laien haben sich nicht nur
mit Vorliebe mit dem Hufbeschlag beschäf
tigt, sondern sie haben fast immer auch ihre
Ansichten und Erfahrungen in Schriften nie
dergelegt. Die Gleichartigkeit, welche im
grossen Ganzen aus den bis Mitte dieses Jahr
hunderts erschienenen Büchern über Hufbe
schlag zu ersehen ist und vielfach an den
französischen Beschlag erinnert, hat ent
schieden in der praktischen Ausführung ge
fehlt. Erst später bildete sich der deutsche
Hufbeschlag zu einem charakteristischen aus,
leider bestand das Charakteristische meist in
groben Fehlern, namentlich blieb zu beklagen
die Ungleichheit in der Form der Hufeisen
und das übermässige Beschneiden (Aus
schneiden) der Hufe. Man erging sich oft in
Kleinigkeiten und Unwesentlichem und ver
säumte darüber das Wichtige und Wesentliche,
und nirgends anderswo kam das Griff- und
Stolleisen so sehr in Mode wie in Deutschland.
Das „deutsche Hufeisen“ (Fig. 830), wie es die
Schriften über Hufbeschlag beschreiben, und
wie es bis zur Mitte dieses Jahrhunderts all
gemein gebräuchlich war, hat hauptsächlich
folgende Eigenschaften: Es ist ein angesalztes
Stollen-, bezw. Griffeisen mit acht gestem
pelten Nagellöchern, die sowohl an den Vorder
ais auch Hintereisen fast gleichmässig, jedoch
mehr in der vorderen Hälfte vertheilt waren.
Der äussere Band ist um ein Dritttheil stärker
als der innere, und die Huffläche neigt in
Folge dessen nach einwärts. Unterschiede
zwischen links und rechts treten so gut wie
gar nicht hervor, Abdachung und Zehenrich
tung fehlte in der Regel. Die Hufnägel glichen
den französischen. — Eine besondere Ab
weichung in der Form zeigt das Karsting-
sche (s. u.).
An Hufbeschlagsliteratur ist Deutschland
reicher als alle anderen Staaten, indes Anden
sich darunter sehr viele kleine und mangel
hafte Werke, in denen häufig nur das All er -
nöthigste abgehandelt ist. Während sich die
älteren Schriftsteller mehr an französische
Vorbilder anlehnen, zeigen die jüngeren un
verkennbar englischen Einfluss. Einige der
neueren und neuesten Werke bekunden Selb
ständigkeit und Originalität. In Bezug auf
anatomische, histologische und physiologische
Untersuchungen des Hufes ist in Oesterreich
und Deutschland in der neuesten Zeit viel
Koch. Encyklopädie <3. Thierheilkd. IV. Bd.

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