Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Fünfter Band (Hugue - Langlois)
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Die gewöhnlichste Ursache ist das Ein
treten eines mehr weniger scharfen Huf
eisenstollens am Kronenwulst, wodurch der
Zusammenhang der getroffenen Weichtheile
getrennt oder diese gequetscht werden, oder
beides zugleich erfolgt.
Vor Allem ist es die Haut und das Unter
hautzellgewebe, in zweiter Reihe je nach der
Oertlichkeit der stattgehabten Einwirkung
sind es die Anheftungspunkte der Sehnen
oder die Bänder, der Hufknorpel und der
zellige Theil der Ballen, welche betroffen
wurden, in letzter Reihe ist es die Hufgelenks;
oder Kronengelenkskapsel, welche eröffnet,
oder die in der Hqrnkapsel eingeschlossenen
Knochen, welche verletzt werden können.
Fast immer ist mehr weniger das Saum
band des Hornschuhes oder dieser selbst in
der Nähe des Saumbandes getrennt.
Auch Blutgefässe können verletzt werden,
wodurch mitunter recht erhebliche Blutungen
stattfinden, ebenso Nervenäste.
Je nach dem Grade und der Oertlichkeit
der stattgefundenen mechanischen Einwirkung
tritt der Zustand sehr verschieden in die Er
scheinung.
Das auffälligste Merkmal ist die Störung
in der Bewegung — indem die Thiere ver-
schiedengradig lahm gehen oder den Fuss
gar nicht gebrauchen können —- und in der
Empfindung — die Thiere äussern beim Be
rühren der verletzten Kronengegend verschie-
dengradige Schmerzhaftigkeit.
Die Untersuchung der Krone ergibt wei
ters die Schwellung der betreffenden Partie,
locale Temperaturerhöhung, die Verwundung
und die Wundsecrete, wie gelblich seröse
Ausschwitzungen, Blut, Eiter, Jauche, gallertig
flüssige oder ölige Massen bei Gelenkseröffnung
etc. Die Untersuchung mit der Sonde gibt
Aufschluss über die Beschaffenheit und Tiefe
der gesetzten Wunde.
Alle diese Momente zusammengefasst
gestatten uns, eine mehr weniger sichere
Diagnose über den Grad der Verletzung und
eine voraussichtliche, stets vorsichtig zu
haltende Prognose zu stellen.
Eine rationelle Behandlung erfordert vor
Allem die Reinigung der Wunde, Entfernung
der Haare mit der Haarschere sowie des ge
trennten Hornes mittelst des Rinnmessers —
dasselbe hat halbmondförmig wie bei der Hom-
spalte-Operation zu geschehen — weiters wird
in stärkeren Graden, wo dem Thiere absolute
Stallruhe zu gewähren ist, das Hufeisen ab
genommen und die Stollen aus den übrigen
Eisen entfernt.
Nach Regulirung der Wunde hat das
Wichtigste, die Anlage eines Druckverbandes,
zu geschehen.
Der Druckverband ist, von seiner die
Wunde schützenden Einwirkung abgesehen,
das beste Mittel, Wucherungen des Kronen
gewebes, welche bekanntlich die Heilung ver
zögern, und spätere Fehler in der Hornbildung,

wie Hornspalte (s. d.), Hornsäulen (s. d.), hohle
Wände (s. d.), Eiterversenkungen mit den
verschiedensten Folgeübeln, wie Hufknorpel
fistel (s. d.) etc. hintanzuhalten.
Mit Vortheil bedient man sich einer
Lösung von einem Theil Kupfervitriol auf
vier Theile Weinessig, in welche ein Werg- oder
Watteknäuel, der Grösse der Operationswunde
entsprechend, getaucht wird. Dasselbe wird
sodann auf die Wunde applicirt, ein zweites
und drittes trockenes darübergelegt und in
üblicher Weise mit einem schmalen (2—3 cm
breiten) Bande der Verband in Hobeltouren
um die Krone gemacht.
Hierauf ist der Huf in einen feuchten
Lappen einzuschlagen; in leichten Graden
kann das Pferd sofort verwendet werden; in
schweren Graden, namentlich wenn der Ver
band in Folge stärkerer Secretion Nässe
zeigt, ist dessen Entfernung und Neuanlage
nach einem vorherigen ‘/ 4 stündigen Bade der
Extremität in Heublumenaufguss zu bewerk
stelligen.
Die neue Chirurgie wendet den antisep
tischen Verband am besten mit Jodoform
(Bayer) an und wechselt seltener, in leichten
Graden gar nicht den Verband. Koch.
Kubanisches Rind, s. PodolischesRind.
Kugellöffel. Löffelförmiges Instrument,
um in Weichtheile eingedrungene und locker
sitzende Geschosse herausholen zu können.
Das Instrument ist aus Stahl gearbeitet,
von der Grösse eines Kaffee- oder Esslöffels.
Die Ränder des Löffels sind gut abge
rundet, die Innenfläche des Löffels mit Spitzen
versehen, um die erfasste Kugel besser zu
ffxiren.
An dem solid gearbeiteten Stiel sitzt in
der Regel an einem Ende ein grösserer, am
anderen ein kleinerer Löffel. Koch.
Kugelschraube. Eine nach Art eines
Bohrers gefertigte scharfgängige Schraube,
welche wie eine Knochenschraube, jedoch des
leichten Abgleitens von der runden Kugel
wegen sehr vorsichtig in das Projectil einzu
bohren ist. Koch.
Kugelzange. Ein scheerenartiges Instru
ment, dessen längere Schenkelenden löffel
förmig gestaltet sind, die Innenfläche der
löffelförmigen Vertiefungen sind rauh gemacht,
mitunter auch gefenstert.
Die Zange wird im geschlossenen Zu
stande in den Wundcanal wie eine Sonde ein
geführt, dann geöffnet und der fremde Körper
erfasst und entfernt. Koch.
Kummer, ein Gemüthsaffect, der als ein
minderer Grad der Trauer, ein Besorgtsein
um gewisse Vorgänge und ein Nichtbefriedigt
sein von den gegenwärtigen Verhältnissen sich
ausdrückt. Auch einzelne unserer Thiere, wie
Hunde nach der Trennung von ihrem bis
herigen Herrn, scheinen ihn zu empfinden. Sf.
Kurzhorniges Rind, s. Rind und Short-
horn.

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