Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Vierter Band (Gestüt - Hufzange)
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Stoffen ist sehr schwierig, und selbst die
gereinigten Harze stellen wiederum Gemenge
mehrerer harzartiger Körper dar, von denen
einige den Charakter schwacher Säuren haben.
So enthält z. B. das Colophonium, welches
aus dem Balsam mehrerer Pichten- und
Lärchenarten, aus dem Terpentin, nach dem
Abdestilliren des Terpentinöles mittelst
Wasserdämpfen und Schmelzen des Rück
standes in Gestalt einer braungelben amorphen
Masse gewonnen wird, drei isomere Säuren
der Formel C 20 H 30 O s . Manche Harzsäuren
verbinden sich mit den Alkalien zu Salzen,
die sich in Wasser zu schäumenden Flüssig
keiten lösen; sie finden daher zur Darstellung
der Harzseifen technische Verwendung.
Die Harze sind in rohem Zustande stets
amorphe spröde Körper von muscheligem
Bruch, einige werden schon unter 100° C.
weich, ändere schmelzen erst über 30(1° C.;
sie sind unlöslich in Wasser, theilweise lös
lich in Alkohol, oft nur in Aether, Chloro
form, Schwefelkohlenstoff, Benzol, ätherischen
oder fetten Gelen. Die Harze sind nicht
flüchtig, bei höherer Temperatur werden sie
zunächst zersetzt und verbrennen mit leuch
tender, rossender Flamme. Die Harze finden
ausgebreitete und mannigfache Anwendung
in der Heilkunde als drastische Purgirmittel
(Aloö, Jalappaharz), zu Pflastern (Storax),
ferner als Balsame (Perubalsam, Copaivaharz
und Tolubalsam). Bezüglich der Gummi
harze s. d. Technisch werden die Harze zur
Bereitung von Kitten, Firnissen und Seifen
verwerthet. Loebisch.
Hasenhacke oder Courbe, auch Piephacke
genannt, ist eine fehlerhafte Form am Sprung-
elenk, u. zw. am hinteren Rande desselben,
urch eine Knochenneubildung bedingt (s. a.
Piephacke). Grassmann.
Hasenlende oder Froschlende heisst im
Exterieur des Pferdes der zu gerade gestellte
Oberschenkel, d. h. ein solcher, bei dem der
rückwärts liegende Winkel, welchen dasBecken-
und grosse Schenkelbein bilden, zu gross ist.
Bei einer solchen hasen- oder froschlendigen
Stellung vermag das Pferd mit den Hinter
füssen nicht weit genug auszuschreiten und
sein Gang ist stossend. Grassmann.
Heerdensprung oder wilden Sprung
nennt man das Verfahren, wenn man sämmt
liche männlichen Thiere, welche zur Ausübung
des Fortpflanzungsgeschäftes für eine Heerde
bestimmt wurden, in dieser entweder das
ganze Jahr über lässt —wie solches in der
Regel bei der Rindviehzucht dort geschieht,
wo sehr grosse Heerden, wie im südlichen
Russland oder auf den Puszten Ungarns, ge
halten werden, die den grössten Theil des
Jahres im Freien zubringen — oder aber erst
zur Zeit der beginnenden Paarungszeit darun
tersetzt, sie erst beim Schluss derselben wie
der entfernt, wie solches namentlich bei
Schafheerden Brauch war und theilweise noch
ist. Von einer rationellen Paarung kann bei
einem solchen Verfahren keine Rede sein,
jedes der Thiere deckt die weiblichen, wenn
solche gerade brünstig sind. Da die Brunst

aber nicht sofort mit dem fruchtbar voll
zogenen Begattungsacte aufhört, so kann es
häufig vorkommen, dass dasselbe oder ein
anderes männliches Thier das schon befruch
tete weibliche noch wiederholt deckt, also
zwecklos seine Zeugungskraft in Anspruch
nimmt. Von einem rationellen Verfahren bei
der Züchtung kann, wie schon gesagt, hier
in keiner Weise die Rede sein, da ja keine
weibliche Zuchtheerde so vollständig gleich
geeigenschaftet ist, dass für jedes Individuum
derselben dasselbe Vaterthier das zweck
mässigste für die Production der Nachzucht
wäre. Man findet den Heerdensprung daher
auch nur in Zuchtbetrieben, die noch auf einer
sehr massigen Stufe stehen (s. Paarung). Bm.
Helaietes, die dem Coryphodon nächst
verwandte gemeinsame Stammform der neu
weltlichen Nashorne und Tapire, dessen
Ueberreste im Untereocän der Tertiärschichten
Nordamerikas gefunden sind. Wilckens.
Helmete nennt man gewisse weissköpfige
(die gleichsam einen weissen Helm tragen)
Rindviehschläge in Steiermark und Kärnthen,
zu denen die Ennsthaler gehören; auch im
Lavantthale kommen weissköpfige Rinder
vor. Die Bezeichnung „Helmete“ bezieht sich
also auf jenes Farbenabzeichen, ähnlich wie
das holländische Wort Wittkoppen (s. d.). Ws.
Helohyus ist der Name für eine der
ältesten Schweineformen, die der unteren und
mittleren Eocänschichte des Tertiärs ange
hört und in den Coryphodonlagern von Neu-
Mexico gefunden worden. Wilckens.
Hengsthatz ist ein von Hengsten unter
einander geführter Kampf, wie er von den
alten Deutschen zur Belustigung veranstaltet
wurde. Grassmann.
Hennehont in Frankreich, Departement
Morbihan (Bretagne), an der Eisenbahn zwL
sehen TOrient und Vannes, ist ein Staatsheng-
stendepöt. Grassmann.
Hermelinas werden in Andalusien die
gelbweissen Isabellen mit röthlicher Mähne
und weissrothem Schweif genannt. Auf dem
Karthäuserkloster (Cartuja) unweit Cadiz
wurde in älterer Zeit die Zucht dieser Isa
bellen mit besonderer Vorliebe und grossem
Geschick betrieben. Schön gewachsene Hengste
dieser Zucht bezahlte man im vorigen Jahr
hundert noch mit 100.000 Realen (ca. 24.000
Mark), und glücklich schätzte sich der an-
dalusische Pferdezüchter, welcher auf der
Cartuja einen Deckhengst oder auch nur eine
Zuchtstute mit jener Haarfärbung erwerben
konnte. Die Weiss-und Gold-Isabellen nannte
man zum Unterschiede von den Hermelinas
gewöhnlich Perlinas; diese letzteren galten
für die besten Reitpferde Andalusiens, wo
hingegen die Hermelinas besonders als Car-
rossiers hochgeschätzt wurden. Vor den
Kutschwagen der reichen Granden durften in
damaliger Zeit nur Hermelinas erscheinen,
und Pferde mit anderen Haarfärbungen wur
den perhorrescirt. Noch in den Zwanziger
jahren dieses Säculums ging man bei der
Pferdezüchtung jenes Karthäuserklosters
so weit, dass alle dunkelgefärbten, mit einem

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