Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Fünfter Band (Hugue - Langlois)
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Abstand der in beiden Schenkeln unter Wirkung
des Blutdruckes verschiedenen Niveaux die
Grösse des Blutdruckes in Millimetern Queck
silbers zu bestimmen, und Ludwig wandelte
dieses Haematodynamometer in ein
Kymographion, einen Wellenzeichner um,
indem er auf die Hg-Säule des freien Schenkels
der U-Röhre mittelst eines Schwimmers einen
dünnen Eisenstab setzte, welcher an seinem
aus der Röhre hervorragenden Ende einen
horizontalgestellten Schreibgriffel trägt, der
seine Notizen auf einen in gleichmässiger
Geschwindigkeit daran vorbeigeführten be-
russten Papierstreifen auszeichnet. Auch das
Federkymographion von Fick, das die pul-
satorischen Druckschwankungen mittelst einer
Luftleitung auf eine elastische einen Schreib
hebel in Bewegung versetzende Hohlröhre
(Hohlfeder-Kymographion) oder Platte (Flach-
feder-Kymographion) überträgt, zeichnet als
dann Curven, die im Wesentlichen mit dem
oben geschilderten Sphygmogramme überein
stimmen.
- Die damit erzielten Masse für den Druck
des Blutes in den a) Arterien variiren
selbstverständlich für die verschiedenen Thier
species, schwanken aber auch innerhalb der
gleichen Species nicht unbedeutend, ganz ab
gesehen von dem pulsatorischen Zuwachs, den
der Druck fort und fort (cf. oben) durch die
Herzsystole erfährt. Man darf ihn für die
grösseren Säugethiere im Mittel auf etwa
140—160 mm Hg (Pferd 100—300 mm, Rind
120 mm und mehr, Schaf und Kalb 170 mm,
Ziege 120—140 mm, Hund 130—190 mm,
Kaninchen 90 mm, Huhn 88—171 mm je in
der Carotis, ca. 28 mm in der Aorta des
Frosches und 38—84 mm Hg in der Kiemen
arterie des Hechtes) veranschlagen. Für die
Aorta der Warmblüter wird er auf 200 bis
250 mm Hg geschätzt. Im Allgemeinen wird
so der Blutdruck ein Mass darstellen für die
Summe der Widerstände, welche der Ström
auf seinem Wege noch zu überwinden hat.
Zunahme in der Höhe des Blutdruckes be
dingen bei dem gleichen Individuum alle
Momente, welche zu grösserer Füllung des
Arteriensystems führen (verstärkte und be
schleunigte Herzaction, Vollblütigkeit, directe
Blutinjection oder reichliche Nahrungs- und
Getränkaufnahme). Die gegentheiligen Ver
hältnisse drücken ihn herab, so auch Blut
entziehungen. Während allerdings Worm-
Müller nach kleinen Blutverlusten bei Hunden
eher Blutdruckzunahme und Besser erst nach
Blutverlusten von % der Gesammtblutmenge
— ]/ 33 des Körpergewichts Druckminderung
eintreten sah, beobachtete Colin, welcher bei
Pferden in kurzer Aufeinanderfolge geringe
und damit in tot» sehr beträchtliche Blut
entziehungen (das eine Mal 28 kg, das andere
Mal 22 kg) vornahm, die Höhe der Blutsäule
in dem Hales’schen Haemodynamometer all-
mälig von 2'27 m resp. 2'02 m auf 0'42 m
resp. 0 44 m zurückgehen. Verengerung des
Gefässkalibers durch Contraction der Gefäss-
muskulatur lässt weiterhin den Blutdruck an
steigen, Dilatation der Gefässe dagegen be

deutend herabsinken, so dass bei ausgedehnter
Gefässerschlaffung der Spannungsunterschied
nicht mehr genügt, um das Blut im Laufen
zu erhalten. Auch die Athmungsvorgänge be
einflussen den Blutdruck, jederzeit kann man
mit der Inspiration Blutdruckzu-, mit der
Exspiration Blutdruckabnahme einhergehen
sehen, das liegt aber nicht blos an der ex-
spiratorischen Vermehrung und inspiratorischen
Verminderung des intrathorakalen Druckes,
sondern hat seinen Grund theilweise auch in
einer eigenartigen Einwirkung der Athembe
wegungen auf das Vasomotorencentrum, in
sofern als die Inspiration zu einer Erregung
der vasoconstrictorischen, die Exspiration zu
einer solchen der vasodilatatorischen Centren
Veranlassung gibt (s. u.). Bis zu den kleineren
Aesten des Arteriensystemes ist nun die Blut
druckabnahme keine sehr wesentliche (etwa um
%), sie erfolgt dagegen rapid mit dem Ueber-
tritt des Blutes in das ß) Capillarsystem,
so dass schon weit geringere Belastung ge
nügt, um die Capillaren zu comprimiren.
v. Kries erzielte dies durch Druck auf ein
Glasplättchen, das er auf die zu untersuchenden
Theile auslegt. Er bedurfte zur Erzielung des
Abblassens derselben einer Belastung von
24 mm Hg für die Capillaren des Fingers
bei erhobener, von 62 mm Hg für diejenigen
bei gesenkter Hand, von 20 mm Hg am Ohre.
Die Höhe des capillaren Blutdruckes dürfte
danach auf %—Vis des Arterienblutdruckes
anzusetzen sein, nach Dubois-Reymond soll
er sogar in der Mitte der Capillarbahnen noch
die Hälfte des Druckes in den grossen Arterien
betragen. Naturgemäss ist auch er kein con-
stanter, Erweiterung der zuführenden Arterien,
Verengerung der abführenden Vene etc. lassen
ihn ansteigen. Die grossen Widerstände,
welche der Blutdruck aber in den Capillaren
findet, lassen ihn sehr bedeutend sich ver
mindern, so dass er y) in den Venen an
sängen nur etwa ‘/ 20 —y is desjenigen in
den Arterien beträgt, um schliesslich bis zum
Herzen hin auf immer geringere Werthe zu
rückzugehen und sogar negative Werthe zu
erreichen. So beträgt er in der Ven. crural,
noch 11 mm, in der V. brachial, des Schafes
noch 9 mm, ich fand ihn in der Jugularis des
Pferdes zwischen 4 —12 mm schwankend.
Schliesslich mag die Herzthätigkeit während
der Diastole einen Saugdruck auf die Venen
ausüben, so dass derselbe namentlich während
der Inspiration Luft in die geöffnete, dem
Herzen naheliegende Ader eintreten lässt.
8) Diese Aspiration des Herzens gegenüber
dem Blute ist die Folge der bei der dia
stolischen Rückkehr der elastischen Herz
muskulatur in ihre Ruhelage auftretenden
Kammererweiterung, welche dort den Druck
auf unteratmosphärische Grössen (—7 bis
—23 8 mm Hg für den linken Ventrikel,
—0'5bis—l'S mmHg für den rechten Ventrikel)
herabdrückt. Dem gegenüber wächst der Druck
mit der nachfolgenden Herzcontraction na
mentlich in den Ventrikeln ganz ungeheuer,
er muss es auch, behufs Ueberwindung des
von der Arterienblutsäule ausgeübten Wider-

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