Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Fünfter Band (Hugue - Langlois)
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negative Grössen herab, in Folge dessen
die Venaesection zuweilen von Lufteintritt in
die Blutbahn gefolgt ist. Ausser der die Blut
strömung in centripetaler Richtung unterhal
tenden Spannungsdifferenz, der vis a tergo,
also der in den Quellgebieten des Venen-
systems grösseren Druckkraft, sind es noch
eine Anzahl von Vorrichtungen und Bedin
gungen, welche das Blut trotz geringeren
Druckes herzwärts laufen, selbst dem Gesetze
der Schwere entgegen, in einzelnen Körper
theilen aufsteigen lassen. Hieher gehören vor
allem die Klappen, welche in ähnlicher Weise
wie die Taschenventile des Herzens sich dem
etwa zurückstauenden Blute entgegenstellen,
sowie die Muskulatur der Gefässwand, die
vorwiegend als Längsmuskulatur die Abstände
der Klappen durch ihre Contraction geringer
werden lässt und damit activ an der Vor
wärtsverschiebung der Blutsäule Antheil nimmt.
Zu ihnen zählt ferner der von aussen auf die
Venen einwirkende Druck besonders der sich
contrahirenden Muskeln der Extremitäten:
dank der Klappenaction vermag gerade er das
in der comprimirten Venenpartie befindliche
Blut centrumwärts weiterzubringen, er beschleu
nigt darin den Blutstrom, so dass das Blut
aus der geöffneten Vene während der Muskel
bewegung stärker hervordringt als inderMuskel-
ruhe. Einen ganz besonders nachhaltigen Ein
fluss übt endlich nicht nur auf den Blutlaus
in den Venen, sondern auch auf die ge
summte Herzthätigkeit, Pulswelle u. s. w. die
Aspiration, die einsaugende Kraft des
Thorax während der Athmung aus. Bei der
Inspiration lässt bekanntlich die Contraction
einer Anzahl von Inspirationsmuskeln den
Brustkorb sich erweitern, die Bauchhöhle sich
verkleinern. Diese Erweiterung des Thorax
beantworten in erster Linie die so ausser
ordentlich dehnbaren Lungen (es resultirt
daraus die Inspiration), und wegen des gleich
zeitig auf sie wirkenden „elastischen Zuges“
der sich expandirenden Lunge in wo möglich
noch höherem Masse auch die übrigen in den
Brustkorb eingefügten nachgiebigen Hohl
organe (Donders); sie erfahren dadurch eine
Volumensvermehrung, die sich als aspiratori-
scher Zug ihrem Inhalt gegenüber äussert.
Durch die Erschlaffung der inspiratorisch wirk
samen Kräfte dagegen und die dadurch mög
liche Rückkehr der Brustwandungen in ihre
Ruhelage findet eine Verminderung des Brust
raumes statt. Die Lunge wird so in den Stand
gesetzt, sich zusammenzuziehen, sie vermindert
in Folge dessen zwar ihren elastischen Zug
auf die mit ihr in der Brusthöhle eingeschlos
senen Organe, aber nichtsdestoweniger bleibt
der Druck im Cavum pleurae doch noch ne
gativ. Der Brustkorb wirkt also auch während
der Exspiration aspiratorisch auf Blut und
Lymphe in den nächstgelegenen Bahnen. Das
bewirkt schon bei ruhigster Athmung einen in
der Inspiration in höherem, während der Ex
spiration in minderem Grade, aber somit dau
ernd beschleunigten Zufluss von Blut und
Lymphe durch die Hohlvenen und den Milch
brustgang, das befördert auch eine ergiebige

Erweiterung der Räume des erschlaffenden
Herzens, während dieser Saugdruck gegenüber
den resistenteren Arterien den gleichen Effect
nicht haben und deshalb auch den Blutabfluss
aus diesen nicht stören kann. Das bedingt
weiterhin im Anschluss an die in der Inspi
ration eintretende stärkere Blutfüllung des
Herzens und damit auch jedesmal stärkere
Füllung der das Blut empfangenden Arterien,
sowie an die während der Inspiration in Folge
nervöser Einflüsse schnellere Schlagfolge (Ein-
brodt, Hering) ein Ansteigen des Blut
druckes während der Inspiration und
einen Abfall während der Exspiration
(„respiratorische Druckschwankun-
gen“). Endlich steht auch die Blutströmung
in den Lungen mit unter der Herrschaft
des aspiratorischen Zuges des Thorax. Zu
nahme des Lungenvolumens veranlasst bei
gleichbleibendem intrapulmonalem Druck Er
weiterung der Lungengefässe und gleichzeitig
wegen grösserer Negativität des intrathora-
calen Druckes grössere Druckabnahme in den
dünnerwandigenLungenvenen, als in den dicker-
wandigen Lungenarterien. Das veranlasst eine
grössere Blutgeschwindigkeit von der Lungen
arterie gegen die Lungenvene hin, deren Mass
mit der Abnahme des intrapleuralen Druckes
wachsen wird; je tiefer also die Inspiration,
desto mehr wird der Blutstrom in den Lun
gen gefässen beschleunigt.
Die Bewegung der Lymphe unter
liegt im wesentlichen den gleichen Gesetzen
und bietet deshalb auch ganz ähnliche Er
scheinungen wie die Bewegung des Blutes
insbesondere in den Venen. Während bei den
niederen Vertebraten (Amphibien und Rep
tilien) durch locale Einwebung quergestreifter
Muskulatur in die Gefässwand gewisse Ab
schnitte der Lymphbahnen Contractilität er
langen, sog. Lymphherzen also den Lymph-
strom treiben, so sind bei den Säugern als
Triebkräfte ähnliche Momente heranzuziehen,
wie sie auch das venöse Blut im Laufe er
halten. Eine in den Wurzeln des Lymphge-
fässsystems grössere Druckkraft lässt die
Lymphe beständig gegen die dem Herzen
naheliegenden Mündungen desselben in die
Venen abfliessen, da hierselbst der dem Venen
inhalte zukommende Minderdruck herrscht.
Diese vis a tergo, wie sie im Wurzelgebiete
der Lymphgefässe wirkt, ist nun nichts
Anderes als der in der Mitte des Capillar-
systems waltende Blutdruck, welcher nach
obigem etwa die halbe Grösse des Aorten
druckes ausmacht. Unter seiner Wirkung
filtrirt die Lymphe aus den Capillaren ununter
brochen in die Gewebsmaschen, das in diesem
Augenblicke herausgetretene Flüssigkeitsquan
tum wird im folgenden Momente von dem
neuhinzukommenden Transsudate weiterge
trieben. So pflanzt sich der im Capillarsysteme
herrschende Druck, nur vermindert um den
der Flüssigkeit bei ihrer Filtration durch die
Capillarwandungen und die Gewebsspannung
entgegengesetzten Widerstand auch auf die
Lymphbahnen fort, um gegen die Mündungen
der Lymphgefässe in die Venen allerdings

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