Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Sechster Band (Langogne - Myzon)
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je nach Bedarf folgende Nebenapparate fixirt
werden: zwei Blendungsträger, die zugleich
als Ständer für die matte Scheibe zu benützen
sind, ein Planspiegel, eine Wasserkammer zur
Absorption der Wärmestrahlen und ein
Sammellinsensystem, bestehend aus drei, zur
möglichst vollkommenen Ausnützung der
Lichtquelle construirten Crownglaslinsen von
125 mm Durchmesser; alle diese Dinge sind
in der Höhe verstellbar.
Die Camera ist getrennt vom Mikroskop
auf einem leichten, aber soliden Gusseisen
stativ mit Eisenschienen montirt, auf welchem
sie sich mittelst Rollen sanft und geräuschlos
bewegen lässt. Die Gesammtlänge des Ca
merabalges ist l'/»m und gestattet der letz
tere durch Verkürzung die Anwendung jeder
geringeren Bilddistanz. Der Wunsch, den
Apparat zugleich für Aufnahmen von flüssigen
Präparaten (Reinculturen auf Platten) einzu
richten, hat zu einer Theilung der Camera in
zwei Hälften geführt, deren eine sich auf
klappen und sowohl in senkrechter, als in
jeder schiefen Stellung über dem Mikroskop
sich fixiren lässt. An dem Mikroskopende der
Camera, d. h. dem Theil, welcher an das
Mikroskop angefügt werden muss, befindet
sich ein Hülsenstück und an dem correspon-
direnden Tubusende des Mikroskops eine
doppelte Hülse. Durch Zusammenfügung bei
der wird der nöthige Lichtabschluss ohne Er
schütterung der Instrumente erreicht, indem
die Camera an das Mikroskop herangerollt
wird und die Hülsen sich verschieben.
Da die Hülse der Camera rasch abnehm
bar ist und leicht mit einem makroskopischen
Photographenobjectiv vertauscht werden kann,
so ist die Camera auch zu gewöhnlichen
photographischen Aufnahmen geeignet. Die
Mikrometerschraube des Mikroskopstativs kann
vom hinteren Ende der Camera aus mittelst
Hooke’scher Schlüssel und besonderer Ein
richtung dirigirt werden.
Beide Hälften der Camera sind für Cas-
setten von 24 X 24 cm Bildgrösse einge
richtet, von denen zwei Stück jedem Apparate
beigegeben werden, und welche sich selbst
verständlich durch Einlage von Rahmen für
Platten verschiedener kleinerer Dimensionen
verwenden lassen. Zwei Einstellplatten, von
denen die eine mattgeschliffen, für oberfläch
liche Orientirung über das Bild, die andere,
durchsichtig und auf der Mikroskopseite mit
Diamantkreuz versehen, für feine Einstellung
der Bilder mittelst einer auf letzterer focus-
sirten Stelllupe dient, vervollständigen die
Einrichtung. Auf Wunsch wird eine dritte
Cassette beigegeben, deren eigenartige Form
gestattet, behufs Eruirung der besten Expo
sitionszeit eine grössere Anzahl von Aufnahmen
nebeneinander auf einer einzigen Platte aus
zuführen. Mit allem Zubehör (mit Mikroskop
stativ und elektrischer Bogenlampe, aber
ohne Objectiv und Oculare) kostet dieser
Apparat 1410 Mark.
Nächst diesem Apparate dürfte die nach
den Angaben von Dr. Neuhauss gefertigte,
bei Klönne und Müller käufliche Camera

als denAnforderungen, welche die wissenschaft
liche Mikroskopie an die photographische Kunst
stellt, in der Leistungsfähigkeit am meisten ent
sprechend auszuzählen sein. Das höchst sauber
gearbeitete Instrument ist einfach und sinn
reich gebaut und sein verhältnissmässig nie
derer Preis gibt Anlass, dass die Mikrophoto
graphie nicht eine Kunst bleibt, der nur
Wenige obliegen können. Die Camera kostet
130 Mark, mit Beleuchtungslinse 150 Mark.
Zu dieser Camera kann jedes Mikroskop ver
wendet werden, dessen Fuss Hufeisenform
besitzt; am besten sind die umlegbaren
Stative, in Ermanglung eines solchen muss
man das Instrument horizontal legen und
auf passender Unterlage befestigen.
Die übrigen im Handel befindlichen mikro
photographischen Apparate sind im Allgemeinen
ziemlich übereinstimmend gebaut, theils in
verticaler, theils in horizontaler Lage montirt
und mehr oder weniger dem Modell von Neu
hauss ähnelnd; es sind erwähnenswerth die
Apparate von Seibert in Wetzlar, von Leitz
in Wetzlar, Reichert in Wien, A. Stege
mann in Berlin, J. F. Schippang in Berlin
nnd die kleine mikrophotographische Camera
nach Frarnotte von Zeiss (Preis 70 Mark).
Zu Aufnahmen bei schwachen Vergrößerungen
sind sie alle dienlich, zur Herstellung von
Photogrammen, bei welchen starke Systeme,
Immersionen, Verwendung finden müssen, z. B.
von Bacterienpräparaten, ist der grössere Theil
derselben nicht hinreichend, mindestens nicht
bequem und einfach genug adjustirt. Aufnahmen
mit schwachen Vergrößerungen, z. B. 20—9ü
linear, sind schon mit ganz primitiven Hilfs
mitteln zu bewerkstelligen. Jede gewöhnliche
Landschaftscamera, mit oder ohne Objectiv
einem Mikroskope angefügt, ist dazu geeignet,
und der Findige wird sich aus Pappe oder
Cigarrenbrettchen leicht selbst eine solche
Camera construiren können. Denn es bedarf
nur eines dunklen Kästchens (Camera obscura),
an dessen einer Seite ein Ausschnitt zur Ein
fügung des Mikroskoptubus gemacht wird und
dessen andere Seite ein Milchglas bekommt, um
das mikroskopische Bild auf dieser Glasplatte
erscheinen zu lassen, und wenn man an die
Stelle des Milchglases eine Cassette mit der
photographischen Platte setzt, kann man das
Bild photographiren. In welcher Weise mikro
photographische Aufnahmen gemacht werden,
mag nachfolgende Schilderung der Hand
habung des Apparates von Klönne und
Müller erläutern.
Dieser Apparat (Modell Neuhauss) hat
einen doppelten Balg, welcher es ermöglicht,
der Camera eine Länge von 1 "80 m zu ge
ben; der Balg ist in viereckigen Mahagoni
holzrahmen befestigt und kann in beliebiger
Weise ausgezogen, auf Laufbrettern fixirt wer
den. Nach vorne ist die Camera durch einen
Blechcylinder verlängert, der auf einer schieb
baren Holzwand ruht und sowohl in ver
schiedene Höhe verstellt, wie auch ganz aus
gehoben werden kann. An den Blechcylinder
wird der Mikroskoptubus mittelst eines be
sonderen Verbindungsstückes befestigt, das

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