Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Fünfter Band (Hugue - Langlois)
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Wärme und mechanischer Arbeit auch jeder
zeit ein bestimmtes Verhältniss besteht, so
kann man einfach an die Stelle eines gewissen
Quantums Wärme ein adäquates Mass mecha
nischer Arbeit setzen; dasselbe beträgt für
1 Galerie 4288 kgm, d. h. diejenige Menge
Wärme, welche nöthig ist, um 1 kg Wasser
um 1 ° C. höher zu temperiren, erzeugt eine
Arbeit, die 1kg 425'5 m hoch hebt. Wenn
also die tägliche Arbeitsleistung eines ge
wöhnlichen Arbeiters sich auf 201.600 kgm
(Rubner) beläuft, so würde deren Erzeugung
die Bildung von 473 8 Calorien oder die Ver
brennung von ungefähr 148 g Zucker erfor
dern.
Die im thierischen Organismus wirken
den Kraftformen sind: a) Massenbewe
gung; sie tritt uns als lebendige Arbeit,
Verlagerung einzelner Theile in andere Stel
lungen, Ortsveränderungen des Gesammt-
körpers entgegen und ist somit eine Er
scheinung in den materiellen Theilehen des
Organismus, die schon an den bezüglichen
Elementarbestandtheilen mikroskopisch ver
folgt werden kann, b) Eine zweite Modifica-
tion lebendiger Kraft des Thierkörpers ist
Bewegung der Atome als Wärme, bei nie
drigen Thieren durch schnellere Schwingun
gen in der Zeiteinheit auch Lichterschei
nungen. Wärmeerscheinungen sind vielfach
die Folgen von Bewegungen im Thierkörper.
Massenbewegung, wie sie im Circulations-
apparat als Strömung des Blutes, im Bewe
gungsapparat als Ortswechsel erscheint, er
zeugt jederzeit durch Reibung Wärme, und
umgekehrt, und das immer in dem äquiva
lenten Masse der Wärmeeinheit für die Ar
beitseinheit. c) Auch Elektricitätserschei
nungen treten als Aeusserungen lebendiger
Kraft im Thierkörper auf. Es scheinen solche
der thätige Muskel und Nerv, die secerni-
rende Drüse thatsächlich zu entwickeln,
dieselben vielleicht in Wärmeerscheinungen
übergehen lassend, d) Die hauptsächlichste
Quelle aller der genannten Modificationen
lebendiger Kraft bildet die Summe von Spann
kräften, welche der Organismus in den
zahlreichen chemischen Verbindungen ent
hält und täglich in sich aufnimmt, die durch
complicirte Zusammensetzung und geringe
Sättigung ihrer Affinitäten schon eine grosse
Tendenz zum Zerfall in einfachere Körper
zeigen und dadurch den Uebergang der in
ihnen enthaltenen latenten Kräfte, welche
darin die gegenseitige Fesselung der Atome
und Atomgruppen zum Moleküle bewirkten,
in lebendige Kräfte ermöglichen. Sie werden
vorzugsweise repräsentirt durch die Nah
rungsstoffe, Eiweisskörper, Kohlehydrate und
Fett, welche, in der Nahrung zugeführt, durch
den Flüssigkeitsstrom des Körpers in die
Gewebe und Organe übertreten und da von
der Zelle in entsprechender Weise bearbeitet
werden.
Kraft als Muskelkraft, d. i. die Ar
beit, welche durch den thätigen Muskel ge
leistet wird fs. u. Muskelkraft). Sussdorf.
Krainer Viehzucht, s. Rind.

Krampfader oder Aderknoten ist im
Allgemeinen gleichbedeutend mit Venenerwei
terung, Hämorrhoiden (s. d.), im Besonderen
werden aber als Krampfadern knotige Erwei
terungen solcher Venen genannt, welche in
der Nähe von Knochen verlaufen, wie längs
der Extremitäten. Unter Krampfaderbruch
versteht man Erweiterungen der Venen des
Samenstranges. Koch.
Kratzen, eine willkürliche oder reflecto-
risch ausgeführte Abwehrbewegung, welche
auf die Körperoberfläche wirkende sensible
Reize entfernen oder hinterbleibendes Juck-
gefühl beseitigen soll. Die Bewegung wird
von allen unseren Thieren ausgeführt, von
den einen in dieser, von den anderen in jener
Weise. Am elegantesten bewerkstelligen sie
noch die Rinder und die Fleischfresser, erstere
zuweilen mit einer Leichtigkeit, die man
sonst deren Körper nicht ansieht oder aus
deren Bewegungen nicht vermuthen würde. Sf.
Kreislauf des Blutes und derLymphe
(Parenchymflüssigkeit). Behufs Erfüllung seiner
Aufgabe, Vermittler des ganzen Stoffverkehrs
zwischen den Organen zu sein und so den
selben das zu ihrer Erhaltung und Thätigkeit
nöthigeNahrungsmaterial zu-und die Schlacken
der Gewebe hinwegzuführen, befindet sich das
Blut in ständiger Bewegung innerhalb eines ge
schlossenen, weitverzweigten und in sich selbst
zurückkehrenden Röhrensystems. In demselben
wird ein jedes Bluttheilchen in häufiger
Wiederholung von dem Herzen hinweg durch
die grossen Arterien zur Peripherie, den
Capillargebieten, geführt, um von hier aus
durch die Venen wieder zum Herzen zu ge
langen und damit unter Vermittlung des
Lungengefässsystems zu dem Ausgangspunkte
zurückzukehren. Es durchläuft somit eine
Kreisbahn, in welcher es abwechselnd das
Capillarsystem des Körpers und dann der
Lunge passiren muss (William Harvey 1628).
Das eine ergänzt das andere zum geschlossenen
Kreise, dessen Ausgangs- und Endpunkt das
Herz darstellt. Mit dem zurückströmenden
Blute Hiesst in der Nähe des Herzens die
Lymphe zusammen, welche, als Ernährungs
flüssigkeit von dem Blute in den Capillaren
abgegeben, die Organe und Gewebe passirt
hat, um dabei die eigentlichen Nährstoffe an
dieselben zu übermitteln und sich anderseits
mit deren Schlacken zu beladen. Damit
wird das Lymphgefässsystem zu einem An
hängsel des Blutgefässsystemes und das
Strömen der Lymphe geräth so in directe Ab
hängigkeit von dem Blutstrome.
A. Der Blutkreislauf. Verfolgt man
irgend ein Bluttheilchen auf seiner Bahn
durch den Körper, so gelangt dasselbe
a) von dem linken Herzventrikel aus
mittelst der Aorta und ihrer Verzweigungen
in irgend einen Theil des Körpers, passirt
dessen Capillarnetz und wird, von der weg
führenden Vene aufgenommen, mittelst einer
der Hohlvenen zur rechten Vorkammer hin
getragen — sog. grosser Kreislauf —,
b) diese übermittelt es der rechten Vor-
und Herzkammer und von hier der Lungen-

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