Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Fünfter Band (Hugue - Langlois)
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vermindert durch Kali und Natron nitri-
cum, kohlen- und pflanzensaure Alkalien,
Natr. sulfuric., Magnes. sulfuric. Bei der sog.
Blutfleckenkrankheit kommt eine Abnahme der
Gerinnungsfähigkeit des Faserstoffes vor, so
dass derartige Individuen aus ganz kleinen ober
flächlichen Verletzungen verbluten kennen, weil
die Blutungen wegen mangelhafter Blutge
rinnung nicht aufhören. Semmer.
hypnopocus (von urcvo?, Schlaf, und rcotstv,
machen), schlafmachend, schlaferzeugend, ein
schläfernd. Schlampp.
Hypnos, der Schlaf. Schlampp.
Hypnotica (von ärcvoov, einschläfern), sc.
remedia, schlafmachende, einschläfernde Mittel,
Betäubungsmittel. Schlampp.
Hypoblast, s. Entwicklungsgeschichte.
Hypocapnismus(v. E>rtoxaitvE£ecv, darunter
räuchern), die Räucherung — fumigatio; da
von Hypocapnisma, das Räuchermittel. Sp.
Hypocatalepsis (v. Eutd, unter, u. xaTÄ7jtj/'?,
Starrsucht), die unvollständige Starrsucht. Sp.
Hypocausis (von örco-xaEsiv, von unten
abbrennen), das Verbrennen, die niedergradige
Verbrennung. Schlampp.
Hypochondria, dieTrübsinnigkeit oder
Schwermuth (von üwv, unter; yovdpoc, Knor
pel). Anatomisch versteht man unter Hypo-
chondrium dieUnterrippengegend, pathologisch
aber unter Hypochondrie Störungen der Seelen-
thätigkeit, besonders der subjectiven Empfin
dungen, welchen krankhafte Zustände der in
der Unterrippengegend liegenden Organe, näm
lich der Leber und der Milz zu Grunde liegen.
Chronische pathologische Veränderungen der
Leber und der Milz veranlassen Circulations-
störungen, Blutanhäufung im Grosshirn und
damit Störungen in der Psyche; das in den Gross
hirnlappen übermässig vorhandene Blut wirkt
deprimirend auf die sensoriellen Functionen,
die Empfindungen werden häufig verkehrte;
hypochondrische Menschen leiden an Wahn
vorstellungen, sie bilden sich Dinge ein, die
factisch nicht vorhanden sind, mindestens täu
schen sie sich über den logischen Zusammen
hang zwischen Ursache und Wirkung, das be
wusste Empfinden und die Fähigkeit, logische
Gedanken zu bilden, sind alterirt. Beispiele
von Trübsinnigkeit und Schwermuth sind unter
Thieren wenig bekannt, weil bei ihnen die
Psyche nur mangelhaft ausgebildet ist; die
wenigen Beispiele sind hauptsächlich bei geistig
höher entwickelten Pferden und Hunden be
obachtet worden; der Grund der Hypochondrie
wurzelt bei ihnen meistens in Heimweh oder
in Trauer um den Verlust ihres Herrn. Von
Pferden, welche in fremde Hände kamen, ist
mir bekannt, dass sie in tiefe Schwermuth und
Apathie verfielen, sich vollständig wie hoch
gradig dummkollerige Thiere benahmen, dass
aber alle diese Erscheinungen wieder ver
schwanden, als man sie in die gewohnten Um
gebungen zu ihrem früheren Besitzer zurück
brachte. Beruht die Hypochondrie auf chroni
schen Leberleiden, so sind gleichzeitig Störun
gen in der Verdauung vorhanden. Wegen der
Behandlung ist das Nähere unter Leberkrank
heiten und Milzhypertrophie nachzusehen. Anr.

Hypochondrium (von Emo, unter, und
Xo'vopos, Knorpel, Brustknorpel), die Unter
rippengegend. Schlampp.
Hypochorema (von Emo-^u>ps!v, unten Weg
gehen), der ausgeleerte Darmkoth. Schlampp
Hypoderma bovis, s. Rinderbremse, Oestrus
bovis unter Bremsenfliegen.
Hypodermatische Application der Heil
mittel. Die Methode, Arzneimittel in das Unter
hautbindegewebe (Hypoderma, Subcutis) ein
zuführen und sowohl örtliche als allgemeine
Wirkungen hervorzubringen, datirt von nicht
langer Zeit her und ist erst 1853 aus England
über Frankreich nach Deutschland und Oester
reich in die Menschenheilkunde eingeführt
worden. In die Thierheilkunde hat sie nur
schwer Eingang finden können und haben zuerst
Tabourin und Saunier mit der Methode ex-
perimentirt, indem sie die Flüssigkeit in eine
Hauttasche gossen, später St. Cyr und Bouley,
in Deutschland besonders Gerlach, Fürsten
berg, Dammann, Siedamgrotzky, Friedberger,
Dieekerhoff, Albrecht, Johne, Ellenberger,
Lemke, Feser, Möller; Holzmann in Kasan u. A.
Jetzt, nachdem reiche Erfahrungen vorliegen
und die grossen Vorzüge besser bekannt ge
worden sind, steht das Verfahren wohl all
gemein im Gebrauche, so dass es kaum mehr
praktische Veterinärärzte geben wird, welche
von der subcutanen Injectionsspritze nicht
Gebrauch machen würden.
Man benützt hauptsächlich flüssige Sub
stanzen, das Einbringen fester Körper (sub-
cutane Implantation) hat sich als unzweck
mässig erwiesen und wird nicht mehr geübt.
Die Absorption von dem lockeren, maschi
gen Bindegewebe unter der Haut erfolgt sehr
leicht, uni ist dies schon aus dem Grunde
begreiflich, da ja aus dem Bindegewebe und
seinen wandungslosen Räumen die Anfänge
der absorbirenden Lymphgefässe hervorgehen
und letztere hier viel mehr in Betracht kommen
als die Blutgefässe, bei den Thieren werden
daher nach subcutaner Aufnahme pathogener
Substanzen immer zuerst die nächstgelegenen
Lymphbahnen in Mitleidenschaft gezogen. So
wohl die Erfahrungen bei Kranken als die
directen Versuche an Thieren, wie sie überaus
zahlreich besonders von Wood, Levi, Eulenburg,
Graefe u. A. angestellt wurden, haben über
einstimmend ergeben, dass die Absorption nicht
blos sehr leicht, sondern auch viel rascher
vor sich geht als bei der internen, rectalen
oder trachealen Darreichung. Nach Einführung
derselben Menge Amygdalin in das Unterhaut
gewebe und in den Magen erscheint z. B. das
leicht nachweisbare Gift im ersten Falle schon
nach 3% Minuten im Blute, im zweiten erst
nach 14, es werden aber auch die subcutan
eingeführten Stoffe rascher wieder fortgeschafft,
so dass bei Injection z. B. von Eisenkalium-
cyanür per os die Zeit zwischen der Einspritzung
und dem Verschwinden aus den Secreten 3—4-
mal so lange ist wie bei der hypodermatischen
Application ; es findet somit die raschere Ac-
cumulation im Blute ein Gegengewicht in der
rascheren Elimination, die aus ersterer abzulei
tende Verkleinerung der anzuwendenden Dosis

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