Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Sechster Band (Langogne - Myzon)
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behufs Verfütterung derselben unbedingt er
forderlich ist.
Alle Kleien, Futtermehle u. dgl. werden
am besten trocken, mit anderem voluminöseren
Kurzfutter vermischt, zur Verfütterung ge
bracht. Nur wenn es sich darum handelt,
wenig schmackhafte Futterstoffe (grobes Stroh
häcksel) o. dgl. durch Hebrühen und Ein
weichen mundgerechter zu machen, ist es
eventuell angezeigt, Kleiesuppen u. dgl. her
zustellen, wozu man heisses Wasser, oder noch
besser lauwarmes Wasser, dem etwa 1—2%
Kochsalz oder kohl-nsaures Natrium zugesetzt
wurden, verwendet. Durch den Kochsalzzu
satz etc. sollen die beim Mahlen der Körner
durch Erhitzung und Austrocknung erhärteten,
dicht unter der Schale liegenden stickstoff
reichen (Kleber-) Zellen besser aufgeschlossen
und dann leichter verdaut werden. Im fiebrigen
ist die Verfütterung von nasser Kleie oder
von Kleiesuppen umsoweniger empfehlenswert!!,
als grössere Gaben davon beim Rindvieh
schlamp ernauke ähnliche Erkrankungen her
vorrufen können. Das oft empfohlene Anrüh
ren der Kleie mit warmem Wasser und Malz
auszug verspricht keine besseren Erfolge. Da
gegen hat sich bei der Schweinemästung
das Kochen der in Rede stehenden Futtermit
tel, u. zw. mit anderen, zuweilen bewährt,
ohne indessen deshalb eine besondere Empfeh
lung zu verdienen.
Die anhaltende Verabreichung sehr
reicher Kleiegaben u. dgl. übt eine erschlaf
fende Wirkung auf die Verdauungsorgane aus,
die sich durch Säurebildung, breiige Excre
mente und schliesslich auch durch heftige
Verdauungsstörungen, Koliken und stinkende
Durchfälle äussert. Ausserdem entstehen nach
anhaltend reichlicher Kleiefütterung häufig
Darm- und sogar Harnsteine, was dem hohen
Phosphorsäure- und Magnesiagehalt der Kleien
zuzuschreiben ist. Bei Verdauungsstörungen
entwickelt sich nämlich im Darm der Thiere
u. a. ziemlich viel Ammoniak, das mit der im
Speisebrei vorhandenen gelösten phosphor
sauren Magnesia unlösliche phosphor
saure Ammoniak-Magnesia bildet, die
sich im Blind- oder Grimmdarm in Form von
Steinbildungen festsetzt. Solche Steinbildungen
kommen namentlich oft bei Müllerpferden,
die viel Kleie (bis zu 20 Pfund pro Haupt
und Tag) verzehren müssen, vor und er
reichen zuweilen ein Gewicht von mehreren
Kilogramm. Aber auch bei Hammeln be
obachtete Dammann derartige Steinbildungen
(Harnsteine), die stets fast ausschliesslich aus
phosphorsaurer Ammoniakmagnesia bestehen.
Ferner sollen auch Knochenauftreibungen an
den Kiefern und Gelenken nach zu reich
licher Kleie- und Mehllütterung entstehen
(Krüschkrankheit,Schnüffelkrankheit s. d.), und
verursachen die in Rede stehenden Abfälle
bei wachsenden Thieren mit schlechter
Verdauung überhaupt leicht Knochenkrank
heiten, indem der Phosphorsäurereichthum aus
den oben angedeuteten Gründen nicht zur
Geltung kommt. Pott.
Müller’sche Kapsel s. Harncanäle

Müller’scher Faden s. Müllerscher Gang.
Müller’scher Gang. Zu den Seiten der
Wolff’schen Körper (s. d.) macht sich in einer
frühen Zeit der fötalen Entwicklung, beim
Pferde in der 6. Trächtigkeitswoche, ein
solider, aus Bildungsgewebe bestehender
zarter Strang, Müller’scher Faden, be-
merklich, welcher sich bald in einen hohlen,
am vorderen Ende mit einer kleinen Auf
treibung blind endenden Canal, Müller’scher
Gang, umwandelt. Der letztere läuft parallel
mit dem Ausführungsgang des Wolff’schen
Körpers seiner Seite und medial von dem
selben nach hinten und mündet in den Sack
der Harnhaut ein. Später verbinden sich die
beiderseitigen Müller’schen Gänge an ihrem
hinteren Ende unter einander. Aus denselben
entwickeln sich beim weiblichen Thiere die
Eileiter, die Gebärmutter und die Scheide
bis zum Vorhof der letzteren. Bei dem männ
lichen Thiere verkümmern die Müller’schen
Gänge bis auf die schwachen Heberreste,
welche als männlicher Uterus (s. d.) be
zeichnet werden. Müller.
Münch, deutscher Arzt und Schriftsteller
schrieb über die Wirkung der Belladonna auf
die Hausthiere, im XVIII. Jahrhundert. Ahr.
München. Veterinärschule zu München,
gegründet 1790; an derselben wirkten: Will,
Graf, Ryss, Schwab, Laubender, Plank, Mun-
digl, Ramoser, Kreutzer, Postl, Nicklas, Fraas,
Probstmayer, Franck. Gegenwärtig: Hahn,
Feser, Friedberger, Bonnet, Harz, Schreiber,
Kitt, Tappeiner, Förster, Rathmund. Semmer.
München. Equitationsanstalt. Die
königlich bayerische Equitationsanstalt in
München besteht aus einer Lehrabtheilung
und einer Art Remontendepöt. Aus letzterem
können sich die nicht der Cavallerie ange-
hörigen Offleiere gegen Erlegung des Normal
preises den Anforderungen ihres Dienstes ent
sprechend beritten machen.
Die Lehrabtheilung dient dazu, eine rich
tige und gleichmässige Ausbildung im Reiten
und in der Dressur der Pferde im bayerischen
Heere vorzubereiten. Hiezu ist derselben
auch die Ertheilung des Reitunterrichtes an
die Schüler der Militärbildungsanstalten über
tragen.
Der Unterrichtscursus der Anstalt, wel
cher einjährig ist, beginnt jedesmal am 1. Octo-
ber. Zu demselben werden 14 Lieutenants der
Cavallerie, von denen 4 ein zweites Jahr
bei der Anstalt bleiben, 3 Lieutenants der
Feldartillerie, 20 Gefreite der Cavallerie und
8 Gefreite der Feldartillerie commandirt.
Die Anstalt steht unter dem Commando
eines Stabsofficiers, ausser welchem sich bei
derselben ein Rittmeister als Escadronchef
und Reitlehrer, drei Premierlieutenants als
Reitlehrer, ein Lieutenant als Adjutant, ein
Stallmeister und ein etwa 220 Köpfe zählendes
Personal von Unterofflcieren, Gemeinen u, s. w.
befinden.
Landgestüt. Ueber das königlich baye
rische Landgestüt, welches häufig als solches
zu München genannt wird, s. Schwabing. Gn

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