Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Fünfter Band (Hugue - Langlois)
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mehr und mehr aufgezehrt zu werden. Die
grossen Hindernisse, welche sich dem Fliessen
der Lymphe vorzugsweise in den Lymphdrüsen
entgegenstellen, consumiren diese Druckkraft
in hohem Grade, so dass sie in dem Hals
lymphstamm des Hundes nur etwa noch
8—10 mm und des Pferdes 10—20 mm einer
concentrirten Sodalösung beträgt. Die Ge
schwindigkeit des Lymphstroms wurde von
Weiss für das letztangedeutete Gefäss und
Thier auf 4 mm in der Secunde bemessen.
Die Abhängigkeit aber der Geschwindigkeit
von der Grösse des Blutdruckes macht es,
dass, wie Ludwig zeigte, die Zunahme des
selben durch Compression der zugehörigen
Venen den Lymphabfluss beschleunigt, Ab
nahme aber ihn verlangsamt. Als coadjutorische
Kräfte kommen der Lymphströmung daneben
noch alle jene Umstände zu statten, welche
auch der Blutströmung in den Venen so
förderlich sind, vor allem Muskelaction und
Athmungsbewegungen des Thorax (s. o.). Die
mit letzteren Hand in Hand gehende Aspira
tion lässt den Lymphdruck im Ductus thora-
cicus bis auf 12 mm Quecksilber ansteigen,
aber bei tiefer Respiration selbst auf und
unter 0 sinken. Dieselben fördern weiterhin
den Lymphabfluss aus den serösen Höhlen;
indem sich die oberflächlichen .subserösen
Lymphgefässe der Intercostalmuskeln und bei
der Zwerchfellsflächen während der Ruhe
dehnen und mit Lymphe anfüllen, werden sie
während der Bewegung der Muskeln compri-
mirt und so dank ihren Klappen zur centripe-
talen Weiterverschiebung ihres Inhaltes ver
anlasst; gleichzeitig erweitern sich in diesem
Stadium aber die tieferen intramuskulären
und intratendinösen Lymphgefässe, saugen die
dort befindliche Lymphe auf und geben sie
infolge ihrer Communicationen mit den ober
flächlichen Lymphgefäßen — und das Gleiche
trifft für die übrigen Skeletmuskeln zu —
bei der die Erschlaffung und Ruhe begleitenden
Verengerung ihres Kalibers an die superfi-
ciellen Bahnen ab, so dass die Lymphe aus be
wegten Theilen immer schneller abfliesst als
aus ruhenden.
D. Das Nervensystem in seinem
Einfluss auf den Blutkreislauf, a) Das
ausgeschnittene Herz des Kaltblüters ar
beitet, vor Eintrocknung geschützt, noch
mehrere Stunden, selbst Tage, das des Warm
blüters nur kurze Zeit hindurch in dem
alten Rhythmus fort; dann tritt Schwä
chung der Ventrikelthätigkeit, später der
Vorhofscontractionen und schliesslich Still
stand ein. Das Herz kann danach als ein
automatisches Organ betrachtet werden,
das unabhängig vom Centralnervensystem
functioniren kann. Es muss also den Grund
seiner Thätigkeit in sich selbst finden, es
müssen Vorrichtungen in ihm existiren,
welche die Anregung für dieselbe abgeben. Die
Anatomie lehrt nun das Vorhandensein von
Ganglienzellengruppen in dem Myokard; beim
Frosche findet sich in dem Hohlvenensinus
der sog. Remak’sche Haufen, welcher durch
Nervenfasern mit dem an der Atrioventricu-

largrenze gelegenen Bidder’schen Haufen in
leitender Verbindung steht, von letzterem
treten die Nervenfasern in Kammer- und
Scheidewandmuskulatur. Für Säuger kennt man
Ganglien in der Umgebung der Fossa ovalis
des Vorhofseptum und ausserdem solche, die
die Atrioventriculargrenze umsäumen; zwei
grössere Ganglien wurden insbesondere nahe
der Einmündung der Vena cava superior
nachgewiesen; sie tauschen Fasern unter ein
ander aus, senden aber auch feine zuweilen
selbst wieder Ganglienzellen tragende Fäden
an die Muskulatur von Vorhöfen und Kam
mern. Die Herznerven treten vermuthlich mit
den Muskelfasern in Verbindung und sind so
centrifugal leitende, motorische Fasern; andere
scheinen unter dem Endokard (in den Pur-
kinje’schen Fasern?) beginnend, als sensible
centripetal zu den Herzganglien oder ohne
deren Einschaltung direct zum Gehirn zu
leiten. Mit den Herzganglien vereinigen
sich vorzugsweise die sympathischen Nerven
fasern, von den Vagusfasern ist dies vor
erst noch nicht bestimmt erwiesen. Der Ver
such lehrt nun, dass eines von den ange
führten Centren als das dominirende
— man hat Grund, bei den Säugern als
Hauptcentrum den oder die in den Atrien ge
legenen Nervenknoten anzusehen — durch
seine Verbindungen mit den übrigen Zellen
gruppen diese in ganz bestimmter
Reihenfolge zur Thätigkeit anregt
und so den Rhythmus der Bewegungen
herbeiführt. Beim Hunde scheint dieses Coor-
dinationscentrum im oberen Drittel des Sep
tum ventriculorum zu liegen, Verletzung einer
bestimmten Stelle desselben lässt das Herz
stillstehen. Für das Froschherz belehrt uns
der Stannius’sche Versuch über die Bedeutung
der einzelnen Centren; danach arbeitet in Folge
einer zwischen Hohlvenensinus und Atrium
angelegten Ligatur oder ausgeführten Abtren
nung der Hohlvenensinus allein wohl noch
fort, das abgetrennte eigentliche Herz aberruht.
Entzieht man jedoch nachfolgend den Ven
trikel dem Einfluss der Vorkammerganglien
durch Abtrennung in der Kranzfurche, so
fängt jener wieder an zu pulsiren, wie schliess
lich bei entsprechender Lage dieses Schnittes
auch die Atrien für sich zu arbeiten ver
mögen. Heidenhain schliesst daraus, dass der
Remak’sche Haufen in dem Hohlvenensinus
der dominirende ist; nach Ausschaltung seines
Einflusses und gleichzeitig mit der Verletzung
Hand in Hand gehender Vagusreizung steht
der abgetrennte Herzabschnitt still, um erst
dann wieder in Thätigkeit zu treten, wenn
durch den zweiten Schnitt in der Kranzfurche
auch der Einfluss des die Herzthätigkeit hem
menden Vagus vernichtet ist. Debrigens pul
siren auch ganglienlose Herztheile auf ge
gebene Anregung in Folge directer Erreg
barkeit der Herzmuskulatur, und es
scheint sich dabei der Reiz ohne Mitwirkung
des Nervensystems auch von Muskelzelle zu
Zelle fortpflanzen zu können. Diese Weiter
leitung erfolgt sehr langsam, in der Se
cunde legt sie einen Weg von nur 10—30 mm

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