Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Fünfter Band (Hugue - Langlois)
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Sensoriums gegeben; die Kranken stehen mit
gesenktem Kopfe oder stützen ihn auf der
Krippe oder auf der Stallwand, ' nicht selten
benehmen sie sich soporös, auch liegen sie
viel mit vorgestrecktem Kopfe (Dieckerhoff),
machen kauende Bewegungen, wobei sie mit
den Zähnen knirschen; manche Kranke fahren
bei den geringsten Geräuschen krampfhaft
zusammen (Buch, Thierarzt pro 1882) oder
machen Drehbewegungen (Zürn). Mitunter
schwellen die Augenlider, die Nase, die Lippen,
die Ohren und der Kopf an; an den Lippen
und der Nase bemerkt man gelbe, flüssige
Exsudatmassen, welche zu Schorfen eintrock
nen unter Abstossung des Epithels (Zürn).
Kreisthierarzt Stöhr (Mittheilungen aus der
thierärztlichen Praxis in Preussen pro 1879/80)
beobachtete erisjpelatöse Geschwülste am
Kopfe, welche sich über Nacht einstellten;
am meisten afficirt waren die Ohren und die
Haut in der Umgebung der Nase, die sich
innerhalb 14 Tagen brandig abstiessen. Die
Anschwellung einzelner äusserer Körpertheile
scheint dafür zu sprechen, dass die Pilze der
Lupinen in diese Theile eingedrungen sind und
sie entzündlich gereizt haben. Druck auf die
Lebergegend verursacht Schmerz. Abmagerung
und Verfall der Kräfte führen den Tod oft
schon nach 3—4 Tagen, höchstens nach 8 bis
10 Tagen herbei. Die Reconvalescenz erfolgt
theils schnell am 8. bis 6. Tage, theils lang
sam und dann unter Zurücklassung einer man
gelhaften Verdauung und Ernährung. Bei
chronischem Verlaufe bilden sich Hydrämie
und Kachexie aus; auch kommt es vor, dass
Puls und Temperatur unter die Norm her
abgehen.
Autoptisch lassen sich folgende Verände
rungen nachweisen: Gelbfärbung der Schleim
häute, serösen Häute und verschiedener Or
gane, besonders auch der Leber selbst in
ihrer Gesammtheit oder an einzelnen Stellen;
Hypertrophie und Anämie, bei längerem Be
stehen fettige Entartung und Erweichung oder
rothe und gelbe, selten granulöse Atrophie der
Leber mit Betheiligung der Gefässe und des
interstitiellen Gewebes; schlaffe, fettig dege-
nerirte und atrophirte oder entzündete Nieren,
deren Rindenschicht graugelb und getrübt,
deren Marksubstanz geröthet; eiweisshaltiger,
meistens gelbgefärbter Harn; Katarrh der Harn
blase; Atrophie, Anämie, Trübung und Gelb
färbung der Herzmuskulatur in mehr oder we
niger erheblichem Umfange; Ecchymosen am
Herzbeutel und etwas Transsudat in demselben;
vergrößerte, schlaffe, graurothe Milz; katar
rhalische Affection und leichte Röthung ein
zelner Abtheilungen des Darmcanals und des,
Magens, besonders des Labmagens; Blutaus-
tretungen auf dem Peritoneum, auch in den
Darmhäuten, im Netz und Gekröse, im Uterus
und in der Vagina, in der Haut und im sub-
cutanen Bindegewebe; seröses Transsudat in
der Bauchhöhle; Oedem der Pia mater, des
Kehlkopfes und der Lungen; getrübte, grau
gelbe Muskeln; Abmagerung (vgl. Schütz,
Archiv für Thierheilkunde, 9. Bd.). Zürn (1. c.)
fand in den kranken Lebern Mikrokokken,

Conidien und kurze Mycelien, desgleichen in
den Harncanälchen neben Häminschollen.
Auf Sicilien ist unter den Weideiindern
während der Sommerhitze das gelbe Fieber
beobachtet worden; es bricht plötzlich aus.
Die wichtigsten Symptome sind Schüttelfrost,
Appetits Verlust, gesenkter Kopf, beschleunigte
und erschwerte Respiration, verzögerter, in-
termittirender Puls, kalte Extremitäten, Tem
peratur von 38—39°, eingefallene Augen,
ieterische Färbung der Schleimhäute und der
Haut am Euter und Scrotum, Kolik, Diarrhöe,
blutige Excremente, Schwäche, vieles Liegen,
pochender Herzschlag, blutiger Harn, Con-
vulsionen und Tod. Der Verlauf der Krank
heit ist in einigen Stunden bis drei Tagen
beendet und stets ein tödtlicher. Die Sections-
erscheinungen stimmen ganz mit den eben
angeführten überein, das Blut ist schwarz,
syrupartig, nicht gerinnungsfähig, in ihm macht
sich eine Verminderung der rothen Blut
körperchen bemerklich. Als Ursachen dieses
Icterus gravis sieht man ein Sumpfmiasma
und verdorbenes, mit faulenden thierischen und
pflanzlichen Substanzen überladenes Wasser
an; auch soll die Krankheit infectiös sein (vgl.
Rec. de möd. vötdr. 1884).
Auch bei Hunden tritt Icterus gravis mit
fast regelrechtem tödtlichen Ausgange auf
bei herabgesetzter Temperatur, Torpor, Ma
rasmus und hochgradiger Gelbfärbung der
Gewebe.
Therapie. Die Hauptsache bleibt die
Prophylaxe, da Icterus gravis Heilmitteln
kaum zugänglich ist. Die Lupinenfütterung
muss streng überwacht und sofort eingestellt
werden, wenn die Thiere die Fresslust ver
lieren oder einen Widerwillen gegen Lupinen
bekunden. Die Lupinen selbst sind auf Pilze
zu untersuchen, um letztere möglichst besei
tigen oder unschädlich machen zu können,
z. B. durch Auslaugen in Wasser, Abklopfen,
Lüften, Besprengen mit Salz wasser, im Winter
durch Ausfrieren etc. Zürn schlägt vor, aus
den Lupinen kein Heu, sondern Sauerfutter zu
bereiten. Als Heilmittel ist hauptsächlich die
krystallisirte Carbolsäure in Schleim, u. zw.
in stärkeren Lösungen zur Anwendung gekom
men, ausserdem vermögen die bei dem Gallen
fieber angeführten und empfohlenen Mittel
die Zufälle zu mildern, sofern der Verlauf ein
mehr chronischer ist, z. B. Aloe, China, Sali
ern, Absynth, Chelidonium, Kalomel(fürHunde),
mineralische Säuren in Verbindung mit Aether,
Terpentinöl mit Aether, Chloralhydrat etc. Anr.
Idiopathische Krankheiten (von (Sm?,
eigen; rrdflos, Leiden) werden alle diejenigen
Leiden genannt, welche unabhängig von an
deren abnormen Zuständen aus localen Rei
zungen hervorgehen. Ihnen gegenüber stehen
die deuteropathischen Krankheiten im Gefolge
anderer, vorausgegangener krankhafter Zu
stände; diese qualificiren sich mithin als
Nachkrankheiten, jene als ursprüngliche, ori
ginäre, primäre, protopathische oder autoch-
thone Krankheiten. Die idiopathischen Krank
heiten compliciren sich leicht mit deutero
pathischen, weil durch sie die Widerstands-

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