Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Fünfter Band (Hugue - Langlois)
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übrigens mancherlei Schwankungen unter
worfen. Zunahme der Widerstände in dem
zugehörigen Capillargebiete lässt sie, gleich
bleibende Energie der Herzthätigkeit voraus
gesetzt, sinken, während der Blutdruck steigt;
Abnahme der Hindernisse mindert den Blut
druck und hebt die Geschwindigkeit. Erlangt
dagegen die Herzthätigkeit grössere Energie,
ohne dass sich die Widerstände vermehren,
so wachsen Blutdruck und Geschwindigkeit
gerade so, wie sie entgegengesetzten Falles
sinken werden. Es geht daraus hervor, dass
Blutdruck und Stromgeschwindigkeit nicht in
directer Abhängigkeit von einander sich be
finden, so kann der Gesammtblutdruck recht
wohl steigen, ohne dass der Blutstrom be
schleunigt wird; hiefür ist vielmehr nur die
Grösse der Druckdifferenz bedeutungsvoll; je
grösser dieselbe, um so schneller wird das
Blutströmen. Auch jeder Herzpuls accelerirt
in den Arterien wenigstens den Blutstrom,
nach Yierordt soll der pulsatorische Geschwin
digkeitszuwachs */ 4 —y s der Geschwindigkeit
in der pulslosen Zeit betragen. Endlich ist
die Athmung eine Bedingung der Strom
geschwindigkeitsschwankungen, insoferne als
die Inspiration den Blutzufluss zum Herzen
beschleunigt, die Exspiration ihn etwas re-
tardirt.
Von den mannigfachen Apparaten, die
der Messung der Blutgeschwindigkeit
dienen, wie Volkmann’s Hämodromometer,
Vierordt’s Hämotachometer, Chauveau-Lortet’s
Dromograph, Ludwig’s Stromuhr, sei hier
nur der letzteren gedacht. Die genannte Vor
richtung ermittelt die Blutmenge, welche in
gegebener Zelt durch die Adern läuft. Das
bewerkstelligt sie durch Füllung zunächst
einer ihrem Inhalte nach genau bekannten
Kugel, welche in die Gefässbahn eingefügt
wird. Capacität der Kugel dividirt durch die
Zahl der Zeiteinheiten, welche über der Fül
lung der Kugel verstrichen sind, gibt dann
die Ausflussmenge in I", diese dividirt durch
den Querschnitt des fraglichen Blutgefässes
die Stromgeschwindigkeit. Um den Versuch
wiederholt anstellen zu können, sind in den
Apparat zwei genau gleich grosse Kugeln
an ihrem oberen Ende mit einander in Com-
munication gebracht, die, durch passende An
satzröhren in die Gefässbahn eingeschaltet, in
Folge ihrer Drehbarkeit um eine gemeinsame
Axe abwechselnd, die eine nach der anderen
über das Einflussrohr und das Ausflussrohr
geführt werden können; während alsdann die
leere oder besser, um das Eindringen von
Luft in die Blutbahn zu verhindern, mit Gel
gefüllte Kugel aus dem Einflussrohr Blut
empfängt und so ihr Oel in die damit com-
municirende zweite Kugel abgibt, kann sie,
wenn ganz gefüllt, über das Ausflussrohr
geführt, ihren Inhalt (Blut) an dieses und
somit an den entgegengesetzten Gefässabschnitt
entleeren, da sich die vordere mit Oel gefüllte
Kugel, welche jetzt über das Zuflussrohr ge
dreht ist, in Folge des Eindringens von Blut
aus diesem wieder gegen jene erstere hin
evacuirt.

d) Die Kenntniss der Stromgeschwindig-
keit würde die Möglichkeit mit sich bringen,
die mittlere Kreislaufszeit, d. h. die
Zeit zu berechnen, welche das Blut braucht,
um einmal die ganze Bahn zu durchströmen,
wenn ausserdem noch die Länge der ganzen
Kreisbahn bekannt wäre. Mit Rücksicht auf
die Unausführbarkeit der letzteren Messung
haben Ed. Hering und dann auch C. Vierordt
diese Zeit in der Weise festzustellen gesucht,
dass sie prüften, wann eine Lösung von Ka-
liumeiseneyanür, die sie in die eine Jugularvene
einspritzten, in der anderseitigen durch Eisen
chloridzusatz nachweisbar würde. Hering er
hielt bei gesunden Pferden für die kürzeste
Kreislaufsdauer die Zeit von 3P8", Vierordt
für den Hund 16 7", das Kaninchen 7'46",
die Ziege 14T4", für das Huhn ST7" etc.
Merkwürdigerweise wird, trotzdem das Ferro-
cyankalium so verschieden lange Bahnen ein
schlagen kann, die Uebertragungszeit für die
längere Bahn nicht viel grösser gefunden, als
für die kürzere. Nichtsdestoweniger müssen
Verschiedenheiten vorliegen, wenn man sich
überlegt, dass das Reagens einmal, z. B. nächst
dem rechten Herz und dem Lungencapillar-
gebiet nur noch den Herzmuskel passirt, um
durch die Kranzvenen zum Ausgangspunkt
zurückzukehren, und das anderemal den Weg
durch die hintere Aorta zu dem Capillargebiete
der Zehenenden einschlägt. An der Hand einer
grossen Zahl von Versuchen bei verschiedenen
Thieren nimmt Vierordt an, dass das die mitt
lere Kreislaufszeit mit der über 27 Herzcon-
tractionen verstreichenden Dauer übereinstimmt
und dass somit die gesammte Blutmasse durch
je 27 Systolen einmal im Körper herum
geführt wird.
Uebersicht man nach Abhandlung der
Einzelerscheinungen der Blutströmung die
Art und Weise derselben in den einzelnen
Abschnitten des Blutgefässsystems, so
ergibt sich, dass sich das Blut in den Arterien
continuirlich, aber unter stossweiser (pulsatori-
scher) Druck- und Geschwindigkeitszunahme
schnell und in gewisser höherer Spannung
befindlich fortbewegt. In den Capillaren
dagegen wird der Blutlaus gleichmässig, der
Druck ist auf %—‘/ 8 des Aortendruckes, die
Geschwindigkeit auf *•/—V, 0 a jener herab
gegangen. Sind die capillären Bahnen weit ge
nug, um mehrere Zellenreihen neben einander
aufzunehmen, so Liessen die rothen Blutkör
perchen im centralen oder Axentheil, die
weissen bewegen sich ausserordentlich langsam
rollend, zuweilen auch ruckweis voranschrei
tend, im Randstrome (dem sogenannten Poi-
seuille’schen Raum) fort. Einzelne von ihnen
verlassen dabei die Blutbahn, vermöge ihrer
Contractilität die Capillarwandung durch
brechend. In den Venen endlich ist die Blut
bewegung ebenfalls eine durchaus gleichmässige
und continuirliche, die Geschwindigkeit der
selben nimmt centripetal fortschreitend all-
mälig zu, der Druck mehr und mehr ab;
jene erreicht etwa die halbe bis dreiviertel
Höhe gegenüber den correspondirenden Ar
terien, dieser geht fast bis auf 0 oder gar

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