Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Sechster Band (Langogne - Myzon)
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LIPPIZA.

Jahre 1718 befahl der Kaiser den Ankauf des
Gutes Adelsberg, welches um den Preis von
80.000 fl. erstanden wurde. Durch diesen Kauf
wurde Adelsberg (Postojna Adlersberg) eine
Dependenz von Lippiza, und wurde dortselbst
ein Theil des Gestütes untergebracht. Im Jahre
1727 wurden mit dem Stifte Sittich Unter
handlungen wegen Erwerbung des drei Meilen
von Lippiza entfernten Stiftsgutes Prestranegg
für das Hofärar eingeleitet. Dieses Gut wurde
von dem Abte Anton 1699 um 16.000 fl. für
das Stift gekauft, zur Zeit sass auf demselben
Graf v. Gallenberg als Bestandinhaber, wel
cher ein kleines Gestüt mit 82 Stück Pferden
daselbst unterhielt. Um 14.000 fl. ging am
19. Juni 1728 Prestranegg in das Eigenthum
des Hofärars über und wurde somit eine De
pendenz von Lippiza. Durch diese neue Filiale
in so geringer Entfernung vom Muttergestüte
gewann Lippiza, das bisher immer mit der
Dürftigkeit des Bodens zu kämpfen hatte, für
alle Folge die gesicherte Bezugsquelle unüber
trefflichen Bauhfutters. In seinen ausgezeich
neten Alpenweiden bietet Prestranegg nicht nur
den dorthin überstellten Thieren die denkbar
vortheilhafteste Weide und das nahrhafteste
Heu, sondern kann auch den grössten Theil
dieses Futterartikels für Lippiza selbst decken.
Das durch den Erwerb von Prestranegg
für Lippiza so bedeutungsvolle Jahr 1728
sollte auch noch in anderer Richtung, u. zw.
durch den Besuch des Monarchen eine erhöhte
Bedeutung gewinnen. Nachdem am 29. August
desselben Jahres Kaiser Karl VI. in Laibach
gehuldigt wurde, reiste derselbe von Görz kom
mend über Heidenschaft, Wippach, Prewald,
Sennosetsch nach Triest und hielt auf seinem
Gute Lippiza Nachtquartier, von wo aus der
selbe durch den Triester Stadthauptmann
Baron de Ein am 9. September eingeholt
wurde. Zum Zeichen der Allerhöchsten Zu
friedenheit schenkte der Monarch dem da
maligen Gestütsmeister Nicoletti im Görzer
Territorium gelegene Weingärten.
Im Jahre 1736 wurde die Filiale Adels
berg des Lippizaner Gestütes aufgelöst und
die Pferde aus jener Filiale in das mittler
weile adaptirte Prestranegg überführt. Wäh
rend der Herrschaft der Kaiserin Maria The
resia (1740 —1780) wurde die Herrschaft
Adelsberg wieder vom Hofgestüte getrennt
und zum Bancalfonde geschlagen, blieb jedoch
mit dem Gestüte in ökonomischer Verbindung,
die sich auf gewisse Naturallieferungen, Holz
rechte und auf den Genuss der Alpen, Wiesen
u. dgl. erstreckte. Ein besonderes Augenmerk
widmete der Gemal der Kaiserin, Franz
von Lothringen, dessen hoher Gunst sich der
Oberstallmeister Fürst Heinrich von Auersperg
rühmen durfte, den Einrichtungen der Hof
gestüte. Der Stand der Mutterstuten im Ge
stüte war zu dieser Zeit ISO Köpfe stark, aus
welchen grösstentheils Reitpferde gezogen
wurden; diese hatten ihren Ruf als ganz vor
zügliche Thiere schon fest begründet und
man beschloss, zu Lippiza wieder den Garros -
siers mehr Sorgfalt zuzuwenden. Hiezu sollte
der Stand um SO Mutterstuten vermehrt wer

den. In der That wurden zu diesem Behufe
im Jahre 1768 von dem Gestüte Koptschan
bei Hollitsch 20 Stuten überführt; dieselben
wurden jedoch 1771 in Folge neuer Bestim
mungen wieder nach Kladrub übersetzt. Durch
den vorn Fürsten Kaunitz 1774 erworbenen
Original-Neapolitaner Conversano erhielt Lip
piza einen höchst werthvollen Zuwachs, denn
Conversano ward der Stammvater zahlreicher
Nachkommenschaft, welche auch heute noch
als der Zweitälteste der reinen Stämme, nach
Pluto, Original-Däne, der 1772 in das Gestüt
kam, mit bestem Erfolge gezogen wird.
Als Kaiser Josef II. (1780—1790) im
Jahre 1784 von seiner nach Rom und Neapel
unternommenen Reise zurückkehrte, wurde
der Filiale Prestranegg am 19. März das
(Jlück des Allerhöchsten Besuches zutheil.
Zum erstenmale war im Jahre 1785 die
Existenz des k. k. Kursier Hofgestütes nach
mehr als 200jährigem Bestände ernstlich be
droht, denn in einer Relation des Commissarius
v. Breinl wurde die Frage aufgeworfen, „ob
es für den Staat besser sei, die Gestüterei in
Lippiza und Prestranegg beizubehalten oder
solche aufzulassen“. In den darauf folgenden
Berathungen wurde vorgeschlagen, Lippiza
aufzulassen und ein ähnliches Gestüt in Ga
lizien, bei Hallen, zu errichten. Die für das
Gestüt nun zur Lebensfrage gewordene Aller
höchste Entscheidung liess nicht lange auf
sich warten, der Kaiser erliess mit der ge
wohnten Raschheit am 26. April 1786 die
Allerhöchste Resolution: „Es ist ebensowenig
nöthig, in Galizien einen für ein Gestüt schick
lichen Ort ausfindig zu machen, als von Auf
hebung der zwei Krainer Gestüte für jetzo
die Frage sein kann.“ So war denn die Er
haltung des für den Hofhaushalt wie für die
Provinz gleich wichtigen Etablissements neuer
dings sichergestellt und heute ist es allen
Hippologen, die die Lippizaner Rasse kennen,
klar, dass es ein unverzeihlicher Fehler ge
wesen wäre, das Gestüt von dem Boden, auf
welchen es sein Gründer gesetzt und in
dem es so kräftige Wurzel geschlagen hatte,
loszureissen.
Kaiser Leopold II. (1790—1792), in dessen
kurze Regierungszeit Adaptirungen bei den
Wirthschaftsgebäuden, auf den Alpen Potschka
und Raunegg und die Errichtung einer vor
züglichen Tränke daselbst fallen, besuchte
das Gestüt 1790.
Um diese Zeit (1793) bot der Besitzer
des Gutes Steinberg im Adelsberger Bezirke
an der Strasse von St. Peter nach Fiume,
3 Stunden von Prestranegg, dasselbe dem
Hofärar für die Zwecke des Gestütes an und
die Gestütsverwaltung selbst befürwortete den
Erwerb theils aus ökonomischen Gründen,
theils im Hinblicke auf die Möglichkeit, das
Gestüt seinerzeit gänzlich in fruchtbarere Ge
gend und ein Stück weiter gegen Wien zu
verlegen. Durch diese Befürwortung zeigte es
sich wieder, dass selbst einzelne in der Ver
waltung des Institutes bedienstete Männer
den Einfluss des Bodens und des Klimas von
Lippiza für die Hervorbringung des speciellen

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