Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Fünfter Band (Hugue - Langlois)
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selben mit grossem Nutzen verwendet, und
es ist nicht zu leugnen, dass gerade aus der
Kreuzung der alten Landsauen mit englischen
Ebern viele recht werthvolle Zuchten hervor
gegangen sind. Freytag.
Landwirthschaft, auch Landbau ge
nannt, wird als das wichtigste Gewerbe
in allen cultivirten Staaten angesehen, weil
von dessen Blüthe das Wohl der Bevölkerung
vorzüglich abhängt, dieselbe den Nährstand
im Völkerleben bildet, und kaum ein Land
existirt, wo ohne sie die Fruchtbarmachung
und Ausbeutung des Erdbodens zum Unter
halte der Einwohner in gleichem Masse zu
Stande gebracht wird.
Je höher eine Nation an Bildung steigt,
desto mehr nimmt auch die Production und
Veredlung der landwirtschaftlichen Erzeug
nisse zu, weil Geschicklichkeit und vermehrtes
Wissen auf der einen und vermehrte Bedürf
nisse auf der anderen Seite das Gewerbe
heben. Mit dem vermehrten und verbesserten
Anbau des Bodens mehrt sich auch die Arbeit,
und diese Arbeitsvermehrung hat Zunahme
der Bevölkerung in gleichem Schritt zur Folge.
Ein stark bevölkertes Land ist zugleich auch
ein gut angebautes und mit jedem Schritte
zur Vollkommenheit des Landbaues wächst
das Nationalvermögen. Durch die Landwirth
schaft wird ein Volk unabhängig von Aussen
und erhält die nöthige Festigkeit im Innern,
denn es erzeugt die nothwendigsten Lebens
bedürfnisse selbst. Diese Erzeugung aber be
schäftigt die grössere Hälfte der Bevölkerung
unmittelbar und den grösseren Theil der
anderen Hälfte wieder mittelbar, theils durch
die weitere Verarbeitung landwirthschaftlicher
Erzeugnisse, theils durch den Handel mit den
gewonnenen Producten. Daher ist auch jeder
ackerbautreibende Staat der gedeihlichste,
weil er nicht solchen Consumtionen unter
worfen ist, wie der, wo Fabriken die Haupt
thätigkeit ausmachen. So wichtig aber auch
die Landwirthschaft für die ganze menschliche
Gesellschaft ist, so wurde sie doch noch bis
in die neuere Zeit nicht so vollkommen und
zweckmässig betrieben, wie sie hätte betrieben
werden sollen, um die größtmöglichste Pro
duction des Bodens und den höchsten Rein
ertrag zu erzielen. Die Ursache ist darin zu
suchen, dass man die Landwirthschaft in
früherer Zeit für zu gemein, für zu wenig
geistig und ehrenvoll hielt und dieselbe noch
zu wenig rationell betrieben wurde. Ausserdem
hatte sie noch mit zwei Hindernissen zu
kämpfen; erstens mit der Belastung des
Grundeigenthums an Frohnen, Zehnten, Trift
zwang Und anderen Servituten, und zweitens
mit der Versunkenheit des Bauernstandes, der
Unwissenheit, Nachlässigkeit undAbgestnmpft-
heit desselben. In diesen Beziehungen ist aber
seit der letzten Hälfte dieses Jahrhunderts auch
Vieles zum Besseren geschehen. Die auf dem
Grundeigenthum haftenden Lasten kamen
durch billige Entschädigung zur Ablösung.
Mit der Ablösung der Dienste und Lasten
verband man zugleich in vielen Fällen die
Zusammenlegung der Grundstücke, eine Mass

regel, die zum besseren und vortheilhafteren
Betrieb der Landwirthschaft unendlich viel
beitragen muss. Einestheils durch die Ablösung
der Dienste und Lasten, und durch die Zu
sammenlegung der Grundstücke, anderentheils
durch verbesserten Schulunterricht, Gründung
von landwirthschaftlichen Vereinen und Lese-
cirkeln ist nun auch der Bauer zu einem
vernunftgemäßeren Betrieb der Landwirth
schaft gebracht worden, so dass dieselbe jetzt
einen Aufschwung genommen hat, wie man
ihn sich noch vor wenigen Jahrzehnten nicht
träumen liess.
Die Landwirthschaft ist eine Kunst und
eine Wissenschaft. Die wissenschaftliche
Grundlage derselben umfasst die Kenntniss
aller Bedingungen des Lebens, der Vegeta-
bilien, des Ursprungs ihrer Elemente und der
Quellen ihrer Nahrung. Aus dieser Kenntniss
entwickeln sich bestimmte Regeln für die
Ausübung der Kunst, Grundsätze der Noth
wendigkeit oder Nützlichkeit aller mechani
schen Operationen des Feldbaues, welche das
Gedeihen der Gewächse vorbereiten und be
fördern und die auf sie einwirkenden schäd
lichen Einflüsse beseitigen. Keine in der Aus
übung der Kunst gemachte Erfahrung kann
in Widerspruch stehen mit den wissenschaft
lichen Principien, eben, weil diese aus allen
Beobachtungen zusammengenommen abgeleitet
und ein geistiger Ausdruck dafür sind. Die
Theorie kann keiner Erfahrung widersprechen,
weil sie nichts anderes ist, als die Zurück
führung einer Reihe von Erscheinungen auf
ihre letzten Ursachen.
Ein Feld, auf dem wir eine Anzahl von
Jahren hintereinander die nämliche Pflanze
cultiviren, wird in drei, ein anderes in sieben,
ein anderes in zwanzig, ein anderes erst in
hundert Jahren unfruchtbar für die nämliche
Pflanze. Das eine Feld trägt Weizen, keine
Erbsen, es trägt Rüben aber keinen Tabak,
ein drittes gibt reichlichere Ernte von Rüben
aber keinen Klee. Was ist der Grund, dass
der Acker nach und nach für eine und die
selbe Pflanze seine Fruchtbarkeit verliert?
Was ist der Grund, dass die eine Pflanzen
gattung darauf gedeiht, dass die andere
darauf fehlschlägt? Diese Fragen stellt
die Wissenschaft.
Welche Mittel sind nothwendig, um dem
Acker seine Fruchtbarkeit für eine und die
selbe Pflanze zu erhalten? Um ihn für zwei,
drei, für alle Culturpflanzen fruchtbar zu
machen? Diese letzteren Fragen stellt
sich die Kunst; sie sind aber nicht lösbar
durch die Kunst.
Wenn der Landwirth, ohne durch ein
richtiges Princip geleitet zu sein, sich Ver
suchen hingibt, um einen Acker für eine
Pflanze fruchtbar zu machen, die er sonst
nicht trägt, so ist die Aussicht auf Erfolg
gering. Tausende von Landwirthen stellen
ähnliche Versuche nach mannigfaltigen Rich
tungen an, deren Resultat, zuletzt eine Anzahl
von praktischen Erfahrungen umfasst, die
zusammen eine Mode der Cultur bilden, wo
durch der gesuchte Zweck für eine gewisse

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