Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Fünfter Band (Hugue - Langlois)
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Erweiterung des k. k. Thierarznei-Institutes
in Wien Allerhöchst genehmigten Studien
plane, der sich bis zum Jahre 1849 nahezu
unverändert erhielt, unter den als Schüler
dieser Anstalt bezeichneten Kategorien als
deren sechste: „die Kurschmiede“; laut
dieses Studienplanes wurden in den auf die
Dauer von 2 Jahren berechneten Curs nur
solche Schüler aufgenommen, welche das
Schmiedehandwerk erlernt, durch einige Jahre
als Schmiede beim Militär oder Civile gedient
haben und des Lesens und Schreibens kundig
waren. In diesem Curse wurden vorgetragen:
im I. Jahrgang: „physikalisch-chemische An
fangsgründe, Anatomie und Physiologie des
Pferdes, Theorie und Praxis des Hufbeschlages,
allgemeine Pathologie und Therapie des
Pferdes, Arzneimittellehre“; im II. Jahr
gange: „specielle Pathologie und Therapie
der Pferdekrankheiten, Chirurgie, Operations
lehre und Geburtshilfe, Exterieur des Pferdes,
Gestütskunde, gerichtliche Pferdearzneikunde,
pferdeärztliche Praxis bei äusserlichen und
innerlichen Krankheiten, ferner wurden Ana
tomie und Physiologie wiederholt.
Die Schüler des Curses für Kurschmiede
erhielten nach mit günstigem Erfolge abge
legter Prüfung ein auf Pergament ausge
fertigtes Absolutorium. durch welches sie zur
freien Ausübung der Pferdepraxis berechtigt
und zum Antritte eines Hufschmiedgewerbes
befähigt erklärt wurden.
(Bis zum Jahre 1849 konnten nur gra-
duirte Aerzte und diplomirte Wundärzte das
Diplom eigentlicher Thierärzte erlangen.)
Ueber den im Jahre 1848 vorgelegten
Reorganisationsplan, in welchem der Antrag
gestellt war, ausser den Kurschmieden und
Magistern der Thierheilkunde auch Thierärzte
ausbilden und in dem Studienplane vom
Jahre 1823 einzelne Aenderungen durchführen
zu dürfen, erfolgte unter dem 16. Jänner 1849
die Entscheidung des k. k. Unterrichts
ministeriums. Nach diesem Reorganisations
plane sollten in Zukunft drei Classen thier
heilkundiger Individuen bestehen und gebildet
werden u. zw.:
a) Kurschmiede,
b) Magister der Thierheilkunde und
c) Thierärzte.
Die Classe der Thierärzte umfasste jene
thierärztlichen Persönlichkeiten, welche nach
einem dreijährigen Lehrcurse zur Ausübung
der Praxis bei allen nutzbaren Hausthieren
befähigt werden. Für die Ausnahme in den
betreffenden Curs wurde der Nachweis der
Absolvirung der 3. Normalclasse und ent
weder des erlernten Schmiedegewerbes oder
der Anwartschaft auf ein Bauerngut oder
eine Gemeindebestallung oder der Widmung
für die Landwirthschaft gefordert.
Absolvirten Kurschmieden und „Ge
meindethierärzten“ war die Erlangung des
thierärztlichen Patentes durch die Anhörung
der für den III. Jahrgang des thierärztlichen
Studiums vorgeschriebenen Vorlesungen er
möglicht.
Zu den für Kurschmiede vorgeschrie

benen Gegenständen kam noch die Botanik.
Die Dauer des Curses für Kurschmiede blieb
auf zwei Jahre beschränkt. Nach dem Jahre
1852 wurden die absolvirten Militärschüler
im k. k. Heere zu Escadrons-, bezw. Unter
schmieden befördert und hatten die Aussicht,
zu Oberschmieden, später zu Oberkurschmieden
vorzurücken (selbe waren Primapianisten).
Im Jahre 1858 wurde das thierärztliche
Personale des k. k. Heeres in Thierärzte,
Oberkurschmiede und Kurschmiede eingetheilt
und waren die ersteren Chefthierärzte.
Durch das Allerhöchste Befehlsschreiben
vom 25. Jänner 1857 erfolgte eine neue
Organisirung des thierärztlichen Dienstes
im k. k. Heere. Zur Besorgung dieses Dienstes
sollten künftighin nur solche Individuen an
gestellt werden, welche an einer der thier
ärztlichen Lehranstalten der Monarchie das
Diplom als Thierarzt erlangt haben, während
für das Geschäft des Hufbeschlages und für
die erste Hilfeleistung bei Erkrankungen der
Pferde eigene Militärhufschmiede heranzu
bilden waren.
Die weitere Ausbildung von Kur
schmieden wurde eingestellt.
Jene Kurschmiede, welche sich über eine
entsprechende Vorbildung (das absolvirte
Untergymnasium oder die Unterrealschule)
ausweisen konnten, wurden zur Frequentirung
des höheren thierärztlichen Lehrcurses und
zur Erlangung des Diplomes eines Thier
arztes zugelassen, und war für solche be
fähigte Kurschmiede die Dauer des höheren
thierärztlichen Lehrcurses auf zwei Jahre
festgesetzt.
Im Jahre 1860 wurde in Folge Aller
höchster Entschliessung vom 4. Juli 1860
ausser dem höheren thierärztlichen Curse
wieder ein zweijähriger Curs, jedoch nur für
Militärkurschmiede eingeführt, welcher
sich bloss auf das Wissenswerthe über das
Pferd, dessen Krankheiten und deren Heilung
zu beschränken hatte. Diese neucreirten
Militärkurschmiede (Kurschmiede neuen Sy
stems) wurden jedoch durch das erworbene
Absolutorium nur berechtigt, nach ihrem Aus
tritte aus der Militärdienstleistung ein Huf
schmiedgewerbe anzutreten, und wurde es
laut § 12 der Dienstvorschrift für die Militär
thierärzte und Militärkurschmiede (Normal
verordnung für das k. k. Heer, 33. Stück vom
Jahve 1870) dem k. k. Staatsministerium vor
behalten, jenen Kurschmieden neuen Systems,
welche mehrere Jahre über die Präsenzzeit
vollkommen entsprechend gedient haben, die
Concession zur Ausübung der pferdeärztlichen
Praxis ausnahmsweise zu ertheilen. Im Jahre
1871 erschien ein bis heute in Kraft beste
hendes neues Organisationsstatut (Reichsgesetz
blatt Nr. 97 vom Jahre 1871) und ein Plan
für die thierärztlichen Studien, nach welch
letzterem der Zweck des Institutes in erster
Linie in der Heranbildung von Thierärzten
für das Civil und das k. k. Heer, sowie von
Militärkurschmieden für den Bedarf des
k. k. Heeres besteht.

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