Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Sechster Band (Langogne - Myzon)
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davon abhängige Ermüdung keineswegs pro
portional der Geschwindigkeit. Wenn der
Trab so langsam ausgeführt wird wie der
Schritt, was überhaupt nur bei einem Schul
pferd möglich ist, so strengt er viel mehr an
als bei der gewöhnlichen Geschwindigkeit des
Trabes.
Die Bewegung ist beim Trabe zum Un
terschied vom Schritt ungleichmäßig und
stossweise. Die Schrittlänge, welche beim
Trab ebenso bestimmt wird wie beim Schritt,
kann bei ersterem länger, ebenso lang oder
kürzer sein als bei letzterem.
Der Schwerpunkt wird bald von dem
einen, bald von dem anderen Paare diago
naler Gliedmassen gestützt, verändert also
seine Lage nur wenig, und es kann die Kör
perlast von den vorgestellten Gliedmassen so
fort aufgefangen werden. Dieses rasche Auf
fangen des Körpergewichtes bedingt die für
den Reiter unangenehmen Stösse, welche nach
der Stellung der Knochen zu einander ver
schieden stark ausfallen müssen.
Der Trab ist sehr geeignet zur Erzielung
einer grossen, anhaltenden Geschwindigkeit,
aber ungeeignet zum Fortschaffen grosser
Lasten, weil diese das Zustandekommen einer
grossen Beschleunigung unmöglich machen.
Beim Pass befinden sich stets zwei
gleichseitige Gliedmassen in demsel
ben Bewegungsstadium. Für die einzel
nen Momente der Bewegung lassen sich die
Bilder dadurch leicht construiren, dass man
in dem durch Fig. 1173 gegebenen Schema die
den gleichseitigen Gliedmassen entsprechen
den Radien zusammenfallen lässt, u. zw. in
die Radien eines Durchmessers.
Auch der Pass ist nur bei einer gewissen
Geschwindigkeit der Actionen ausführbar aus
den beim Trab besprochenen Gründen. Durch
das gleichzeitige Eintreten zweier Gliedmassen
in ein Bewegungsstadium kann nur beim
ersten Schritte eine unwesentliche Zeiterspar
nis eintreten, im weiteren Verlauf nicht
mehr.
Der Schwerpunkt wird ab
wechselnd von den gleichseiti
gen Gliedmassen gestützt. Das
Auffangen der Körperlast ist
schwieriger, weil die Schwer
linie dabei von einer Seite auf
die andere geschafft werden
muss. Dieses Auffangen des
Körpergewichtes kann nicht so
plötzlich erfolgen wie beim Trab,
weshalb auch keine starken
Stösse, dagegen schwankende
Bewegungen von einer Seite
zur anderen entstehen.
Für Kreisbewegungen, bei
denen die Erhaltung des Gleich
gewichtes überhaupt erschwert
ist, ist diese Gangart unge
eignet, ebenso für den schwe
ren Zug, bei dem die Hin- und
Herbewegung des Rumpfes
einen zu grossen Kraftverbrauch
bedingen würde.

Das Wesen des Galops besteht in Fol
gendem: Die vier Gliedmassen werden
rasch nacheinander ergiebig gestreckt,
der Körper wird dadurch nach vorn geschleu
dert, schwebt kurze Zeit in der Luft und
wird dann von den inzwischen vorgeführten
Gliedmassen aufgefangen. Die Reihenfolge,
in welcher die Gliedmassen gestreckt werden,
den Boden verlassen und auf denselben zu
rückkommen, ist ein und dieselbe und beginnt
stets mit einer Hintergliedmasse, um mit der
diagonalen Vordergliedmasse zu enden. Von
den Gliedmassen der anderen Diagonale geht
ebenfalls die Hintergliedmasse der Vorder
gliedmasse in der Bewegung voraus. Die Mo
mentaufnahmen Taf. XXXVIII und Vergröße
rungen derselben Fig. 1176 bis 1182 zeigen die
Aufeinanderfolge der verschiedenen Stadien.
Diese Augenblicksbilder machen beim ersten
Anblick den Eindruck der Unmöglichkeit. Aber
dies ändert sich sofort, wenn man bedenkt, dass
diese Stellungen nur eine für gewöhnliche
Begriffe unendlich kurze Zeit C/iooo Secunde)
andauern. (Eine fliegende Kanonenkugel lie
fert als Momentphotographie das Bild einer
Kugel, welche frei in der Luft hängt).
Nach der die Reihenfolge beendenden
Vordergliedmasse wird ein „Galop links“
(Fig. 1176 bis 1182) und ein „Galop rechts“
unterschieden. Bei ersterem kommt zuerst der
rechte Hinterfuss (Fig. 1178) auf den Boden,
daun der linke Hinterfuss (Fig. 1179), der
rechte Vorderfuss (Fig. 1180) und endlich der
linke Vorderfuss (Fig. 1182) rechts zu ver
tauschen. Man müsste also vier Hufschläge
hören, diese können aber zum Theil so
rasch aufeinanderfolgen, dass man blos drei
oder selbst nur zwei zu hören bekommt. Im
ersten Falle treten beim „Galop links“ der
linke Hinterfuss und der rechte Vorderfuss
fast zu gleicher Zeit auf, im zweiten (Renn-
galop) die gleichnamigen Füsse. Im Moment
des Schwebens sind alle Gliedmassen unter
den Leib gezogen, weil die Hinterglied
massen bereits vorgeführt sind, die Vorder-

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