Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Fünfter Band (Hugue - Langlois)
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wirthe beauftragt oder gewählt werden, die
einen grösseren Ueberblick über die Zucht
rayons haben und umfassendere Kenntnisse
über die zu verfolgenden Zwecke von Zucht
richtungen in sich vereinigen. Bei Ein
führung der Körung in einer Gegend soll
man langsam zu Werke gehen, da durch zu
starke Abkörung leicht ein Mangel an männ
lichen Zuchtthieren eintritt; der dadurch
hervorgerufene Nachtheil würde sich grösser
als der ganze Nutzen der Einrichtung heraus
stellen. Nur gleichmässig wird mit anderen
Mitteln zur Hebung der Viehzucht selbst ohne
Schaden eine schärfere Körung stattfinden
können.
Zu den älteren und besseren Körungs
ordnungen in der Pferdezucht gehören die
im Jahre 1861 im Grossherzogthume Olden
burg und in der Provinz Ostfriesland er
lassenen Gesetze, welche im Wesentlichen
Folgendes enthalten: 1. Allgemeine Bestim
mungen in neun Paragraphen: a) es werden
Prüfungen (Körungen) vorgenommen; b)
Prämiirungen für ausgezeichnete Hengste er
theilt und c) Stammregister eingeführt. Es
wird eine Körungscommission aus drei stän
digen und sieben nichtständigen Mitgliedern
von der Regierung ernannt, zu den ersteren
gehört ein Thjerarzt, und hat diese Commis
sion Gutachten und Anträge zur Beförderung
der Pferdezucht abzugeben und an das Mini
sterium gelangen zu lassen. Der Dienst eines
Achtsmannes dauert sechs Jahre, und werden
die nichtständigen Mitglieder auf Vorschlag
der Amtsräthe der pferdezuchtreicheren Di-
stricte von der Regierung ernannt. Im Be
sonderen wird über die Körung der Hengste
in 13, über die Prämiirung in 4, über die
Stammregister in 5 Artikeln das Nöthige
ausführlich vorgeschrieben. Dann folgen die
Ausführungsbestimmungen dieses Gesetzes:
Wahl und Ernennung der Achtsmänner und
Ersatzmänner der Körungscommission, Ge-
schäfsführung derselben und Körung der
Hengste und Stuten, Prämienvertheilung, Re
vision der durch Mehrheit der Stimmen ab
gekörten Hengste, Vorschriften für die An
lage und Führung von Stammregistern. Als
tauglich zu Beschälern oder zu Zuchtstuten,
die sich um Prämien bewerben können, dür
fen nur solche Pferde zugelassen werden,
welche wenigstens drei Jahre alt sind, von
Erbfehlern frei und nach Haar, Grösse, äus
serem Bau und Gang zur Verbesserung der
Pferde der Gegend, wo sie zur Zucht ver
wendet werden sollen, geeignet sind. Ausser
dem ist auf gute Abstammung, die Eigen
schaft der Nachzucht und die Fruchtbarkeit
der zu prüfenden Pferde besonderes Gewicht
zu legen, während bei der Körung der Hengste
ein hohes Alter einen Hengst nur dann un
tauglich als Beschäler macht, wenn er
schlecht vererbt.
Die Instruction für die Hengstkörungs
commission in der Provinz Ostfriesland ent
hält in 22 Paragraphen über die Beschaffen
heit der zuzulassenden Hengste, die Mängel,
welche die Züchtung ausschliessen, Grösse

und Körperbau, Abkunft, Prämienvertheilung,
die Körungstermine, Nachkörungen, Deck
register, Cassawesen, die erforderlichen Vor
schriften und ein Verzeichniss der der Com
mission alljährlich vorgeführten Hengste
nebst Rechnungsbeilage. Mängel, welche die
Zulassung ausschliessen, sind: mangelhafte
Beschaffenheit der Geschlechtstheile, dann
schwächliche und zu kleine Hengste, zu grosse
in die Augen fallende Abzeichen, dann als
Erbfehler: Dummkoller, Dämpfigkeit, Kreuz
schwäche und Kreuzlähme, Mondblindheit,
alle Staararten, Spath, Kurve, Schale, Strahl
krebs und fehlerhafte Hufbildung.
Aus einer zusammengestellten Uebersicht
des landwirthschaftlichen Ministeriums in
Preussen über die Körungsresultate vom
Jahre 1878 ist ersichtlich, dass überhaupt ge
kört wurden in den Provinzen: Brandenburg
108, Schlesien 114, Sachsen 46 Hengste,
308 Stiere, 48 Eber, Hannover 117 Hengste.
1330 Stiere, 74 Eber, Schleswig-Holstein 309
Hengste, Westfalen 51 Hengste, 369 Stiere.
Rheinprovinz 175 Hengste, 4600 Stiere, Wies
baden 1305 Stiere, 383 Eber und Hohenzol-
lern 17 Hengste.
Der Mecklenburgische patriotische Ver
ein hat 1874 beschlossen, dass die Hengste
einer obligatorischen, die Stuten aber einer
facultativen Körung unterstellt werden.
Der landwirthschaftliche Hauptverein im
Regierungsbezirk Posen hat im Jahre 1884
bei der Regierung den Antrag gestellt, dass
die seit 1866 aufgehobenen Körordnungen für
Hengste wieder eingeführt werden sollen.
Die königlich bayrische Regierung erliess
am 26. März und 16. Juli 1881 eine Hengst
körordnung und ein Gesetz, in welchen in 6
und 21 Paragraphen über die Körung der
Hengste im Wesentlichen enthalten ist: Die
Körung findet alljährlich in den der Deckzeit
unmittelbar vorausgehenden Monaten statt.
Zur Untersuchung der Zuchttauglichkeit und
Ausstellung des Körscheines werden beson
dere Körausschüsse gebildet. Die Zahl der
selben setzen die Landräthe fest. Jeder Kör
ausschuss besteht aus fünf Mitgliedern, der
Vorsitzende und ein weiteres Mitglied wird
von der Regierung ernannt und die übrigen
drei Mitglieder nebst Stellvertretern werden
jedes Jahr von dem Districtsrathe gewählt.
Die durch Berufung der Körausschüsse er
wachsenen Kosten bestreitet die Staatscassa.
Alle übrigen Bestimmungen in Bezug auf die
Körung, die Deckzeit, die Deckplätze und
die Führung der Deckregister werden im
Verordnungswege erlassen. Jeder im Privat
besitz befindliche Hengst darf zur Be
deckung von Stuten, welche dem Hengstbe
sitzer nicht gehören, nur dann verwendet
werden, wenn er vorher durch den Köraus
schuss untersucht und durch ein Zeugniss
desselben (Körschein) als zur Zucht tauglich
anerkannt worden ist. Wer dieser Vorschrift
zuwider einen Hengst verwendet oder ver
wenden lässt, wird wegen Uebertretung mit
einer Geldstrafe bis zu 90 Mark bestraft, und

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